Vom 12. bis 28. Juni steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.
Bearbeiten

Zur Zeit steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.

Liebe Autoren, Wir sind gen Süden gefahren und machen eine Pause. Deswegen steht das Flexikon vom 12. bis 27. Juni 2021 nur im Lesemodus zur Verfügung. Ab dem 28. Juni könnt ihr wieder mit voller Kraft losschreiben. Unser Tipp: Genießt die Sonne! Wir freuen uns auf jeden Fall, wenn ihr frisch erholt wiederkommt! Bis bald Euer Flexikon-Team

Hantavirus: Unterschied zwischen den Versionen

(Morphologie)
 
(8 dazwischenliegende Versionen von 7 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
''Synonyme: Hanta-Virus''<br>
+
''Synonym: Hanta-Virus''<br>
 
'''''Englisch:''' hantavirus''
 
'''''Englisch:''' hantavirus''
  
Zeile 6: Zeile 6:
  
 
==Geschichte==
 
==Geschichte==
Die Bezeichnung Hanta geht auf den Südkoreanischen Hantan Fluss zurück. Dort wurde während des Koreakrieges (1950) eine  [[Epidemie|epidemische]] Infektion bei US-Amerikanischen Soldaten erstmals dokumentiert. Erst 1977 konnte der Erreger, der hierfür verantwortlich war - das [[Hantaan-Virus]] - identifiziert werden. In der Folge konnten sukzessive immer mehr dem Hantaan-Virus verwandte Viren identifiziert werden, was zur Gründung des eigenständigen [[Genus]] Hantavirus in der Familie der [[Bunyaviridae|Bunyaviren]] führte.
+
Die Bezeichnung Hanta geht auf den südkoreanischen Fluss Hantan zurück. Dort wurde während des Koreakrieges (1950) eine  [[Epidemie|epidemische]] Infektion bei US-amerikanischen Soldaten erstmals dokumentiert. Erst 1977 konnte der Erreger, der hierfür verantwortlich war - das [[Hantaan-Virus]] - identifiziert werden. In der Folge konnten sukzessive immer mehr dem Hantaan-Virus verwandte Viren identifiziert werden, was zur Gründung des eigenständigen [[Genus]] Hantavirus in der Familie der [[Bunyaviridae|Bunyaviren]] führte.
  
 
==Humanpathogene Arten==
 
==Humanpathogene Arten==
 
Bekannte humanpathogene Arten sind unter anderem:
 
Bekannte humanpathogene Arten sind unter anderem:
* [[Dobrava-Belgrade-Virus]]
+
* [[Dobrava-Belgrade-Virus]] (DOBV)
* [[Hantaan-Virus]]
+
* [[Hantaan-Virus]] (HTNV)
* [[Puumala-Virus]]
+
* [[Puumala-Virus]] (PUUV)
* [[Seoul-Virus]]
+
* [[Seoul-Virus]] (SEOV)
* [[Sin-Nombre-Virus]]
+
* [[Sin-Nombre-Virus]] (SNV)
* [[Andes-Virus]]
+
* [[Andes-Virus]] (ANDV)
  
==Genetik==
+
==Morphologie==
Hantaviren sind behüllte ''negative-sense'' [[RNA-Viren]]. Ihr [[Genom]] besteht aus drei einzelsträngigen RNA Segmenten, die als S (small), M (medium), L (large) bezeichnet werden. Die S-RNA: kodiert für das [[Nucleokapsid]] (N-[[Protein]]) während die M-RNA für ein Polyprotein kodiert welches kotranslational geschnitten wird und damit die Hüll-Glycoproteine Gn und Gc bereitstellt. Die L-RNA kodiert für das L-Protein, welches die Funktion einer RNA abhängigen [[Transkription|Transkriptase]]/[[Replikation|Replikase]] besitzt.
+
Das Hantavirus [[Virion]] hat eine Größe von etwa 100 [[Nanometer|nm]]. Die [[Doppellipidschicht]] der [[Virushülle]] hat etwa eine Dicke von 5 nm und beinhaltet die Gn- und Gc-Proteine. Innerhalb der Hülle befindet sich das aus N-Protein aufgebaute [[Nukleokapsid]], das zusammen mit dem Virusgenom [[helikal]]e Strukturen bildet.
  
