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Hereditäre Hämochromatose: Unterschied zwischen den Versionen

(Diagnostik: Serumeisen ist wegen starker Schwankungen obsolet:[http://www.aerzteblatt.de/archiv/48815]; Transferrinsättigung überflüssig; Text-wdl. & veraltetes gelöscht.)
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==Definition==
 
==Definition==
Die '''Hereditäre Hämochromatose''' ist eine [[Autosomal-rezessiver Erbgang|autosomal-rezessiv]]e [[Erbkrankheit]], bei der es zu einer [[Siderose|Eisenüberladung]] kommt.
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Die '''Hereditäre Hämochromatose''' ist eine [[Autosomal-rezessiver Erbgang|autosomal-rezessiv]]e [[Erbkrankheit]], bei der es zu einer [[Siderose|Eisenüberladung]] (Siderose) kommt.
  
 
==Genetik==
 
==Genetik==
Verschiedene [[ Gendefekt]]e  können die Hämochromatose verursachen. Häufigste Ursache ist der [[homozygot]]e Defekt des [[HFE-Gen]]s<ref>[http://www.aerzteblatt.de/archiv/43882/ ''In Europa, Australien und den USA ist bei 80 bis 100 Prozent der Betroffenen eine homozygote C282Y-Mutation im Hämochromatose-Gen HFE nachweisbar'', Gehrke, Sven G.; Stremmel, Wolfgang, MEDIZIN: EDITORIAL, Störung der Eisenspeicherung durch Alkoholabusus: Wann sollte ein Hämochromatose-Gentest erfolgen? Dtsch Arztebl 2004; 101(42): A-2817] abgerufen 11.12.2014.</ref>. Andere Gendefekte, wie die juvenile Form, sind seltener.
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Die Hämochromatose kann auf verschiedenen [[gen]]etischen Defekten beruhen. Die häufigste Form der Hämochromatose beruht auf einer [[homozygot]] vorliegenden Mutation des [[HFE-Gen]]s.<ref>[http://www.aerzteblatt.de/archiv/43882/ ''In Europa, Australien und den USA ist bei 80 bis 100 Prozent der Betroffenen eine homozygote C282Y-Mutation im Hämochromatose-Gen HFE nachweisbar'', Gehrke, Sven G.; Stremmel, Wolfgang, MEDIZIN: EDITORIAL, Störung der Eisenspeicherung durch Alkoholabusus: Wann sollte ein Hämochromatose-Gentest erfolgen? Dtsch Arztebl 2004; 101(42): A-2817] abgerufen 11.12.2014.</ref>. Andere Gendefekte, wie die juvenile Form, sind seltener.
  
 
==Pathogenese==
 
==Pathogenese==
 
Bei der Erkrankung kommt es zu einer erhöhten Aufnahme von [[Eisen]] im [[Darm]], die auf verschiedenen Mutationen des [[HFE-Gen]]s beruht. Durch die veränderte Basenabfolge ist die Sekretion von [[Hepcidin]] beeinträchtigt, da ein korrektes HFE-Protein - also das Produkt des HFE Gens - die Ausschüttung von Hepcidin stimuliert. Hepcidin wiederum führt zu einer Hemmung der Freisetzung von [[Ferroportin]].  
 
Bei der Erkrankung kommt es zu einer erhöhten Aufnahme von [[Eisen]] im [[Darm]], die auf verschiedenen Mutationen des [[HFE-Gen]]s beruht. Durch die veränderte Basenabfolge ist die Sekretion von [[Hepcidin]] beeinträchtigt, da ein korrektes HFE-Protein - also das Produkt des HFE Gens - die Ausschüttung von Hepcidin stimuliert. Hepcidin wiederum führt zu einer Hemmung der Freisetzung von [[Ferroportin]].  
  
