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'''HIV-2''', für '''humanes Immundefizienzvirus 2''', ist - wie [[HIV-1]] - ein [[HI-Virus]], das zur Gattung der [[Lentivirus|Lentiviren]] in der Familie der [[Retrovirus|Retroviren]] gehört.
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'''HIV-2''', für '''humanes Immundefizienzvirus 2''', ist - wie [[HIV-1]] - ein [[HI-Virus]], das zur Gattung der [[Lentivirus|Lentiviren]] in der Familie der [[Retrovirus|Retroviren]] gehört. Eine [[Infektion]] kann die [[Immundefizienz]]erkrankung [[AIDS]] auslösen.
  
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Das HIV-2-Virus wurde im Jahr 1986 zum ersten Mal aus westafrikanischen AIDS-Patienten isoliert.
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HIV-2 kommt vorwiegend in Westafrika vor. Innerhalb Europas findet sich die höchste [[Inzidenz]] in Portugal und Frankreich, in Deutschland sind Infektionen mit dem HIV-2 Virus mit einem Anteil von ca. 0,5 % an allen Neudiagnosen eine Ausnahme. Das einzige [[Erregerreservoir]] ist der Mensch. Doppelinfektionen mit HIV-1 sind möglich.
  
 
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==Ätiologie==
Wie HIV-1 ist HIV-2 am ehesten vom [[Affe]]n auf den Menschen übergegangen und zählt damit als [[Zoonose]]. Ein mit HIV-2 verwandter Subtyp des [[SI-Virus]] wurde in [[Rußmangabe]]n gefunden.
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Wie HIV-1 ist HIV-2 am ehesten vom [[Affe]]n auf den Menschen übergegangen und zählt damit zu den [[Zoonose]]n. Ein mit HIV-2 eng verwandter Subtyp des [[SI-Virus]] wurden in [[Mangabe]]naffen gefunden.
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Die in Deutschland gängigen [[ELISA]]-Verfahren, die als Suchtest zur Anwendung kommen, erkennen sowohl HIV-1- als auch HIV-2-spezifische [[Antikörper]]. Aufgrund der niedrigen Viruslast kann es jedoch zu einem verzögerten Anstieg des [[Titer|Antikörper-Titers]] kommen. Daher können bei einem frühzeitig nach [[Exposition]] erfolgten Suchtest falsch-negative Ergebnisse vorkommen.
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Zur Differenzierung nutzt man in erster Linie [[spezifisch]]e [[Immunoblot]]s. Um eine [[Kreuzreaktion]] aufgrund der engen Verwandschaft auszuschließen, kommt eine typspezifische [[RT-PCR]] als [[Nukleinsäureamplifikationstechnik|Nukleinsäureamplifikationstest]] (NAT) zum Einsatz. Da kommerzielle NATs für den [[quantitativ]]en [[Erregernachweis|Nachweis]] von HIV-2 aktuell (2021) jedoch nicht zur Verfügung stehen, erfolgt meist zunächst eine [[Serologie|serologische Untersuchung]]. Besteht der Verdacht anschließend weiterhin, wird der NAT in einem virologischen Speziallabor durchgeführt.
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==Literatur==
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* [https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HIV_AIDS.html;jsessionid=07AF57BA0C4714F26DF08EF2C073F489.internet081#doc2374480bodyText2 RKI-Ratgeber: HIV-Infektion/AIDS] Stand 2018, abgerufen am 29.06.2021
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*Stellungnahmen des Arbeitskreises Blut des Bundesministeriums für Gesundheit: [https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/90/277r874hxE6cgxQqU.pdf?sequence=1&isAllowed=y Humanes Immunschwächevirus (HIV)] Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz, 2004
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[[Fachgebiet:Infektiologie]]
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[[Fachgebiet:Virologie]]

Aktuelle Version vom 6. Juli 2021, 12:04 Uhr

1 Definition

HIV-2, für humanes Immundefizienzvirus 2, ist - wie HIV-1 - ein HI-Virus, das zur Gattung der Lentiviren in der Familie der Retroviren gehört. Eine Infektion kann die Immundefizienzerkrankung AIDS auslösen.

2 Historisches

Das HIV-2-Virus wurde im Jahr 1986 zum ersten Mal aus westafrikanischen AIDS-Patienten isoliert.

3 Epidemiologie

HIV-2 kommt vorwiegend in Westafrika vor. Innerhalb Europas findet sich die höchste Inzidenz in Portugal und Frankreich, in Deutschland sind Infektionen mit dem HIV-2 Virus mit einem Anteil von ca. 0,5 % an allen Neudiagnosen eine Ausnahme. Das einzige Erregerreservoir ist der Mensch. Doppelinfektionen mit HIV-1 sind möglich.

4 Ätiologie

Wie HIV-1 ist HIV-2 am ehesten vom Affen auf den Menschen übergegangen und zählt damit zu den Zoonosen. Ein mit HIV-2 eng verwandter Subtyp des SI-Virus wurden in Mangabenaffen gefunden.

5 Vergleich mit HIV-1

5.1 Morphologie

Morphologisch lassen sich die beiden HIV-Typen nicht unterscheiden.

5.2 Genetik

Das Virusgenom von HIV-2 besteht aus bis zu 9.800 Nukleotiden, während das von HIV-1 9.200 bis 9.600 Nukleotide beinhaltet. HIV-2 besitzt statt des vpu-Gens ein vpx-Gen (vgl. Gene des HI-Virus.

Eine Einteilung verschiedener Virusisolate wird beim HIV-2 in die Subtypen A-G (statt in Gruppen) vorgenommen.

5.3 Klinik

HIV-2 ist mit einer geringeren Viruslast assoziiert und weist eine geringere Transmissionsrate und Pathogenität auf. Die Manifestation von AIDS ist oft zeitlich verzögert.

Eine mögliche Infektion mit HIV-2 sollte in Erwägung gezogen werden, wenn der HIV-Suchtest positiv ist, die Viruslast jedoch gering oder nicht nachweisbar.

5.4 Diagnostik

5.4.1 Suchtest

Die in Deutschland gängigen ELISA-Verfahren, die als Suchtest zur Anwendung kommen, erkennen sowohl HIV-1- als auch HIV-2-spezifische Antikörper. Aufgrund der niedrigen Viruslast kann es jedoch zu einem verzögerten Anstieg des Antikörper-Titers kommen. Daher können bei einem frühzeitig nach Exposition erfolgten Suchtest falsch-negative Ergebnisse vorkommen.

5.4.2 Bestätigungstest

Zur Differenzierung nutzt man in erster Linie spezifische Immunoblots. Um eine Kreuzreaktion aufgrund der engen Verwandschaft auszuschließen, kommt eine typspezifische RT-PCR als Nukleinsäureamplifikationstest (NAT) zum Einsatz. Da kommerzielle NATs für den quantitativen Nachweis von HIV-2 aktuell (2021) jedoch nicht zur Verfügung stehen, erfolgt meist zunächst eine serologische Untersuchung. Besteht der Verdacht anschließend weiterhin, wird der NAT in einem virologischen Speziallabor durchgeführt.

6 Literatur

Fachgebiete: Infektiologie, Virologie

Diese Seite wurde zuletzt am 6. Juli 2021 um 12:03 Uhr bearbeitet.

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