Glitazon

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Synonym: Thiazolidindione, Insulin-Sensitizer
Englisch: glitazones

1 Definition

Glitazone sind zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzte Medikamente. Sie gehören zur Klasse der oralen Antidiabetika.

2 Wirkmechanismus

Glitazone aktivieren den PPARγ (peroxisomal proliferator-activated receptor gamma) im Zellkern. Dadurch wird die Genexpression von Genen des Glukose- und Lipidstoffwechsels gesteigert, die Glukoseaufnahme der Zellen steigt. Weiterhin werden vermehrt die Neubildung und Differenzierung von Fettzellen fördernde Genprodukte synthetisiert.

Die physiologische Funktion des Insulins wird damit verbessert, der Blutzucker sinkt, die beim Diabetes mellitus Typ 2 vorhandene Insulinresistenz wird geringer, die Insulinsekretion wird vermindert.

3 Zusätzliche Wirkungen

Neuere Studien (Stand: 2005) offenbaren eine über den Glucosestoffwechsel hinausgehende Wirksamkeit von Glitazonen:

Eine eindeutige Aussage über den Einfluss von Glitazonen bezüglich der kardiovaskulären Morbidität und Mortalität kann wegen fehlender Endpunktstudien noch nicht getroffen werden. Diesbezüglich sind Glitazone derzeit Gegenstand von wissenschaftlichen Studien.

4 Indikation

Glitazone sind für eine Monotherapie des Diabetes mellitus Typ 2 und eine Kombinationstherapie mit Sulfonylharnstoffen oder Metformin zugelassen. Eine Kombination mit Insulin ist kontraindiziert.

Glitazone werden daher in den meisten Fällen bei nicht zufriedenstellender Einstellung des Stoffwechsels unter Metformin oder Sulfonylharnstoffen als zusätzliches Medikament angeordnet.

5 Substanzen

In Deutschland sind derzeit zwei Substanzen aus der Gruppe der Glitazone zugelassen:

Rosiglitazon wurde 2010 vom Markt genommen, da es das Risiko für Myokardinfarkte zu erhöhen scheint.[1] Das BfArM empfiehlt Pioglitazon wegen einer Risikoerhöhung für Blasenkarzinome nicht mehr zu verschreiben.[2]

6 Nebenwirkungen

Pioglitazon begünstigt die Entstehung von Blasenkrebs. Das Risiko war in einer Analyse, die im Britischen Ärzteblatt erschien, ab einer Behandlungsdauer von 2 Jahren und einer kumulativen Dosis von 28.000 mg signifikant erhöht.[3] Aus diesem Grund besteht zur Zeit eine Kontraindikation bei aktivem Blasenkarzinom oder einem Blasenkarzinom in der Vorgeschichte oder bei bisher nicht abgeklärter Makrohämaturie.

7 Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Für die Behandlung mit Glitazonen liegen keine Langzeiterfahrungen vor. Troglitazon, das erste in den USA zugelassene Glitazon wurde aufgrund einer Häufung von Fällen tödlich verlaufender Leberinsuffizienz zügig vom Markt genommen. Diese Gefahr scheint bei den derzeit erhältlichen Glitazonen von Einzelfällen abgesehen nicht zu bestehen.

Dennoch sollte unter der Therapie mit Glitazonen regelmäßig die Leberfunktion überprüft werden. Bei Anstieg der Transaminasen ist das Medikament abzusetzen.

Eine bestehende Herzinsuffizienz kann durch Glitazone verschlechtert werden. Die Kombination von NSAR und Glitazonen führt vermehrt zur Ausbildung von Ödemen.

8 Quellen

  1. [1]
  2. [2]
  3. BMJ 2012; 344: e3645

Autoren: https://flexikon.doccheck.com/de/index.php?title=Glitazon&action=history

Quelle: https://flexikon.doccheck.com/de/Glitazon

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