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Gyromitra-Syndrom: Unterschied zwischen den Versionen

 
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Beim '''Gyromitra-Syndrom''' handelt es sich um eine Form der [[Pilzvergiftung]], die durch die Frühjahrslorchel (Gyromitra esculenta) ausgelöst wird.
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Die Fruchtkörper von Gyromitra esculenta sind dunkelbraun und weisen hirnartige Windungen auf. Der Hut und später der Stiel sind hohl. Im Gegensatz zu vielen anderen Pilzen, die erst im späteren Verlauf eines Jahres zum Vorschein kommen, gehört die Frühjahrslorchel – wie der Name schon sagt – zu den ersten Pilzen, die im Zeitraum von März bis Mai aus dem Boden schießen. Man findet sie insbesondere in Kiefernwäldern und allgemein auf sandigem Boden.
 
Die Fruchtkörper von Gyromitra esculenta sind dunkelbraun und weisen hirnartige Windungen auf. Der Hut und später der Stiel sind hohl. Im Gegensatz zu vielen anderen Pilzen, die erst im späteren Verlauf eines Jahres zum Vorschein kommen, gehört die Frühjahrslorchel – wie der Name schon sagt – zu den ersten Pilzen, die im Zeitraum von März bis Mai aus dem Boden schießen. Man findet sie insbesondere in Kiefernwäldern und allgemein auf sandigem Boden.
  
==Relevantes Gift==
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==Toxin==
Der Hauptgiftstoff der Frühjahrslorchel ist das [[Gyromitrin]]. Bei der Zubereitung, spätestens aber im [[Magen-Darm-Trakt]] wird diese organische Verbindung zu wasserlöslichem [[Monomethylhydrazin]] abgebaut. Dies kann auf Grund seines Siedepunktes bei ca. 86 – 87 °C beim Kochen entweichen, weswegen sogar beim Einatmen der Dämpfe schon Vergiftungserscheinungen möglich sind. Interessanterweise gibt es immer wieder Menschen, die den Pilz völlig unbeschadet überstehen. Eine Begründung dafür ist bisher nicht bekannt. Es ist aber dringendst davon abzuraten, die eigene Verträglichkeit mit einer Pilzmahlzeit dieser Fruchtkörper zu testen!
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Der Hauptgiftstoff der Frühjahrslorchel ist das [[Gyromitrin]]. Bei der Zubereitung, spätestens aber im [[Magen-Darm-Trakt]] wird diese [[organisch]]e Verbindung zu [[wasserlöslich]]em [[Monomethylhydrazin]] abgebaut. Dies kann auf Grund seines Siedepunktes bei ca. 86 – 87 °C beim Kochen entweichen, weswegen sogar beim Einatmen der Dämpfe schon Vergiftungserscheinungen möglich sind. Es gibt Berichte über Menschen, die den Pilz völlig unbeschadet überstehen - die Gründe dafür sind jedoch bislang (2021) unbekannt. Es wird dringend davon abgeraten, die eigene Verträglichkeit mit einer Pilzmahlzeit dieser Fruchtkörper zu testen.
  
 
==Pathophysiologie==
 
==Pathophysiologie==
Wie erwähnt, zerfällt die Ursprungssubstanz Gyromitrin in das wasserlösliche Monomethylhydrazin. Dessen Hauptwirkung besteht in einer Hemmung des [[Pyridoxin]]s im [[ZNS]]. Pyridoxin ist aber essentiell für den Aufbau des hemmenden [[Neurotransmitter]]s [[Gamma-Aminobuttersäure]] (GABA). Dessen Konzentration im ZNS wird reduziert, wodurch starke [[Krampf]]anfälle ausgelöst werden. Die Hemmung von Pyridoxin ist außerdem die Ursache für die starke Leberschädigung, das es wichtige Funktionen im [[Aminosäurestoffwechsel]] einnimmt.
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Das wasserlösliche Monomethylhydrazin reagiert mit [[Pyridoxin]] (Vitamin B<sub>6</sub>) und hemmt dieses dadurch [[irreversibel]]. Da [[Pyridoxalphosphat]] eine wichtige Funktion als [[Cofaktor]] der Synthese von [[Gamma-Aminobuttersäure]] (GABA) einnimmt, reduziert sich in der Folge die Konzentration des [[Neurotransmitter]]s im [[ZNS]]. Dadurch kommt es zu [[zerebral]]en [[Krampf]]anfällen. Die Hemmung von Pyridoxin ist zudem die Ursache für die ausgeprägte Leberschädigung, da es wichtige Funktionen im [[Aminosäurestoffwechsel]] einnimmt.
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Bei den ersten Anzeichen dieser Pilzvergiftung muss sofort gehandelt werden. Hinweise auf die Diagnose ergeben folgende Maßnahmen:
 