Ferroportin ist ein [[Transmembranprotein]], welches Eisenionen aus Intra- in den Extrazellularraum transportiert. Eine Funktionsverlust im HFE-Gen bewirkt also einen Mangel an Hepcidin und in weiteren Folge eine erhöhte Konzentration von Ferroportin an der basalen Seite der [[Enterozyt]]en. Dadurch erklärt sich die gesteigerte Eisenresorption aus der Nahrung.
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Ferroportin ist ein [[Transmembranprotein]], das Eisenionen aus dem [[Intrazellulärraum|Intra]]- in den [[Extrazellulärraum]] transportiert. Eine Funktionsverlust im HFE-Gen bewirkt also einen Mangel an Hepcidin und in der weiteren Folge eine erhöhte Konzentration von Ferroportin am basalen Zellpol der [[Enterozyt]]en. Dadurch erklärt sich die gesteigerte Eisenresorption aus der Nahrung.
  
 
Während beim Gesunden die tägliche Eisenaufnahme 1-2 mg beträgt, ist diese bei der Hämochromatose auf 3-4 mg gesteigert. Das Gesamtkörpereisen steigt dadurch von ca. 4-5 g (Normwert) auf bis zu 80 g.
 
Während beim Gesunden die tägliche Eisenaufnahme 1-2 mg beträgt, ist diese bei der Hämochromatose auf 3-4 mg gesteigert. Das Gesamtkörpereisen steigt dadurch von ca. 4-5 g (Normwert) auf bis zu 80 g.
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==Diagnostik==
 
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Der Verdacht ergibt sich aus der [[Familienanamnese]]. Zur Sicherung der Diagnose dient die Bestimmung von [[Ferritin]] (erhöht, meistens > 500 &mu;g/l).
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Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus der Zusammenschau von [[Anamnese]] (insbesondere Familienanamnese) und dem Befund.  
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===Labordiagnostik===
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Zur Sicherung der Diagnose "Hämochromatose" dienen folgende labormedizinische Untersuchungen.
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* Bestimmung von [[Serumeisen]] (erhöht)
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* Bestimmung von [[Ferritin]] (erhöht, meistens > 500 &mu;g/l)
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* Bestimmung der [[Transferrinsättigung]] (Werte über 60 % sind hoch verdächtig)
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Das Serumeisenkonzentration ist am wenigsten aussagekräftig, da sie nicht mit dem Speichereisen korreliert.
  
 
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* Ferritin als [[Akute-Phase-Protein]] kann auch bei anderen [[Entzündung]]en erhöht sein kann. Weitere mögliche Ursachen einer Ferritinerhöhung sind: [[Krebs]], [[Rheuma| Rheumatische Erkrankungen]] und andere Leberkrankheiten.
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* Ferritin als [[Akute-Phase-Protein]] kann auch bei anderen [[Entzündung]]en erhöht sein kann. Weitere mögliche Ursachen einer Ferritinerhöhung sind: [[Tumoranämie]], chronische entzündliche Erkrankungen, [[Hepatopathie]]n.
* Bei sekundären Siderosen (z.B. bei [[Thalassämie]], [[Myelodysplasie]], chronischer [[Hämolyse]]) ist das Ferritin nicht so hoch wie bei der hereditären Hämochromatose.
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* Bei sekundären Siderosen (z.B. bei [[Thalassämie]], [[Myelodysplasie]], chronischer [[Hämolyse]]) erreichen die Werte für Ferritin und die Transferrinsättigung nicht so hohe Werte wie bei der hereditären Hämochromatose.
 
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Die [[Leberbiopsie]] mit Eisenkonzentrationsbestimmung hat wegen der vorbestehenden Leberschädigung ein erhöhtes Blutungs-Risiko.
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Die weiterführende Diagnostik umfasst den [[molekularbiologisch]]en Nachweis der HFE-Mutationen [[C282Y]] und [[H63D]]. Nur 25 % der homozygoten HFE-Gendefekt-Träger entwickeln eine manifeste Hämochromatose.  
 