==Aufbau==
+
Hantaviren sind behüllte ''negative-sense'' [[RNA-Virus|RNA-Viren]]. Ihr [[Genom]] besteht aus drei [[einzelsträngig]]en [[RNA]]-Segmenten, die als S (small), M (medium), L (large) bezeichnet werden. Die S-RNA kodiert für das Nucleokapsid (N-[[Protein]]) während die M-RNA für ein Polyprotein kodiert welches [[cotranslational]] geschnitten wird und damit die Hüll-Glykoproteine Gn und Gc bereitstellt. Die L-RNA kodiert für das L-Protein, welches die Funktion einer RNA abhängigen [[Transkription|Transkriptase]]/[[Replikation|Replikase]] besitzt.
Das Hantavirus [[Virion]] hat eine Größe von etwa 100 [[Nanometer|nm]]. Die [[Doppellipidschicht]] der Virushülle hat etwa eine Dicke von 5 nm und beinhaltet die Gn- und Gc-Proteine. Innerhalb der Hülle befindet sich das aus N-Protein aufgebaute Nucleokapsid, welches zusammen mit dem Virus Genom helikale Strukturen bildet.
+
  
<dcMediaViewer showtitle="yes" align="right" size="m" items="img_15618" />
+
<dcMediaViewer showtitle="yes" align="left" size="m" items="img_15618" />
 +
 
 +
==Vorkommen==
 +
Hantaviren kommen weltweit vor, sind jedoch auf Grund ihrer jeweiligen [[Reservoirwirt]]e geographisch unterschiedlich verteilt. Insbesondere im asiatischen Raum sowie auf dem amerikanischen Kontinent sind Infektionen mit Hantaviren weit verbreitet.
 +
 
 +
In Deutschland kommen Hantaviren vor allem in regional abgegrenzten [[Endemiegebiet]]en vor, wobei die [[Inzidenz]] mit der Populationsdichte und Durchseuchung der Nager im jeweiligen Gebiet korreliert. Hierbei sind vornehmlich ländliche Regionen betroffen (z.B. Schwäbische Alb, Odenwald, Bayrischer Wald), es wurden jedoch auch Ausbrüche in städtischen Räumen beobachtet.
 +
 
 +
Die jährlichen Infektionszahlen in Deutschland schwanken teilweise stark, die durchschnittliche jährliche Inzidenz lag zwischen 2010 und 2019 bei 1,3 Fällen/100.000 Einwohner. Mit mehr als 2.800 gemeldeten Fällen gehörten Hantavirosen im Jahr 2012 zu den am häufigsten aufgetretenen, [[Meldepflicht|meldepflichtigen]] [[Viruserkrankung]]en in Deutschland.
 +
In Deutschland sind Infektionen mit PUUV (im Süden und Westen) und einer Variante des DOBV, DOBV Typ Kurkino, (im Osten und Norden) vorherrschend. Bei Infektionen mit PUUV werden etwa alle 2 bis 3 Jahre regionale Ausbrüche beobachtet.
  
 
==Übertragung==
 
==Übertragung==
Hantaviren sind bei verschiedenen Nagetierarten [[endemisch]], zum Beispiel bei Mäusen und Ratten. In Deutschland wurde vor allem die Rötelmaus als [[Wirt]] mit hoher Durchseuchung identifiziert. Die Viren treten bei den infizierten Tieren in diversen [[Körperflüssigkeit]]en ([[Blut]], [[Speichel]]) und Ausscheidungen ([[Urin]], [[Kot]]) auf. Menschen infiziert sich in der Regel nicht über den direkten Kontakt mit infizierten Tieren, sondern über die [[Inkorporation]] virushaltiger Ausscheidungen, da die Viren relativ umweltstabil sind. Mögliche Infektionswege sind z.B. das Einatmen kontaminierten Staubs oder der Verzehr verunreinigter Nahrungsmittel. Hantaviren können ferner durch Bisse infizierter Nager übertragen werden.
+
Hantaviren sind bei verschiedenen Nagetierarten [[endemisch]], zum Beispiel bei Mäusen und Ratten. In Deutschland wurden vor allem die Rötelmaus (PUUV) und die Brandmaus (DOBV Typ Kurkino) als [[Wirt]]e mit hoher Durchseuchung identifiziert. Die Viren treten bei den infizierten Tieren in diversen [[Körperflüssigkeit]]en ([[Blut]], [[Speichel]]) und Ausscheidungen ([[Urin]], [[Kot]]) auf. Menschen infizieren sich in der Regel nicht über den direkten Kontakt mit infizierten Tieren, sondern über die [[Inkorporation]] virushaltiger Ausscheidungen, da die Viren relativ umweltstabil sind. Mögliche Infektionswege sind z.B. das Einatmen kontaminierten Staubs oder der Verzehr verunreinigter Nahrungsmittel. Hantaviren können ferner durch Bisse infizierter Nager übertragen werden.
  
