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Gebärdensprache: Unterschied zwischen den Versionen

 
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'''''Englisch''': sign languages, signed languages''
 
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Die '''Gebärdensprache''' ist eine [[Sprache]], die nicht auf [[Phonem]]en, sondern auf körperlichen,  [[visuell]] wahrnehmbaren Zeichen basiert. Sie wird vor allem von Menschen mit eingeschränktem ([[Schwerhörigkeit]]) oder aufgehobenem Hörvermögen ([[Taubheit]]) genutzt.
 
Die '''Gebärdensprache''' ist eine [[Sprache]], die nicht auf [[Phonem]]en, sondern auf körperlichen,  [[visuell]] wahrnehmbaren Zeichen basiert. Sie wird vor allem von Menschen mit eingeschränktem ([[Schwerhörigkeit]]) oder aufgehobenem Hörvermögen ([[Taubheit]]) genutzt.
  
 
==Hintergrund==
 
==Hintergrund==
Die Gebärdensprache gehört zur Kategorie der natürlichen [[Sprache]]n, d.h. sie wurde von niemandem erfunden, sondern hat sich im Laufe der Zeit eigenständig entwickelt. Die Gebärdensprache besteht aus einer Mischung von [[Mimik|Gesichtsmimik]], lautlos gesprochenen Wörtern und [[Körpergest]]en. Die verschiedenen Elemente werden miteinander zu Sätzen aneinander gereiht. Dabei folgt die Gebärdensprache einer bestimmten Grammatik. Es gibt (bisher) keine "universelle" Gebärdensprache, auch wenn dies zur Zeit ein Thema der linguistischen Forschung ist. Gebärdensprache ist eine Sprache wie jede andere auch. Mit ihr kann man sich ebenfalls über das Wetter unterhalten, die aktuellen Spielergebnisse oder aber Philosophie und die eigene Steuererklärung.  
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Die "Deutsche Gebärdensprache" (DGS) ist seit 2002 als vollwertige Sprache in Deutschland anerkannt und kann in allen Lebensbereichen verwendet werden. Sprachwissenschaftlich gesehen gehört die Gebärdensprache zu den natürlichen [[Sprache]]n, sie hat sich im Laufe der Zeit eigenständig entwickelt. Sie besteht aus den Elementen [[Mimik|Gesichtsmimik]] - insbesondere dem [[Mundbild]] (z.B. lautlos gesprochene Worte) - sowie [[Gestik]] und Körperhaltung. Darüber hinaus gibt es auch Elemente, die in der Lautsprache nicht zu finden sind, denn die Gebärdensprache ist nicht linear-zeitlich sondern räumlich-simultan aufgebaut. Durch die Aneinanderreihung einzelner Gebärden entsteht ein Satz. Dabei folgt die Gebärdensprache einer eigenen Grammatik. Es gibt keine "universelle" Gebärdensprache. Die linguistische Forschung beschäftigt sich jedoch gerade mit der Bedeutung der "International Sign" (IS), die beispielsweise auf Konferenzen genutzt wird.
  
 
==Formen==
 
==Formen==
 
Generell differenziert man
 
Generell differenziert man
*Lautsprachbegleitendes Gebärden (LBG)
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* [[Lautsprachbegleitendes Gebärden]] (LBG, keine eigene Sprache)
*Gebärdensprache  
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* Lautsprachunterstützendes Gebärden (LUG, keine eigene Sprache)
Es gibt keine genau Zahl wie viele verschiedene Gebärdensprachen es gibt. Am weitesten verbreitet ist die '''''American Sign Language''''' kurz '''''ASL'''''. Im deutschsprachigen Raum wie Deutschland und Luxemburg wird die '''''Deutsche Gebärdensprache''''' oder kurz '''''DGS''''' gebärdet, in Österreich beispielsweise die '''''ÖGS'''''. Auch dialektische Variationen sind in Gebärdensprache möglich. So wird die Gebärde für "Sonntag" im Norden Deutschlands beispielsweise anders gebärdet als im Süden.
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* Gebärdensprache  
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Es existieren verschiedene nationale, aber auch regionale Unterschiede/Dialekte. Wie viele Gebärdensprachen existieren, ist nicht bekannt. Am weitesten verbreitet ist die American Sign Language (ASL). Im deutschsprachigen Raum wird die DGS gebärdet, in Österreich beispielsweise die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS).  
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Unterschiede bestehen auch in der Verwendung des Fingeralphabets. So existieren Einhand-Zweihand-, Silben- und Ideogramm-Fingeralphabete, die international unterschiedlich verwendet werden.
  
==Grammatik==
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==Grammatik der DGS==
Die DGS folgt ihrer eigenen Grammatik, ähnlich wie jede andere Lautsprache. Diese sei im Folgenden kurz erklärt.
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Die DGS folgt ihrer eigenen Grammatik, die sich von der deutschen Regelgrammatik unterscheidet.
 