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Mittels [[CT]] und [[MRT]] kann eine [[semiquantitativ]]e Abschätzung der Lebereisenkonzentration erfolgen. Eine weitere nichtinvasive Methode ist die [[Biomagnetometrie]].
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Zur Früherkennung eines [[hepatozelluläres Karzinom|hepatozellulären Karzinom]]s sollte im Rahmen der weiteren Verlaufkontrollen der [[Tumormarker]] [[AFP]] bestimmt werden.
|+ Histopathologie der Leber bei Hämochromatose (englisch)
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Nur 25 % der homozygoten HFE-Gendefekt-Träger entwickeln eine manifeste Hämochromatose.  
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===Leberbiopsie===
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Seit Einführung der Gendiagnostik wird eine [[Leberbiopsie]] mit Eisenkonzentrationsbestimmung nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt - wegen der vorbestehenden Leberschädigung besteht ein erhöhtes Blutungsrisiko. Eine Indikation zur Leberbiopsie z.B. kann bei negativem oder nicht eindeutigem molekulargenetischen Befund notwendig sein, wenn die klinischen Parameter auf eine deutliche Eisenüberladung hinweisen und mit nichtinvasiven Methoden nicht sicher entschieden werden kann, ob eine Hämosiderose vorliegt.  
  
In regelmäßigen Abständen sollte zur Früherkennung  eines [[hepatozellulären Karzinom]]s die [[Sonographie]] des [[Abdomen|Bauch]]s und Bestimmung des [[Tumormarker]]s [[AFP]] erfolgen.
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===Bildgebung===
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Mittels [[CT]] und [[MRT]] kann eine [[semiquantitativ]]e Abschätzung der Lebereisenkonzentration erfolgen. Eine weitere nichtinvasive Methode ist die [[Biomagnetometrie]]. Ergänzend wird eine regelmäßige [[Sonographie]] des [[Abdomen]]s zur Kontrolle der Leber durchgeführt.
  
 
==Therapie==
 
==Therapie==
Eine Therapie ist möglichst bereits vor einer Lebererkrankung anzustreben. Nur dann ist eine normale Lebenserwartung möglich.
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Bei rechtzeitiger Erkennung und Behandlung der Erkrankung ist eine normale Lebenserwartung möglich.
  
 
===Aderlasstherapie===
 
===Aderlasstherapie===
Standardtherapie ist der [[Aderlass]]. Dabei kann eine [[Erythrozytapherese]] erfolgen um [[Plasmaprotein]]verlusten vorzubeugen. Das sollte bis zur Normalisierung des Ferritins (< 300 mg/l)  erfolgenDanach kann das [[Blutspende|Blut gespendet]] werden.<ref>[http://www.haemochromatose.org/pdf/Beitrag-Prof-Gathof-Blutspende.pdf Prof. Dr. med. Birgit Gathof, Leiterin der Transfusionsmedizin der Uniklinik Köln,  Hämochromatose: Vorbeugen durch Blutspenden?! - unter Bezug auf "Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie), Bundesanzeiger, 9.7.2010, ISSN 0720-6100"] abgerufen 11.12.2014</ref>
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Standardtherapie ist der [[Aderlass]]. Dabei kann eine [[Erythrozytapherese]] erfolgen, um [[Plasmaprotein]]verlusten vorzubeugen. Der Zielwert für das Serumferritin liegt bei 50 µg/l <ref>[http://www.laekh.de/upload/Hess._Aerzteblatt/2013/2013_01/2013_01_14.pdf LangHeinrich, W., Hämochromatose und ihre Therapie, Hessisches Ärzteblatt, 1/ 2013, S.42] abgerufen 11.12.2014.</ref> bei einem [[Hb-Wert]] von 12 g/dl. Das Intervall der Aderlässe wird individuell angepasst. Anstelle eines Aderlasses ist auch eine [[Blutspende]] möglich.<ref>[http://www.haemochromatose.org/pdf/Beitrag-Prof-Gathof-Blutspende.pdf Prof. Dr. med. Birgit Gathof, Leiterin der Transfusionsmedizin der Uniklinik Köln,  Hämochromatose: Vorbeugen durch Blutspenden?! - unter Bezug auf "Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie), Bundesanzeiger, 9.7.2010, ISSN 0720-6100"] abgerufen 11.12.2014</ref>
  
 
===Deferoxamin===
 
===Deferoxamin===
 
Eine therapeutische Alternative zweiter Wahl ist die subkutane Gabe von [[Deferoxamin]], die jedoch eher bei sekundären Siderosen eingesetzt wird. Die Deferoxamin-Therapie ist für die Hämochromatose ineffektiver als die Aderlasstherapie.
 