Die Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nur für eine südamerikanische Hantavirusspezies nachgewiesen, dem [[Andes Virus]]. Neue Studien belegen, dass auch die Übertragung über Haustiere möglich ist. So gab es im letzten und in diesem Jahr Berichte von Infektionen über Ratten, die als Haustiere gehalten wurden. Auch die Übertragung durch [[Vektor]]en ([[Mücke]]n, [[Floh|Flöhe]]), [[Zecke]]n) ist theoretisch möglich.
+
Die Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nur für eine südamerikanische Hantavirusspezies nachgewiesen, dem [[Andes-Virus]]. Neue Studien (stand 2021) belegen, dass auch die Übertragung über Haustiere möglich ist. So gab es Berichte von Infektionen über Ratten, die als Haustiere gehalten wurden. Auch eine Übertragung durch [[Vektor]]en ([[Mücke]]n, [[Floh|Flöhe]], [[Zecke]]n) kann nicht ausgeschlossen werden.
  
 
==Inkubationszeit==
 
==Inkubationszeit==
Die Inkubationszeit ist [[interindividuell]] unterschiedlich und u.a. vom Immunstatus des Wirts und der Menge der übertragenen Viren abhängig. Sie kann zwischen 5 und 60 Tagen betragen. In den meisten Fällen treten die ersten Symptome 2-3 Wochen nach der Infektion auf.
+
Die Inkubationszeit ist [[interindividuell]] unterschiedlich und u.a. vom Immunstatus des Wirts und der Menge der übertragenen Viren abhängig. Sie kann zwischen 5 und 60 Tagen betragen. In den meisten Fällen treten die ersten Symptome 2 bis 3 Wochen nach der Infektion auf.
  
 
==Vermehrungszyklus==
 
==Vermehrungszyklus==
Das Virus bindet zunächst an [[Zelle|zelluläre]] [[Rezeptor]]en und wird über [[Endozytose]] in [[Endosom]]en aufgenommen. Durch die [[pH-Wert]]-Änderung verschmilzt das Nucleokapsid mit der Endosomenmemran und entlässt das Virus ins [[Cytoplasma]]. Durch Assoziation mit dem sog. ''Endoplasmic Reticulum-Golgi Intermediate Compartment'' (ERGIC) werden diese Strukturen zu einer Art "Virusfabrik". Die [[Exocytose]] der fertigen Viren erfolgt aus dem [[Golgi-Apparat]] über sekretorische [[Vesikel]] zur [[Plasmamembran]].
+
Das Virus bindet zunächst an [[Rezeptor]]en auf der Zellmembran und wird über [[Endozytose]] in [[Endosom]]en aufgenommen. Durch die [[pH-Wert]]-Änderung verschmilzt das Nukleokapsid mit der Endosomenmembran und entlässt das Virus ins [[Zytoplasma]]. Durch Assoziation mit dem sog. ''Endoplasmic Reticulum-Golgi Intermediate Compartment'' ([[ERGIC]]) werden diese Strukturen zu einer Art "Virusfabrik". Die [[Exozytose]] der fertigen Viren erfolgt aus dem [[Golgi-Apparat]] über sekretorische [[Vesikel]] zur [[Plasmamembran]].
 +
 
 +
==Klinik==
 +
Ein Großteil der Infektionen mit Hantaviren verläuft häufig [[asymptomatisch]] bzw. mit [[unspezifisch]]en Symptomen, weshalb von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Die Krankheitsbilder variieren je nach verursachendem [[Serotyp]].
 +
 
 +
Zu den Erkrankungen, die durch eine [[Hantavirus-Infektion]] hervorgerufen werden, zählen unter anderem das [[Hantavirus-induziertes kardiopulmonales Syndrom|Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom]] (HCPS, insbesondere in Nord- und Südamerika) und die [[Nephropathia epidemica]] mit ihrer schweren Verlaufsform, dem [[Hämorrhargisches Fieber mit renalem Syndrom|hämorrhargischen Fieber mit renalem Syndrom]] (HFRS, insbesondere in Asien und Europa).
 +
 
