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Freie Leichtkette: Unterschied zwischen den Versionen

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== Definition ==
 
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'''Freie Leichtketten''' sind [[Leichtkette]]n von [[Immunglobulin]]en, die frei im [[Blutplasma|Plasma]] vorliegen und nicht zu vollständigen Immunglobulinen verknüpft sind. Es gibt zwei Typen von freien Leichtketten, Kappa und Lambda. Eine geringe Menge freier Leichtketten ist normalerweise im Plasma nachweisbar.
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'''Freie Leichtketten''' sind [[Antikörper|Leichtketten]] von [[Immunglobulin]]en, die frei im [[Blutplasma|Plasma]] bzw. [[Blutserum|Serum]] vorliegen und nicht mit Schwerketten zu vollständigen Immunglobulinen verknüpft sind. Sie werden von [[Plasmazelle]]n produziert und ausgeschieden. Es gibt zwei Typen von freien Leichtketten, Kappa und Lambda. Eine geringe Menge freier Leichtketten ist normalerweise im Plasma/Serum nachweisbar. Freie Leichtketten können auch im Urin bestimmt werden. Dort werden sie bei verstärktem Auftreten auch als [[Bence-Jones-Protein]] bezeichnet.
  
 
== Referenzbereich ==
 
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* Kappa-Leichtketten: 3,3 - 19,4 mg/dl
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Für Messungen im Serum gelten folgende Referenzbereiche:
* Lambda-Leichtketten: 5,7 - 26,3 mg/dl
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* Kappa/Lambda-Quotient: 0,26 - 1,65
 
* Kappa/Lambda-Quotient: 0,26 - 1,65
  
 
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Die Messung der freien Leichtketten im [[Blutserum|Serum]] ist Teil der [[Labordiagnostik]] bei [[Monoklonale Gammopathie|Monoklonalen Gammopathien]]. Bei dieser Erkrankung wird ein pathologisches,  [[monoklonal]]es Immunglobulin ([[Paraprotein]]) produziert. Monoklonal bedeutet in diesem Zusammenhang, dass es sich um einen entarteten [[Klon|Zellklon]] handelt, der von einer einzelnen Ursprungszelle abstammt.
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Die Messung der freien Leichtketten im Serum ist Teil der [[Labordiagnostik]] bei [[Monoklonale Gammopathie|Monoklonalen Gammopathien]]. Zusammen mit der [[Serumeiweißelektrophorese]] und der [[Immunfixationselektrophorese]] ist sie Bestandteil der Paraproteindiagnostik des [[Multiples Myelom|Multiplen Myeloms]] und Teil der nationalen als auch internationalen hämatologischen Leitlinien.  
  
Eine Plasmazelle produziert immer nur ein bestimmtes Immunglobulin. Die Leichtkette ist entweder vom Typ Kappa oder Lambda (Isotyp-Exklusion). Die überschießende Produktion führt dazu, dass eine freie Leichtkette (Kappa oder Lambda) in höherer Konzentration auftritt. Der Quotient der erhöhten (involvierten) zur nicht erhöhten freien Leichtkette ist ein [[Marker]] der Krankheitsaktivität und geht in die sog. [[CRAB-Kriterien|SLiM-CRAB-Kriterien]] ein.
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Bei einem Multiplen Myelom (und dessen Vorläufern Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz, schwelendes Multiples Myelom sowie verwandten Erkrankungen) wird ein pathologisches,  [[monoklonal]]es [[Paraprotein]] produziert. Monoklonal bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Paraprotein von einem entarteten [[Klon|Plasmazellklon]] produziert wird, der von einer einzelnen Ursprungszelle abstammt. In 70-75% der Fälle handelt es sich bei diesem Paraprotein sowohl um freie Leichtketten als auch um intakte Immunglobuline. Unter Umständen (bei ca. 15-20% der Fälle) wird aber auch nur wenig oder gar kein intaktes Immunglobulin produziert, sondern ausschließlich freie Leichtketten. In 5-10% der Fälle lässt sich nur ein intaktes Immunglobulin als Paraprotein nachweisen. Sehr selten (1-2% der Fälle) werden weder intakte Immunglobuline noch freie Leichtketten als Paraprotein von dem Zellklon ausgeschieden. Somit entsteht nicht immer ein typischer [[M-Gradient]] in der Serumeiweißelektrophorese oder eine Bande in der Immunfixationselektrophorese. Zum Ausschluß einer monoklonalen Gammopathie muss deshalb bei klinischem Verdacht immer die Bestimmung der freien Leichtketten im Serum zusammen mit den elektrophoretischen Methoden durchgeführt werden.  
  