Eine therapeutische Alternative zweiter Wahl ist die subkutane Gabe von [[Deferoxamin]], die jedoch eher bei sekundären Siderosen eingesetzt wird. Die Deferoxamin-Therapie ist für die Hämochromatose ineffektiver als die Aderlasstherapie.
  
===Eisenarme Diät===
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===Diät===
[[Eisenarme Diät]] normalisiert das Ferritin und erspart die lebenslangen [[Venenpunktion]]en für den Aderlass mit dicken [[Kanüle]]n. Diese Art der Ernährung senkt gleichzeitig das [[Cholesterin]] im Blut. Alkoholfreiheit ist empfehlenswert, um den Leberschaden nicht zu verstärken.
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Eine [[eisenarme Diät]] kann den Therapieverlauf günstig beeinflussen, ist aber allein nicht ausreichend. Die [[intestinal]]e Eisenresorption ist nur für einen kleinen Anteil des Serumeisens verantwortlich - der Hauptanteil des Serumeisens stammt aus dem Erythrozytenabbau durch die [[Makrophage]]n. Eine Alkoholkarenz ist empfehlenswert, um einen möglichen Leberschaden nicht weiter zu verstärken.
  
 
==Quellen==
 
==Quellen==
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[[Fachgebiet:Hämatologie]]
 
[[Fachgebiet:Hämatologie]]
 
[[Tag:Aderlass]]
 
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[[Tag:Stoffwechselerkrankung]]
 
[[Tag:Stoffwechselerkrankung]]
[[Tag:Vegan]]
 

Version vom 11. Dezember 2014, 23:39 Uhr

Synonyme: Eisenspeicherkrankheit, Primäre Siderose

1 Definition

Die Hereditäre Hämochromatose ist eine autosomal-rezessive Erbkrankheit, bei der es zu einer Eisenüberladung (Siderose) kommt.

2 Genetik

Die Hämochromatose kann auf verschiedenen genetischen Defekten beruhen. Die häufigste Form der Hämochromatose beruht auf einer homozygot vorliegenden Mutation des HFE-Gens.[1]. Andere Gendefekte, wie die juvenile Form, sind seltener.

3 Pathogenese

Bei der Erkrankung kommt es zu einer erhöhten Aufnahme von Eisen im Darm, die auf verschiedenen Mutationen des HFE-Gens beruht. Durch die veränderte Basenabfolge ist die Sekretion von Hepcidin beeinträchtigt, da ein korrektes HFE-Protein - also das Produkt des HFE Gens - die Ausschüttung von Hepcidin stimuliert. Hepcidin wiederum führt zu einer Hemmung der Freisetzung von Ferroportin.

Ferroportin ist ein Transmembranprotein, das Eisenionen aus dem Intra- in den Extrazellulärraum transportiert. Eine Funktionsverlust im HFE-Gen bewirkt also einen Mangel an Hepcidin und in der weiteren Folge eine erhöhte Konzentration von Ferroportin am basalen Zellpol der Enterozyten. Dadurch erklärt sich die gesteigerte Eisenresorption aus der Nahrung.

Während beim Gesunden die tägliche Eisenaufnahme 1-2 mg beträgt, ist diese bei der Hämochromatose auf 3-4 mg gesteigert. Das Gesamtkörpereisen steigt dadurch von ca. 4-5 g (Normwert) auf bis zu 80 g.

4 Klinik

Eine Hämochromatose manifestiert sich in der Regel im 3.-5. Lebensjahrzehnt durch Organschädigung infolge der Eisenüberladung des Organismus.

Mögliche Befunde umfassen:

Die Hämochromatose ist ein eigenständiger Risikofaktor für die Entwicklung eines hepatozellulären Karzinoms.

5 Diagnostik

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus der Zusammenschau von Anamnese (insbesondere Familienanamnese) und dem Befund.