 +
==Diagnostik==
 +
Da das klinische Bild oft nicht voll ausgeprägt ist und die Symptome unspezifisch sein können, steht die [[labormedizin]]ische Diagnostik beim Verdacht auf eine Infektion mit Hantaviren im Vordergrund.
 +
 
 +
===Labormedizin===
 +
====Indirekter Erregernachweis====
 +
Die Diagnose einer Infektion mit Hantaviren wird in der Regel [[serologisch]] durch den Nachweis spezifischer [[IgM]]- und [[IgG]]-[[Antikörper]] ([[ELISA]], [[Immunoblot]], [[Immunfluoreszenz]]-Assay) gestellt. Hierbei werden Nukleokapsid-Proteine als diagnostische Antigene verwendet. In Europa muss dabei sowohl mit PUUV, als auch mit DOBV-Antigenen getestet werden.
 +
 
 +
IgG-Antikörper werden bei 80 bis 90% der Patienten innerhalb der ersten 5 Tage im [[Serum]] gefunden und [[persistieren]] wahrscheinlich lebenslang. IgM-Antikörper können noch bis zu 2 Jahre nach der Erkrankung nachgewiesen werden. Eine akute Infektion zeigt sich durch einen simultanen Anstieg von IgG und IgM oder einen [[signifikant]]en [[Titer]]anstieg von IgG.
 +
 
 +
====Direkter Erregernachweis====
 +
Auch der direkte [[Erregernachweis]] mittels [[PCR]] kann in der frühen Erkrankungsphase erfolgversprechend sein. Es gilt jedoch zu beachten, dass die [[Virämie|virämische]] Phase bei einer Infektion mit Hantaviren nur sehr kurz ist und ein isoliertes negatives PCR-Testergebnis daher die Infektion nicht ausschließt.  
  
==Verbreitung==
+
Der endgültige Nachweis und die definitive Typisierung des infizierenden Virusstammes erfolgt durch die RNA-[[Sequenzierung]] von Abschnitten des S- oder L-Segments des Virusgenoms.
Hantavirus-Erkrankungen sind weltweit verbreitet. In Deutschland kommen sie vor allem in regional abgegrenzten [[Endemiegebiet]]en vor, wobei die [[Inzidenz]] mit der Populationsdichte und Durchseuchung der Nager im jeweiligen Gebiet korreliert. Überwiegend sind ländliche Gebiete betroffen. Dazu zählen u.a. das Münsterland, die Schwäbische Alb, der Raum Osnabrück, sowie die Regionen Unterfranken, Spessart, Oberschwaben, Fränkische Alb, Bayerischer Wald, Odenwald und das Gebiet um Würzburg. Hantavirus-Infektionen können aber auch in städtischen Räumen auftreten.
+
  
Mit mehr als 2600 gemeldeten Fällen gehörten Hantavirosen im Jahr 2012 zu den am häufigsten aufgetretenen, meldepflichtigen Viruserkrankungen in Deutschland.
+
== Meldepflicht ==
 +
Der direkte Virusnachweis und der indirekte Virusnachweis, soweit er auf eine akute Erkrankung schließen lässt, sind meldepflichtig nach §7 [[Infektionsschutzgesetz]].
  
 
==Prävention==
 
==Prävention==
Zur Zeit (2012) gibt es keinen zugelassenen Impfstoff gegen Hantaviren. An der Entwicklung einer Impfung wird jedoch intensiv geforscht.  
+
Zur Zeit (2021) gibt es in Deutschland keinen zugelassenen Impfstoff gegen Hantaviren. An der Entwicklung eines [[Hantavirusimpfstoff]]s wird jedoch intensiv geforscht. In China sind mehrere Impfstoffe gegen die dort endemischen Viren verfügbar.  
  
''siehe auch'': [[Hantavirus-Infektion]]
+
==Literatur==
 +
* Laborlexikon.de; abgerufen am 17.03.2021
 +
* [https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Hantaviren.html RKI: Ratgeber Hantaviren (2020)]; abgerufen am 17.03.2021
 
[[Fachgebiet:Virologie]]
 
[[Fachgebiet:Virologie]]
[[Tag:Hanta-Virus]]
+
[[Tag:Eponym]]
 +
[[Tag:Meldepflicht]]
 +
[[Tag:RNA-Virus]]
 +
[[Tag:Virus]]

Aktuelle Version vom 17. März 2021, 12:00 Uhr

Synonym: Hanta-Virus
Englisch: hantavirus

1 Definition

Hantaviren sind teilweise humanpathogene Viren aus der Familie der Bunyaviridae.

