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Gebärdensprache

Version vom 22. Juni 2018, 10:21 Uhr von Dr. Frank Antwerpes (Diskussion | Beiträge)

1 Definition

Die Gebärdensprache ist eine Sprache, die nicht auf Phonemen, sondern auf körperlichen, visuell wahrnehmbaren Zeichen basiert. Sie wird vor allem von Menschen mit eingeschränktem (Schwerhörigkeit) oder aufgehobenem Hörvermögen (Taubheit) genutzt.

2 Hintergrund

Die Gebärdensprache gehört zur Kategorie der natürlichen Sprachen, d.h. sie wurde von niemandem erfunden, sondern hat sich im Laufe der Zeit eigenständig entwickelt. Die Gebärdensprache besteht aus einer Mischung von Gesichtsmimik, lautlos gesprochenen Wörtern und Körpergesten. Die verschiedenen Elemente werden miteinander zu Sätzen aneinander gereiht. Dabei folgt die Gebärdensprache einer bestimmten Grammatik. Es gibt (bisher) keine "universelle" Gebärdensprache, auch wenn dies zur Zeit ein Thema der linguistischen Forschung ist. Gebärdensprache ist eine Sprache wie jede andere auch. Mit ihr kann man sich ebenfalls über das Wetter unterhalten, die aktuellen Spielergebnisse oder aber Philosophie und die eigene Steuererklärung.

3 Formen

Generell differenziert man

Es gibt keine genau Zahl wie viele verschiedene Gebärdensprachen es gibt. Am weitesten verbreitet ist die "American Sign Language" kurz "ASL". Im deutschsprachigen Raum wie Deutschland und Luxemburg wird die "Deutsche Gebärdensprache" oder kurz "DGS" gebärdet, in Österreich beispielsweise die "ÖGS". Auch Dialekt-Variationen sind in der Gebärdensprache möglich. So wird die Gebärde für "Sonntag" im Norden Deutschlands beispielsweise anders gebärdet als im Süden.

4 Grammatik

Die DGS folgt ihrer eigenen Grammatik, ähnlich wie jede andere Lautsprache. Sie unterscheidet sich von der deutschen Regelgrammatik.

  • Deutsch: Subjekt - Prädikat - Objekt
  • DGS: Subjekt - Objekt - Prädikat

Beispiel: Der Satz "Ich sehe dich" würde "Ich dich sehen" gebärdet werden.

5 Fingeralphabet

Generell empfiehlt es sich, das deutsche Fingeralphabet zu lernen. Dies fordert nicht nur die eigene Hand-Augen-Koordination, sondern macht Spaß und hilft bei der Kommunikation über große Distanzen hinweg, durch Glasscheiben oder bei vollem Mund.

6 Klinik

Der Umgang mit Gehörlosen erfordert teilweise etwas andere Bedingungen als im Umgang mit Hörenden. Der Begriff "taubstumm" sollte vermieden werden. Dies hat mehrere Hintergründe. Zum einen ist der Begriff historisch negativ konnotiert. Zum anderen sind die meisten Gehörlosen nicht stumm. Der Sprechapparat ist durchaus funktionsfähig, jedoch würde es wohl jedem komisch vorkommen zu sprechen, obwohl man sich selbst nicht dabei hören kann. Die Begriffe taub oder gehörlos sollten vorzugsweise verwendet werden.

Darüber hinaus gilt:

  • auf gute Lichtverhältnisse achten
  • langsam und deutlich sprechen (keine verzerrten Mundbilder, dies irritiert nur)
  • wenn möglich, ruhig die Hände zur Kommunikation verwenden
  • eine lebhafte Mimik erleichtert die Kommunikation
  • wenn Kommunikation schriftlich erfolgt, diese möglichst einfach verständlich halten und im besten Fall grammatikalisch anpassen
    • Beispiel: "Seit wann haben Sie die Beschwerden?" reformulieren zu "Du Problem seit wann?"

Auf Höflichkeitsformen kann verzichtet werden. Ähnlich wie im Englischen gibt es keine Höflichkeitsform.

6.1 Umgang mit Dolmetschern

Falls in einer klinischen Situation ein Dolmetscher anwesend ist, vereinfacht dies natürlich die Kommunikation. Doch auch hier gibt es Feinheiten, auf die geachtet werden kann. Im klinischen Kontext sollte sich der Dolmetscher neben dem medizinischen Personal befinden und gegenüber dem Patienten. Der Dolmetscher ist in diesem Kontext lediglich das Sprachmedium und unterliegt ebenfalls der Schweigepflicht. Auch hier sind optimale Lichtverhältnisse für eine barrierefreie Kommunikation unentbehrlich. Man sollte es vermeiden, vom Patienten in der dritten Person zu sprechen oder nur den Dolmetscher anzuschauen. Dies schafft eine respektvolle und vertrauensvolle Basis.

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