*Deutsch: ''Subjekt'' - ''Prädikat'' - ''Objekt''
 
*Deutsch: ''Subjekt'' - ''Prädikat'' - ''Objekt''
 
*DGS: ''Subjekt'' - ''Objekt'' - ''Prädikat''
 
*DGS: ''Subjekt'' - ''Objekt'' - ''Prädikat''
 
Beispiel: Der Satz "Ich sehe dich" würde "ich dich sehen" gebärdet werden.
 
Beispiel: Der Satz "Ich sehe dich" würde "ich dich sehen" gebärdet werden.
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Zudem existiert in der DGS keine Höflichkeitsform.
  
==Fingeralphabet==
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==Umgang mit Gehörlosen==
Generell empfiehlt es sich das deutsche Fingeralphabet zu lernen. Dies fordert nicht nur die eigene Hand-Augen-Koordination, sondern macht Spaß und hilft bei der Kommunikation über große Distanzen hinweg, durch Glasscheiben oder bei vollem Mund.  
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===Allgemein===
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Um die Kommunikation mit Hörgeschädigten zu erleichtern, gilt es Folgendes zu beachten:
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* gute Lichtverhältnisse
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* langsames und deutliches Sprechen (keine Überartikulation/verzerrten Mundbilder)
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* Verwendung der Hände bei der Kommunikation
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* lebhafte Mimik zur Erleichterung der Kommunikation
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* schriftliche Kommunikation möglichst einfach halten und im besten Fall grammatikalisch anpassen. Beispiel: "Seit wann haben Sie die Beschwerden?" reformulieren zu "Du Problem seit wann?".
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Der Begriff ''[[taubstumm]]'' sollte aus verschiedenen Gründen vermieden werden. Erstens ist der Begriff ''taubstumm'' historisch negativ konnotiert, zweitens sind die meisten Gehörlosen nicht stumm. Stattdessen sollten die Begriffe ''taub'' oder ''gehörlos'' verwendet werden.
  
==Klinische Konsequenz==
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===In klinischen Situationen mit Dolmetscher===
Der Umgang mit Gehörlosen erfordert teilweise etwas andere Bedingungen als im Umgang mit Hörenden. Generell gilt:
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In einer klinischen Situation vereinfacht ein Dolmetscher die Kommunikation. Hier sollte darauf geachtet werden, dass die Lichtverhältnisse gut sind und sich der Dolmetscher neben dem medizinischen Personal und gegenüber dem Patienten befindet. Er ist in diesem Kontext lediglich das Sprachmedium und unterliegt ebenfalls der [[Schweigepflicht]]. Es sollte vermieden werden, vom Patienten in der dritten Person zu sprechen oder nur den Dolmetscher anzuschauen.
*auf gute Lichtverhältnisse achten
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Generell ist es jedoch hilfreich den Patienten nach seinen Bedürfnissen direkt zu fragen und mit Zeit und Empathie ins Gespräch zu gehen.
*langsam und deutlich sprechen (keine verzerrten Mundbilder, dies irritiert nur)
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*wenn möglich ruhig seine Hände zur Kommunikation verwenden
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*eine lebhafte Mimik erleichtert die Kommunikation
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*wenn Kommunikation schriftlich erfolgt, diese möglichst einfach verständlich halten und im besten Fall grammatikalisch anpassen
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**Beispiel: "Seit wann haben Sie die Beschwerden?" reformulieren zu "Du Problem seit wann?"
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*der Begriff ''taubstumm'' sollte vermieden werden
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Dies hat mehrere Hintergründe. Zum einen ist der Begriff ''taubstumm'' historisch negativ konnotiert. Zum anderen sind die meisten Gehörlosen nicht stumm. Der Sprechapparat ist durchaus funktionsfähig, jedoch würde es wohl jedem komisch vorkommen zu sprechen, obwohl man sich selbst nicht dabei hören kann. Die Begriffe ''taub'' oder ''gehörlos'' sollten vorzugsweise verwendet werden.
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Auf Höflichkeitsformen kann verzichtet werden. Ähnlich wie im Englischen gibt es keine Höflichkeitsform.
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==Umgang mit Dolmetschern==
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==Links==
Falls in einer klinischen Situation ein Dolmetscher anwesend ist, vereinfacht dies natürlich die Kommunikation. Doch auch hier gibt es Feinheiten, auf die geachtet werden kann.
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* [http://www.gehoerlosen-bund.de/ Website Deutscher Gehörlosen-Bund e.V.]
Im klinischen Kontext sollte sich der Dolmetscher neben dem medizinischen Personal befinden und gegenüber dem Patienten. Der Dolmetscher ist in diesem Kontext lediglich das Sprachmedium und unterliegt ebenfalls der Schweigepflicht. Auch hier sind optimale Lichtverhältnisse für eine barrierefreie Kommunikation unentbehrlich. Man sollte es vermeiden vom Patienten in der dritten Person zu sprechen oder nur den Dolmetscher anzuschauen. Dies schafft eine respektvolle und vertrauensvolle Basis.
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* [https://bgsd.de/ Website Bundesverband der GebärdensprachdolmetscherInnen Deutschlands e.V.]
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* https://www.bvmd.de/unsere-arbeit/projekte/breaking-the-silence/
 