2 Geschichte

Die Bezeichnung Hanta geht auf den südkoreanischen Fluss Hantan zurück. Dort wurde während des Koreakrieges (1950) eine epidemische Infektion bei US-amerikanischen Soldaten erstmals dokumentiert. Erst 1977 konnte der Erreger, der hierfür verantwortlich war - das Hantaan-Virus - identifiziert werden. In der Folge konnten sukzessive immer mehr dem Hantaan-Virus verwandte Viren identifiziert werden, was zur Gründung des eigenständigen Genus Hantavirus in der Familie der Bunyaviren führte.

3 Humanpathogene Arten

Bekannte humanpathogene Arten sind unter anderem:

4 Morphologie

Das Hantavirus Virion hat eine Größe von etwa 100 nm. Die Doppellipidschicht der Virushülle hat etwa eine Dicke von 5 nm und beinhaltet die Gn- und Gc-Proteine. Innerhalb der Hülle befindet sich das aus N-Protein aufgebaute Nukleokapsid, das zusammen mit dem Virusgenom helikale Strukturen bildet.

Hantaviren sind behüllte negative-sense RNA-Viren. Ihr Genom besteht aus drei einzelsträngigen RNA-Segmenten, die als S (small), M (medium), L (large) bezeichnet werden. Die S-RNA kodiert für das Nucleokapsid (N-Protein) während die M-RNA für ein Polyprotein kodiert welches cotranslational geschnitten wird und damit die Hüll-Glykoproteine Gn und Gc bereitstellt. Die L-RNA kodiert für das L-Protein, welches die Funktion einer RNA abhängigen Transkriptase/Replikase besitzt.

5 Vorkommen

Hantaviren kommen weltweit vor, sind jedoch auf Grund ihrer jeweiligen Reservoirwirte geographisch unterschiedlich verteilt. Insbesondere im asiatischen Raum sowie auf dem amerikanischen Kontinent sind Infektionen mit Hantaviren weit verbreitet.

In Deutschland kommen Hantaviren vor allem in regional abgegrenzten Endemiegebieten vor, wobei die Inzidenz mit der Populationsdichte und Durchseuchung der Nager im jeweiligen Gebiet korreliert. Hierbei sind vornehmlich ländliche Regionen betroffen (z.B. Schwäbische Alb, Odenwald, Bayrischer Wald), es wurden jedoch auch Ausbrüche in städtischen Räumen beobachtet.

Die jährlichen Infektionszahlen in Deutschland schwanken teilweise stark, die durchschnittliche jährliche Inzidenz lag zwischen 2010 und 2019 bei 1,3 Fällen/100.000 Einwohner. Mit mehr als 2.800 gemeldeten Fällen gehörten Hantavirosen im Jahr 2012 zu den am häufigsten aufgetretenen, meldepflichtigen Viruserkrankungen in Deutschland. In Deutschland sind Infektionen mit PUUV (im Süden und Westen) und einer Variante des DOBV, DOBV Typ Kurkino, (im Osten und Norden) vorherrschend. Bei Infektionen mit PUUV werden etwa alle 2 bis 3 Jahre regionale Ausbrüche beobachtet.

6 Übertragung

Hantaviren sind bei verschiedenen Nagetierarten endemisch, zum Beispiel bei Mäusen und Ratten. In Deutschland wurden vor allem die Rötelmaus (PUUV) und die Brandmaus (DOBV Typ Kurkino) als Wirte mit hoher Durchseuchung identifiziert. Die Viren treten bei den infizierten Tieren in diversen Körperflüssigkeiten (Blut, Speichel) und Ausscheidungen (Urin, Kot) auf. Menschen infizieren sich in der Regel nicht über den direkten Kontakt mit infizierten Tieren, sondern über die Inkorporation virushaltiger Ausscheidungen, da die Viren relativ umweltstabil sind. Mögliche Infektionswege sind z.B. das Einatmen kontaminierten Staubs oder der Verzehr verunreinigter Nahrungsmittel. Hantaviren können ferner durch Bisse infizierter Nager übertragen werden.