Da IgG-Kappa und IgG-Lambda normalerweise in einem Verhältnis von etwa 60 zu 40 gebildet werden, liegt der Kappa/Lambda-Quotient bei 1 bis 1,5. Eine Erhöhung beider Typen von freien Leichtketten ohne Verschiebung des Kappa/Lambda-Quotienten ist kein Hinweis auf ein monoklonales Immunglobulin. Dies kann zum Beispiel bei [[Niereninsuffizienz]] auftreten, wenn die Ausscheidung der freien Leichtketten vermindert ist.
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Zu beachten ist, dass eine Plasmazelle immer nur ein bestimmtes Immunglobulin produziert. Deshalb ist der Leichtketten-Typ einer Zelle bzw. eines Klons entweder vom Typ Kappa oder Lambda aber nie von beiden (Isotyp-Exklusion).  
  
In seltenen Fällen wird bei einem [[Multiples Myelom|Multiplen Myelom]] wenig oder gar kein intaktes Immunglobulin produziert, sondern nur freie Leichtketten. Somit entsteht kein typischer [[M-Gradient]] in der [[Serumeiweißelektrophorese]]. Zum Ausschluß einer monoklonalen Gammopathie kann deshalb bei hochgradigem klinischem Verdacht die Bestimmung der freien Leichtketten im Serum auch bei unauffälliger Serumeiweißelektrophorese und [[Immunelektrophorese]] sinnvoll sein.
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== Ergebnisdarstellung ==
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Bei einem Patienten ohne Monoklonale Gammopathie und gesunder Nierenfunktion liegt Kappa zu Lambda im Serum etwa im Verhältnis 1 zu 2 vor. Für den Kappa/Lambda-Quotienten ergibt soch somit bei Patienten ohne eine Monoklonale Gammopathie ein Referenzbereich von 0,26 - 1,65. Bei einer Monoklonalen Gammopathie liegt in der Regel eine der freien Leichtketten in höherer Konzentration vor. Durch die Bildung des Quotienten Kappa/Lambda erhält man einen [[Marker]] für die Klonalität der Erkrankung. Bei einer Erhöhung des Quotienten handelt es sich um eine Beteiligung der freien Leichtkette Kappa, wobei es sich bei einer Erniedrigung des Quotienten hingegen um eine Beteiligung der freien Leichtkette Lambda handelt. Die erhöhte freie Leichtkette wird als "involviert" bezeichnet, wohingegen man die normal konzentrierte oder ggf. erniedrigte freie Leichtkette "nicht involviert" nennt. Eine Erhöhung beider Typen von freien Leichtketten ohne Verschiebung des Kappa/Lambda-Quotienten ist kein Hinweis auf eine Monoklonale Gammopathie. Dies kann zum Beispiel bei einer [[Niereninsuffizienz]] auftreten, wenn die Ausscheidung der freien Leichtketten in den Urin vermindert ist und dadurch die Konzentration im Serum gleichmäßig ansteigt.
  
Freie Leichtketten können auch im Urin bestimmt werden. Dort werden sie bei verstärktem Auftreten auch als [[Bence-Jones-Protein]] bezeichnet.
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Ein Grenzwert des Quotienten aus involvierter/nicht-involvierter freier Leichtkette von ≥ 100 ist Bestandteil der sog. [[CRAB-Kriterien|SLiM-CRAB-Kriterien]]. Zusammen mit dem Nachweis von mindestens 10% klonaler Plasmazellen im Knochenmark ist er ein Kriterium zur Diagnosestellung eines Multiplen Myeloms.
  