Bei den ersten Anzeichen dieser Pilzvergiftung muss sofort gehandelt werden. Hinweise auf die Diagnose ergeben folgende Maßnahmen:
 
* [[Palpation]]: Abtasten der stark vergrößerten und erhärteten Leber
 
* [[Palpation]]: Abtasten der stark vergrößerten und erhärteten Leber
* Labordiagnostisch zeigt sich ein stark erhöhter [[Bilirubin]]-Anteil  
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* [[Labordiagnostisch]] zeigt sich ein stark erhöhter [[Bilirubin]]-Anteil  
* im Gegensatz zum Amatoxin-Syndrom sind die [[Leberwerte]] NICHT erhöht.
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* im Gegensatz zum Amatoxin-Syndrom sind die [[Leberwerte]] ''nicht'' erhöht.
  
 
==Therapie==
 
==Therapie==
 
Es handelt sich um einen Giftnotfall, der sofortiger medizinischer Behandlung bedarf.  
 
Es handelt sich um einen Giftnotfall, der sofortiger medizinischer Behandlung bedarf.  
* Gabe von Aktivkohle
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* Gabe von [[Aktivkohle]]
 
* Herbeiführen von [[Erbrechen]]
 
* Herbeiführen von [[Erbrechen]]
* Gabe von Infusionen zum Ausgleich des [[Elektrolyt]]- und Wasserverlustes
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* Gabe von [[Infusion]]en zum Ausgleich des [[Elektrolyt]]- und Wasserverlustes
* [[Vitamin-B6]]-Substitution zur Unterstützung der Leberfunktion
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* Vitamin-B6-Substitution zur Unterstützung der Leberfunktion
 
* [[Sedierung]] und Vermeidung von Krampfanfällen durch [[Benzodiazepin]]e
 
* [[Sedierung]] und Vermeidung von Krampfanfällen durch [[Benzodiazepin]]e
* Gabe von 15 bis 20 g [[Pyridoxin]] [[i.v.]] (bei Kindern weniger)
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* Gabe von 15 bis 20 g Pyridoxin [[i.v.]] (bei Kindern weniger)
 
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==Giftnotrufzentralen in Deutschland==
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* Berlin: Berliner Betrieb für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen Tel.: 0 30 / 1 92 40
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* Göttingen: Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein Tel.: 0 55 1 / 1 92 40
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* Mainz: Klinische Toxikologie und Beratungsstelle bei Vergiftungen der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen Tel.: 0 61 31 / 1 92 40 oder 23 24 66
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Weiter Giftzentralen finden Sie [http://dgk.de/gesundheit/unfallpraevention/unfallarten/vergiftungen-veraetzungen/adressenliste-gift-informationszentralen-in-deutschland.html hier].
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==Weblinks==
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* Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): [https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/01_Lebensmittel/03_Verbraucher/09_InfektionenIntoxikationen/02_Giftnotrufzentralen/lm_LMVergiftung_giftnotrufzentralen_node.html Liste der Giftnotrufzentralen und Giftinformationszentren in Deutschland, Österreich und Schweiz] zuletzt abgerufen am 14.07.2021
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* Berlin (und Brandenburg): Berliner Betrieb für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen, Tel.: 0 30 / 1 92 40
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* Göttingen: Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Tel.: 0 55 1 / 1 92 40
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* Mainz: Klinische Toxikologie und Beratungsstelle bei Vergiftungen der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen, Tel.: 0 61 31 / 1 92 40 oder 23 24 66
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* Bonn (für Nordrhein-Westfalen): Informationszentrale gegen Vergiftungen, Zentrum für Kinderheilkunde, Universitätsklinikum Bonn, Tel.: 0228 / 19 240
 
[[Fachgebiet:Toxikologie]]
 
[[Fachgebiet:Toxikologie]]
 
[[Tag:Intoxikation]]
 
[[Tag:Intoxikation]]
 
[[Tag:Pilzvergiftung]]
 
[[Tag:Pilzvergiftung]]

Aktuelle Version vom 21. Juli 2021, 14:49 Uhr

von altgriechisch: γύρος ("gyros") - Kreisel und μίτρα ("mitra") - Bischofsmütze

1 Definition

Beim Gyromitra-Syndrom handelt es sich um eine Form der Pilzvergiftung, die durch die Frühjahrslorchel (Gyromitra esculenta) ausgelöst wird.