Die Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nur für eine südamerikanische Hantavirusspezies nachgewiesen, dem Andes-Virus. Neue Studien (stand 2021) belegen, dass auch die Übertragung über Haustiere möglich ist. So gab es Berichte von Infektionen über Ratten, die als Haustiere gehalten wurden. Auch eine Übertragung durch Vektoren (Mücken, Flöhe, Zecken) kann nicht ausgeschlossen werden.

7 Inkubationszeit

Die Inkubationszeit ist interindividuell unterschiedlich und u.a. vom Immunstatus des Wirts und der Menge der übertragenen Viren abhängig. Sie kann zwischen 5 und 60 Tagen betragen. In den meisten Fällen treten die ersten Symptome 2 bis 3 Wochen nach der Infektion auf.

8 Vermehrungszyklus

Das Virus bindet zunächst an Rezeptoren auf der Zellmembran und wird über Endozytose in Endosomen aufgenommen. Durch die pH-Wert-Änderung verschmilzt das Nukleokapsid mit der Endosomenmembran und entlässt das Virus ins Zytoplasma. Durch Assoziation mit dem sog. Endoplasmic Reticulum-Golgi Intermediate Compartment (ERGIC) werden diese Strukturen zu einer Art "Virusfabrik". Die Exozytose der fertigen Viren erfolgt aus dem Golgi-Apparat über sekretorische Vesikel zur Plasmamembran.

9 Klinik

Ein Großteil der Infektionen mit Hantaviren verläuft häufig asymptomatisch bzw. mit unspezifischen Symptomen, weshalb von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Die Krankheitsbilder variieren je nach verursachendem Serotyp.

Zu den Erkrankungen, die durch eine Hantavirus-Infektion hervorgerufen werden, zählen unter anderem das Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom (HCPS, insbesondere in Nord- und Südamerika) und die Nephropathia epidemica mit ihrer schweren Verlaufsform, dem hämorrhargischen Fieber mit renalem Syndrom (HFRS, insbesondere in Asien und Europa).

10 Diagnostik

Da das klinische Bild oft nicht voll ausgeprägt ist und die Symptome unspezifisch sein können, steht die labormedizinische Diagnostik beim Verdacht auf eine Infektion mit Hantaviren im Vordergrund.

10.1 Labormedizin

10.1.1 Indirekter Erregernachweis

Die Diagnose einer Infektion mit Hantaviren wird in der Regel serologisch durch den Nachweis spezifischer IgM- und IgG-Antikörper (ELISA, Immunoblot, Immunfluoreszenz-Assay) gestellt. Hierbei werden Nukleokapsid-Proteine als diagnostische Antigene verwendet. In Europa muss dabei sowohl mit PUUV, als auch mit DOBV-Antigenen getestet werden.

IgG-Antikörper werden bei 80 bis 90% der Patienten innerhalb der ersten 5 Tage im Serum gefunden und persistieren wahrscheinlich lebenslang. IgM-Antikörper können noch bis zu 2 Jahre nach der Erkrankung nachgewiesen werden. Eine akute Infektion zeigt sich durch einen simultanen Anstieg von IgG und IgM oder einen signifikanten Titeranstieg von IgG.

10.1.2 Direkter Erregernachweis

Auch der direkte Erregernachweis mittels PCR kann in der frühen Erkrankungsphase erfolgversprechend sein. Es gilt jedoch zu beachten, dass die virämische Phase bei einer Infektion mit Hantaviren nur sehr kurz ist und ein isoliertes negatives PCR-Testergebnis daher die Infektion nicht ausschließt.

Der endgültige Nachweis und die definitive Typisierung des infizierenden Virusstammes erfolgt durch die RNA-Sequenzierung von Abschnitten des S- oder L-Segments des Virusgenoms.

11 Meldepflicht

Der direkte Virusnachweis und der indirekte Virusnachweis, soweit er auf eine akute Erkrankung schließen lässt, sind meldepflichtig nach §7 Infektionsschutzgesetz.

12 Prävention

Zur Zeit (2021) gibt es in Deutschland keinen zugelassenen Impfstoff gegen Hantaviren. An der Entwicklung eines Hantavirusimpfstoffs wird jedoch intensiv geforscht. In China sind mehrere Impfstoffe gegen die dort endemischen Viren verfügbar.

13 Literatur

Fachgebiete: Virologie

Diese Seite wurde zuletzt am 17. März 2021 um 12:00 Uhr bearbeitet.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

11 Wertungen (4.64 ø)

23.606 Aufrufe

Copyright ©2021 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: