Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Harnsäure: Unterschied zwischen den Versionen

K
Zeile 6: Zeile 6:
  
 
==Struktur==
 
==Struktur==
Harnsäure ist als 2,6,8-Trihydroxypurin aus einem heterocyclischen [[aromatisch]]en Sechser-Ring (Pyrimidin) aufgebaut, an den sich ein ebenfalls heterocyclischer Fünferring (Imidazol) anschließt. In der Ringstruktur substituieren vier [[Stickstoff]]-Atome die [[Kohlenstoff]]-Atome 1,3,7 und 9. <br>
+
Harnsäure ist als 2,6,8-Trihydroxypurin aus einem heterozyklischen [[aromatisch]]en Sechserring (Pyrimidin) aufgebaut, an den sich ein ebenfalls heterozyklischer Fünferring (Imidazol) anschließt. In der Ringstruktur substituieren vier [[Stickstoff]]-Atome die [[Kohlenstoff]]-Atome 1,3,7 und 9. <br>
 
An die [[Kohlenstoff]]-Atome C<sub>2</sub>, C<sub>6</sub> und C<sub>8</sub> sind [[Hydroxygruppe]]n beziehungsweise [[Oxogruppe]]n gebunden.  
 
An die [[Kohlenstoff]]-Atome C<sub>2</sub>, C<sub>6</sub> und C<sub>8</sub> sind [[Hydroxygruppe]]n beziehungsweise [[Oxogruppe]]n gebunden.  
  
 
==Physiologie==
 
==Physiologie==
Harnsäure entsteht durch Oxidation aus [[Hypoxanthin]] oder [[Xanthin]] durch das Enzym [[Xanthinoxidase]]. Sie ist das endgültige Abbauprodukt der Purinnukleotide und wird zu etwa 75 % [[renal]] ausgeschieden. Daneben erfolgt auch eine Elimination über [[Speichel]], [[Schweiß]] oder die [[intestinal]]e Sekretion. Die tägliche Ausscheidung beträgt bis zu 1 g.<br>
+
Harnsäure entsteht durch [[Oxidation]] aus [[Hypoxanthin]] oder [[Xanthin]] durch das Enzym [[Xanthinoxidase]]. Sie ist das endgültige Abbauprodukt der Purinnukleotide und wird zu etwa 75 % [[renal]] ausgeschieden. Daneben erfolgt auch eine Elimination über [[Speichel]], [[Schweiß]] oder die [[intestinal]]e Sekretion. Die tägliche Ausscheidung beträgt bis zu 1 g.<br>
Harnsäure ist eine schwache [[Säure]] und daher nur schlecht in Wasser löslich, da der protonierte Zustand (beispielsweise in [[Wasser]]) ungeladen ist. In [[basisch]]en Medien löst es sich gut, da der deprotonierte Stickstoff polar ist.
+
Harnsäure ist eine schwache [[Säure]] und daher nur schlecht in Wasser löslich, da der protonierte Zustand ungeladen ist. In [[basisch]]en Medien löst es sich gut, da der deprotonierte Stickstoff polar ist.
  
 
==Pathophysiologie==
 
==Pathophysiologie==
Unter bestimmten Bedingungen kommt es zu einer erhöhten Produktion von Harnsäure. Wird dabei im Rahmen der Ausscheidung das [[Löslichkeitsprodukt]] überschritten, kann die Harnsäure in den ableitenden [[Harnweg]]en, in der [[Blutbahn]] oder in [[bradytroph]]en Geweben ausfallen und abgelagert werden. <br>
+
Unter bestimmten Bedingungen kommt es zu einer erhöhten Produktion von Harnsäure. Wird dabei im Rahmen der Ausscheidung das [[Löslichkeitsprodukt]] überschritten, kann die Harnsäure in den ableitenden [[Harnweg]]en, in der [[Blutbahn]] oder in [[bradytroph]]en Geweben ausfallen und abgelagert werden. Diese Überschreitung des Löslichkeitsproduktes findet außerdem bevorzugt im saureren Milieu, wie z.B. in entzündetem Gewebe, statt.
Diese Überschreitung des Löslichkeitsproduktes findet außerdem bevorzugt im saureren Milieu, wie z.B. in entzündetem Gewebe statt.
+
 
Folge dieser [[Hyperurikämie]] können [[Urolith]]en, [[Gicht]] oder Harnsäureinfarkte sein. Das Gegenteil der Hyperurikämie ist die [[Hypourikämie]].
 
Folge dieser [[Hyperurikämie]] können [[Urolith]]en, [[Gicht]] oder Harnsäureinfarkte sein. Das Gegenteil der Hyperurikämie ist die [[Hypourikämie]].
  

Version vom 29. März 2016, 14:04 Uhr

Synonym: Urica, Acidum uricum
Englisch: uric acid

1 Definition

Harnsäure entsteht im Organismus von Primaten als Abbauprodukt der Purinbasen und wird über den Urin ausgeschieden.

2 Struktur

Harnsäure ist als 2,6,8-Trihydroxypurin aus einem heterozyklischen aromatischen Sechserring (Pyrimidin) aufgebaut, an den sich ein ebenfalls heterozyklischer Fünferring (Imidazol) anschließt. In der Ringstruktur substituieren vier Stickstoff-Atome die Kohlenstoff-Atome 1,3,7 und 9.
An die Kohlenstoff-Atome C2, C6 und C8 sind Hydroxygruppen beziehungsweise Oxogruppen gebunden.

3 Physiologie

Harnsäure entsteht durch Oxidation aus Hypoxanthin oder Xanthin durch das Enzym Xanthinoxidase. Sie ist das endgültige Abbauprodukt der Purinnukleotide und wird zu etwa 75 % renal ausgeschieden. Daneben erfolgt auch eine Elimination über Speichel, Schweiß oder die intestinale Sekretion. Die tägliche Ausscheidung beträgt bis zu 1 g.
Harnsäure ist eine schwache Säure und daher nur schlecht in Wasser löslich, da der protonierte Zustand ungeladen ist. In basischen Medien löst es sich gut, da der deprotonierte Stickstoff polar ist.

4 Pathophysiologie

Unter bestimmten Bedingungen kommt es zu einer erhöhten Produktion von Harnsäure. Wird dabei im Rahmen der Ausscheidung das Löslichkeitsprodukt überschritten, kann die Harnsäure in den ableitenden Harnwegen, in der Blutbahn oder in bradytrophen Geweben ausfallen und abgelagert werden. Diese Überschreitung des Löslichkeitsproduktes findet außerdem bevorzugt im saureren Milieu, wie z.B. in entzündetem Gewebe, statt. Folge dieser Hyperurikämie können Urolithen, Gicht oder Harnsäureinfarkte sein. Das Gegenteil der Hyperurikämie ist die Hypourikämie.

Verschiedene Faktoren erhöhen die Harnsäureproduktion:

5 Nachweisreaktionen

Der Harnsäuregehalt lässt sich im Enzymtest durch Photometrie unter Verwendung der Uratoxidase und einer Absorption im Bereich von 290 nm messen.
Ein weiterer gebräuchlicher Nachweis erfolgt über das Eindampfen der Harnsäure mit konzentrierter Salpetersäure und Versetzen mit Ammoniak-Lösung in der Murexid-Probe.

6 Anmerkung

Alle Haussäugetiere (mit Ausnahme des Dalmatiners) sind in der Lage, Harnsäure in leichter lösliche Verbindungen, beispielsweise Allantoin, abzubauen.
Es gibt heute verschiedene Theorien über den Verlust dieses Stoffwechselweges bei Primaten im Laufe der Evolution: Vermutlich fungiert die Harnsäure im Blut als Antioxidans und bietet einen gewissen Schutz gegen freie Radikale.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

18 Wertungen (3.67 ø)

123.894 Aufrufe

Hast du eine allgemeine Frage?
Hast du eine Frage zum Inhalt?
Copyright ©2019 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: