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Heparin-induzierte Thrombozytopenie

Version vom 29. Januar 2014, 02:59 Uhr von Yahia Mokli (Diskussion | Beiträge)

Abkürzung: HIT
Englisch: heparin induced thrombopenia

1 Definition

Die Heparin-induzierte Thrombozytopenie, kurz HIT, ist eine Komplikation bei der Behandlung von Patienten mit Heparin. Man spricht von einer HIT, sobald die Thrombozytenzahl im Blut auf weniger als 50% der Normalmenge absinkt.

2 Ätiologie

Es sind zwei Formen der HIT bekannt:

3 Epidemiologie

Es ist davon auszugehen, dass bis zu 10 % der mit Heparin behandelten Patienten Antikörper ausbilden. Dabei ist eine Behandlung mit unfraktioniertem Heparin risikoreicher.

4 Klinik

Die HIT Typ I ist in der Regel asymptomatisch. Die Thrombozytenzahl fällt selten auf Werte unter 100.000/µl ab.

Bei der HIT Typ II kommt es zu einem massiven Abfall der Thrombozytenzahl. Die Thrombozyten agglutinieren und begünstigen so die Ausbildung von Thromben. Diese können als Embolie beispielsweise zum Myokardinfarkt führen. Eine HIT Typ II tritt bei erstmaliger Antikörperbildung etwa 2 Wochen nach Beginn der Heparin-Applikation (Antikörperneubildung). Bei wiederholter Anwendung kann es jedoch auch nach 1-2 Tagen zur Antikörperbildung (Gedächtnisfunktion des Immunsystems) und Thrombozytopenie kommen.

Im Bereich der Injektionsstelle findet sich bei der HIT Typ II häufig eine immunologisch vermittelte Nekrose der Haut.

5 Diagnostik

Die Diagnostik kann durch Bestimmung der gegen den Heparin/PF4-Komplex gerichteten Antikörper mittels ELISA oder durch den Heparininduzierten Plättchen-Aktivierungstest (HIPA) erfolgen.

5.1 Differentialdiagnose der HIT Typ II

Diagnose Diagnostische Hinweise
EDTA-Pseudothrombozytopenie Normale Thrombozytenzahl in Zitratblut, Thrombozytenaggregate im Blutausstrich
Nicht immunologische HIT I 1 - 5 Tage nach Therapie mit UFH. Thrombozyten- werte meist > 100.000/μl bzw. Abfall < 30 % (Ausschlussdiagnose, kein beweisender Test). Schweregrad hängt von Heparindosis ab.
Thromboembolische Komplikationen unter Heparintherapie Thrombozytenzahl, AK-Nachweis
DIC Anamnese, Klinik, Thrombozyten, AK-Nachweis, Fibrinmonomere, Quick, PTT
Autoimmunthrombozytopenie anderer Genese
GP-IIb/IIIa-Inhibitor-induzierte Thrombozytopenie Beginn innerhalb von 12 Stunden nach Gabe von GP-IIb/IIIa-Inhibitoren, Thrombozytenwerte

< 20.000/μl, Blutungskomplikationen

Posttransfusionelle Purpura (PTP) 7 - 14 Tage nach Transfusion von vorimmunisierten Patienten (> 95 % Frauen betroffen), Thrombozytenwerte < 20.000/μl, Blutungskomplikationen

6 Therapie

Mit der Therapie kann nicht bis zur definitiven Diagnose zugewartet werden. Bereits bei klinischem Verdacht sollte daher auf eine andere Form der Antikoagulation umgestiegen werden. Dazu bieten sich vor allem Danaparoid oder Lepirudin (rekombinantes Hirudin) an. Der Wirkstoff Argatroban kann ebenfalls angewendet werden.

7 Prognose

Etwa ein Drittel der Patienten mit einer HIT II entwickelt eine Thrombose, die wiederum in einem Drittel der Fälle zu schwerwiegenden Komplikationen bis hin zum Tod führen kann.

8 Quellen

Diese Seite wurde zuletzt am 17. Januar 2020 um 18:50 Uhr bearbeitet.

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