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Gebärdensprache

Version vom 22. Juni 2018, 14:42 Uhr von Dr. Frank Antwerpes (Diskussion | Beiträge)

Englisch: sign languages, signed languages

1 Definition

Die Gebärdensprache ist eine Sprache, die nicht auf Phonemen, sondern auf körperlichen, visuell wahrnehmbaren Zeichen basiert. Sie wird vor allem von Menschen mit eingeschränktem (Schwerhörigkeit) oder aufgehobenem Hörvermögen (Taubheit) genutzt.

2 Hintergrund

Sprachwissenschaftlich gesehen gehört die Gebärdensprache zu den natürlichen Sprachen, sie hat sich im Laufe der Zeit eigenständig entwickelt. Sie besteht aus einer Mischung aus Gesichtsmimik, lautlos gesprochenen Wörtern und Körpergesten. Die verschiedenen Elemente werden zu Sätzen aneinander gereiht. Dabei folgt die Gebärdensprache einer bestimmten Grammatik. Es gibt (bisher) keine "universelle" Gebärdensprache, auch wenn dies zurzeit ein Thema der linguistischen Forschung ist. Die "Deutsche Gebärdensprache" (DGS) ist seit 2002 als vollwertige Sprache in Deutschland anerkannt und kann in allen Lebensbereichen verwendet werden.

3 Formen

Generell differenziert man

Es existieren verschiedene nationale, aber auch regionale Unterschiede. Wie viele Gebärdensprachen existieren, ist nicht bekannt. Am weitesten verbreitet ist die American Sign Language (ASL). Im deutschsprachigen Raum wird die DGS gebärdet, in Österreich beispielsweise die ÖGS.

Unterschiede bestehen auch in der Verwendung des Fingeralphabets. So existieren, Einhand-Zweihand-, Silben- und Ideogramm-Fingeralphabete, die international unterschiedlich verwendet werden.

4 Grammatik der DGS

Die DGS folgt ihrer eigenen Grammatik, die sich von der deutschen Regelgrammatik unterscheidet.

  • Deutsch: Subjekt - Prädikat - Objekt
  • DGS: Subjekt - Objekt - Prädikat

Beispiel: Der Satz "Ich sehe dich" würde "ich dich sehen" gebärdet werden. Zudem existiert in der DGS keine Höflichkeitsform.

5 Umgang mit Gehörlosen

5.1 Allgemein

Der Umgang bzw. die Kommunikation mit Gehörlosen erfordert teilweise etwas andere Bedingungen als im Umgang mit Hörenden. Wichtig sind:

  • gute Lichtverhältnisse
  • langsames und deutliches Sprechen (keine verzerrten Mundbilder)
  • Verwendung der Hände bei der Kommunikation
  • lebhafte Mimik zur Erleichterung der Kommunikation
  • schriftliche Kommunikation möglichst einfach halten und im besten Fall grammatikalisch angepassen. Beispiel: "Seit wann haben Sie die Beschwerden?" reformulieren zu "Du Problem seit wann?".

Der Begriff taubstumm sollte aus verschiedenen Gründen vermieden werden. Erstens ist der Begriff taubstumm historisch negativ konnotiert, zweitens sind die meisten Gehörlosen nicht stumm. Stattdessen sollten die Begriffe taub oder gehörlos verwendet werden.

5.2 In klinischen Situationen mit Dolmetscher

In einer klinischen Situation vereinfacht ein Dolmetscher die Kommunikation. Hier sollte darauf geachtet werden, dass die Lichtverhältnisse gut sind und sich der Dolmetscher neben dem medizinischen Personal und gegenüber dem Patienten befindet. Er ist in diesem Kontext lediglich das Sprachmedium und unterliegt ebenfalls der Schweigepflicht. Es sollte vermieden werden, vom Patienten in der dritten Person zu sprechen oder nur den Dolmetscher anzuschauen.

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