2 Hintergrund

Insbesondere in Russland und im skandinavischen Raum wird die Frühjahrslorchel bis heute gerne verspeist, obwohl sie lebensgefährliche Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann. Zwei Stunden abgekocht stellt sie immer noch ein extrem großes Gesundheitsrisiko dar, weswegen in den genannten Regionen bis zu jede zweite Pilzvergiftung auf diese Pilzart zurückzuführen ist. Ähnlich wie die Vergiftung mit den Knollenblätterpilzen (Amatoxin-Syndrom) kommt es auch beim Gyromitra-Syndrom zu starken Schädigungen an Leber und Niere, sowie zu neurologischen Symptomen.

3 Beschreibung des auslösenden Pilzes

Die Fruchtkörper von Gyromitra esculenta sind dunkelbraun und weisen hirnartige Windungen auf. Der Hut und später der Stiel sind hohl. Im Gegensatz zu vielen anderen Pilzen, die erst im späteren Verlauf eines Jahres zum Vorschein kommen, gehört die Frühjahrslorchel – wie der Name schon sagt – zu den ersten Pilzen, die im Zeitraum von März bis Mai aus dem Boden schießen. Man findet sie insbesondere in Kiefernwäldern und allgemein auf sandigem Boden.

4 Toxin

Der Hauptgiftstoff der Frühjahrslorchel ist das Gyromitrin. Bei der Zubereitung, spätestens aber im Magen-Darm-Trakt wird diese organische Verbindung zu wasserlöslichem Monomethylhydrazin abgebaut. Dies kann auf Grund seines Siedepunktes bei ca. 86 – 87 °C beim Kochen entweichen, weswegen sogar beim Einatmen der Dämpfe schon Vergiftungserscheinungen möglich sind. Es gibt Berichte über Menschen, die den Pilz völlig unbeschadet überstehen - die Gründe dafür sind jedoch bislang (2021) unbekannt. Es wird dringend davon abgeraten, die eigene Verträglichkeit mit einer Pilzmahlzeit dieser Fruchtkörper zu testen.

5 Pathophysiologie

Das wasserlösliche Monomethylhydrazin reagiert mit Pyridoxin (Vitamin B6) und hemmt dieses dadurch irreversibel. Da Pyridoxalphosphat eine wichtige Funktion als Cofaktor der Synthese von Gamma-Aminobuttersäure (GABA) einnimmt, reduziert sich in der Folge die Konzentration des Neurotransmitters im ZNS. Dadurch kommt es zu zerebralen Krampfanfällen. Die Hemmung von Pyridoxin ist zudem die Ursache für die ausgeprägte Leberschädigung, da es wichtige Funktionen im Aminosäurestoffwechsel einnimmt.

Monomethylhydrazin methyliert außerdem die DNA (insb. Bildung von O6-Methylguanin) und wirkt dadurch wahrscheinlich kanzerogen.

6 Symptome

Ebenso wie beim Amatoxin-Syndrom teilen sich die Symptome in eine gastrointestinale und eine hepatorenale Phase. Auch mit den Latenzzeiten verhält es sich ganz ähnlich. Die ersten Krankheitszeichen treten in der Regel sechs bis zwölf, im Extremfall auch bei bis zu 25 Stunden nach dem Verzehr auf. Es kommt dann im Rahmen der gastrointestinalen Phase zu

Die Krankheitszeichen klingen nach 2 bis 6 Tagen ab und es kommt – wie bei einer Knollenblätterpilzvergiftung – zu einer scheinbaren Genesung des Patienten. Nach einem kurzen symptomlosen Intervall tritt er in die lebensbedrohliche hepatorenale Phase ein, die sich wie folgt äußert:

7 Diagnose

Bei den ersten Anzeichen dieser Pilzvergiftung muss sofort gehandelt werden. Hinweise auf die Diagnose ergeben folgende Maßnahmen:

8 Therapie

Es handelt sich um einen Giftnotfall, der sofortiger medizinischer Behandlung bedarf.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

9 Weblinks

  • Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Liste der Giftnotrufzentralen und Giftinformationszentren in Deutschland, Österreich und Schweiz zuletzt abgerufen am 14.07.2021
  • Berlin (und Brandenburg): Berliner Betrieb für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen, Tel.: 0 30 / 1 92 40
  • Göttingen: Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Tel.: 0 55 1 / 1 92 40
  • Mainz: Klinische Toxikologie und Beratungsstelle bei Vergiftungen der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen, Tel.: 0 61 31 / 1 92 40 oder 23 24 66
  • Bonn (für Nordrhein-Westfalen): Informationszentrale gegen Vergiftungen, Zentrum für Kinderheilkunde, Universitätsklinikum Bonn, Tel.: 0228 / 19 240

Diese Seite wurde zuletzt am 21. Juli 2021 um 14:49 Uhr bearbeitet.

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