[[Fachgebiet:Allgemeinmedizin]]
 
[[Fachgebiet:Allgemeinmedizin]]
 
[[Fachgebiet:Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde]]
 
[[Fachgebiet:Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde]]

Aktuelle Version vom 6. August 2018, 11:50 Uhr

Englisch: sign languages, signed languages

1 Definition

Die Gebärdensprache ist eine Sprache, die nicht auf Phonemen, sondern auf körperlichen, visuell wahrnehmbaren Zeichen basiert. Sie wird vor allem von Menschen mit eingeschränktem (Schwerhörigkeit) oder aufgehobenem Hörvermögen (Taubheit) genutzt.

2 Hintergrund

Die "Deutsche Gebärdensprache" (DGS) ist seit 2002 als vollwertige Sprache in Deutschland anerkannt und kann in allen Lebensbereichen verwendet werden. Sprachwissenschaftlich gesehen gehört die Gebärdensprache zu den natürlichen Sprachen, sie hat sich im Laufe der Zeit eigenständig entwickelt. Sie besteht aus den Elementen Gesichtsmimik - insbesondere dem Mundbild (z.B. lautlos gesprochene Worte) - sowie Gestik und Körperhaltung. Darüber hinaus gibt es auch Elemente, die in der Lautsprache nicht zu finden sind, denn die Gebärdensprache ist nicht linear-zeitlich sondern räumlich-simultan aufgebaut. Durch die Aneinanderreihung einzelner Gebärden entsteht ein Satz. Dabei folgt die Gebärdensprache einer eigenen Grammatik. Es gibt keine "universelle" Gebärdensprache. Die linguistische Forschung beschäftigt sich jedoch gerade mit der Bedeutung der "International Sign" (IS), die beispielsweise auf Konferenzen genutzt wird.

3 Formen

Generell differenziert man

Es existieren verschiedene nationale, aber auch regionale Unterschiede/Dialekte. Wie viele Gebärdensprachen existieren, ist nicht bekannt. Am weitesten verbreitet ist die American Sign Language (ASL). Im deutschsprachigen Raum wird die DGS gebärdet, in Österreich beispielsweise die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS).

Unterschiede bestehen auch in der Verwendung des Fingeralphabets. So existieren Einhand-Zweihand-, Silben- und Ideogramm-Fingeralphabete, die international unterschiedlich verwendet werden.

4 Grammatik der DGS

Die DGS folgt ihrer eigenen Grammatik, die sich von der deutschen Regelgrammatik unterscheidet.

  • Deutsch: Subjekt - Prädikat - Objekt
  • DGS: Subjekt - Objekt - Prädikat

Beispiel: Der Satz "Ich sehe dich" würde "ich dich sehen" gebärdet werden. Zudem existiert in der DGS keine Höflichkeitsform.

5 Umgang mit Gehörlosen

5.1 Allgemein

Um die Kommunikation mit Hörgeschädigten zu erleichtern, gilt es Folgendes zu beachten:

  • gute Lichtverhältnisse
  • langsames und deutliches Sprechen (keine Überartikulation/verzerrten Mundbilder)
  • Verwendung der Hände bei der Kommunikation
  • lebhafte Mimik zur Erleichterung der Kommunikation
  • schriftliche Kommunikation möglichst einfach halten und im besten Fall grammatikalisch anpassen. Beispiel: "Seit wann haben Sie die Beschwerden?" reformulieren zu "Du Problem seit wann?".

Der Begriff taubstumm sollte aus verschiedenen Gründen vermieden werden. Erstens ist der Begriff taubstumm historisch negativ konnotiert, zweitens sind die meisten Gehörlosen nicht stumm. Stattdessen sollten die Begriffe taub oder gehörlos verwendet werden.

5.2 In klinischen Situationen mit Dolmetscher

In einer klinischen Situation vereinfacht ein Dolmetscher die Kommunikation. Hier sollte darauf geachtet werden, dass die Lichtverhältnisse gut sind und sich der Dolmetscher neben dem medizinischen Personal und gegenüber dem Patienten befindet. Er ist in diesem Kontext lediglich das Sprachmedium und unterliegt ebenfalls der Schweigepflicht. Es sollte vermieden werden, vom Patienten in der dritten Person zu sprechen oder nur den Dolmetscher anzuschauen. Generell ist es jedoch hilfreich den Patienten nach seinen Bedürfnissen direkt zu fragen und mit Zeit und Empathie ins Gespräch zu gehen.

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