5.1 Labordiagnostik

Zur Sicherung der Diagnose "Hämochromatose" dienen folgende labormedizinische Untersuchungen.

Das Serumeisenkonzentration ist am wenigsten aussagekräftig, da sie nicht mit dem Speichereisen korreliert.

Die weiterführende Diagnostik umfasst den molekularbiologischen Nachweis der HFE-Mutationen C282Y und H63D. Nur 25 % der homozygoten HFE-Gendefekt-Träger entwickeln eine manifeste Hämochromatose.

Zur Früherkennung eines hepatozellulären Karzinoms sollte im Rahmen der weiteren Verlaufkontrollen der Tumormarker AFP bestimmt werden.

5.2 Leberbiopsie

Seit Einführung der Gendiagnostik wird eine Leberbiopsie mit Eisenkonzentrationsbestimmung nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt - wegen der vorbestehenden Leberschädigung besteht ein erhöhtes Blutungsrisiko. Eine Indikation zur Leberbiopsie z.B. kann bei negativem oder nicht eindeutigem molekulargenetischen Befund notwendig sein, wenn die klinischen Parameter auf eine deutliche Eisenüberladung hinweisen und mit nichtinvasiven Methoden nicht sicher entschieden werden kann, ob eine Hämosiderose vorliegt.

5.3 Bildgebung

Mittels CT und MRT kann eine semiquantitative Abschätzung der Lebereisenkonzentration erfolgen. Eine weitere nichtinvasive Methode ist die Biomagnetometrie. Ergänzend wird eine regelmäßige Sonographie des Abdomens zur Kontrolle der Leber durchgeführt.

6 Therapie

Bei rechtzeitiger Erkennung und Behandlung der Erkrankung ist eine normale Lebenserwartung möglich.

6.1 Aderlasstherapie

Standardtherapie ist der Aderlass. Dabei kann eine Erythrozytapherese erfolgen, um Plasmaproteinverlusten vorzubeugen. Der Zielwert für das Serumferritin liegt bei 50 µg/l [2] bei einem Hb-Wert von 12 g/dl. Das Intervall der Aderlässe wird individuell angepasst. Anstelle eines Aderlasses ist auch eine Blutspende möglich.[3]

6.2 Deferoxamin

Eine therapeutische Alternative zweiter Wahl ist die subkutane Gabe von Deferoxamin, die jedoch eher bei sekundären Siderosen eingesetzt wird. Die Deferoxamin-Therapie ist für die Hämochromatose ineffektiver als die Aderlasstherapie.

6.3 Diät

Eine eisenarme Diät kann den Therapieverlauf günstig beeinflussen, ist aber allein nicht ausreichend. Die intestinale Eisenresorption ist nur für einen kleinen Anteil des Serumeisens verantwortlich - der Hauptanteil des Serumeisens stammt aus dem Erythrozytenabbau durch die Makrophagen. Eine Alkoholkarenz ist empfehlenswert, um einen möglichen Leberschaden nicht weiter zu verstärken.

7 Quellen

  1. In Europa, Australien und den USA ist bei 80 bis 100 Prozent der Betroffenen eine homozygote C282Y-Mutation im Hämochromatose-Gen HFE nachweisbar, Gehrke, Sven G.; Stremmel, Wolfgang, MEDIZIN: EDITORIAL, Störung der Eisenspeicherung durch Alkoholabusus: Wann sollte ein Hämochromatose-Gentest erfolgen? Dtsch Arztebl 2004; 101(42): A-2817 abgerufen 11.12.2014.
  2. LangHeinrich, W., Hämochromatose und ihre Therapie, Hessisches Ärzteblatt, 1/ 2013, S.42 abgerufen 11.12.2014.
  3. Prof. Dr. med. Birgit Gathof, Leiterin der Transfusionsmedizin der Uniklinik Köln, Hämochromatose: Vorbeugen durch Blutspenden?! - unter Bezug auf "Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie), Bundesanzeiger, 9.7.2010, ISSN 0720-6100" abgerufen 11.12.2014

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