== Ergebnisdarstellung ==
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Eine weitere Variante, die freien Leichtketten zu beurteilen, ist eine Differenzbildung. Hierbei wird von der Konzentration der involvierten freien Leichtkette die Konzentration der nicht involvierten freien Leichtkette abgezogen. Diese Berechnung wird weniger stark von Schwankungen der nicht involvierten, "normalen" freien Leichtkette beeinflusst, als der Quotient. Das Ergebnis wird als dFLC bezeichnet und wird für die Beurteilung des Therapie-Ansprechens verwendet.  
Das Verhältnis der freien Leichtketten wird auch als Kappa/Lambda-Quotient bezeichnet und berechnet. Wenn die erhöhte Leichtkette vom Typ Lambda ist, führt das allerdings zu einem Dezimalbruch. Dies kann vermieden werden, wenn der Quotient "erhöhte durch nicht erhöhte Leichtkette" berechnet wird. Dieser gilt bei einem Wert >100 als "positiv".
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Eine weitere Variante, die freien Leichtketten zu beurteilen, ist eine Differenzbildung. Hierbei wird von der Konzentration der erhöhten Leichtkette die Konzentration der nicht erhöhten Leichtkette abgezogen. Diese Berechnung wird weniger stark von Schwankungen der nicht involvierten, "normalen" freien Leichtkette beeinflusst, als der Quotient. Das Ergebnis wird als dFLC bezeichnet.
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Die besondere Bedeutung der freien Leichtketten liegt in ihrer kurzen Halbwertszeit im Serum von 2-6 Stunden. Im Vergleich dazu liegt die Halbwertszeit bei intakten Immunglobulinen bei mehreren Tagen bis Wochen (abhängig vom Typ). Die Tumorproduktion sowie das Ansprechen auf eine Therapie kann somit durch die freien Leichtketten umgehend kontrolliert werden.
 
[[Fachgebiet:Hämatologie]]
 
[[Fachgebiet:Hämatologie]]
 
[[Fachgebiet:Labormedizin]]
 
[[Fachgebiet:Labormedizin]]

Version vom 15. Januar 2018, 17:11 Uhr

Synonym: Kappa/Lambda-Quotient
Englisch: free light chains, FLC, serum free light chain assay, SFLCA, kappa/lambda ratio

1 Definition

Freie Leichtketten sind Leichtketten von Immunglobulinen, die frei im Plasma bzw. Serum vorliegen und nicht mit Schwerketten zu vollständigen Immunglobulinen verknüpft sind. Sie werden von Plasmazellen produziert und ausgeschieden. Es gibt zwei Typen von freien Leichtketten, Kappa und Lambda. Eine geringe Menge freier Leichtketten ist normalerweise im Plasma/Serum nachweisbar. Freie Leichtketten können auch im Urin bestimmt werden. Dort werden sie bei verstärktem Auftreten auch als Bence-Jones-Protein bezeichnet.

2 Referenzbereich

Für Messungen im Serum gelten folgende Referenzbereiche:

  • Kappa-Leichtketten: 3,3 - 19,4 mg/l
  • Lambda-Leichtketten: 5,7 - 26,3 mg/l
  • Kappa/Lambda-Quotient: 0,26 - 1,65

3 Bedeutung

Die Messung der freien Leichtketten im Serum ist Teil der Labordiagnostik bei Monoklonalen Gammopathien. Zusammen mit der Serumeiweißelektrophorese und der Immunfixationselektrophorese ist sie Bestandteil der Paraproteindiagnostik des Multiplen Myeloms und Teil der nationalen als auch internationalen hämatologischen Leitlinien.

Bei einem Multiplen Myelom (und dessen Vorläufern Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz, schwelendes Multiples Myelom sowie verwandten Erkrankungen) wird ein pathologisches, monoklonales Paraprotein produziert. Monoklonal bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Paraprotein von einem entarteten Plasmazellklon produziert wird, der von einer einzelnen Ursprungszelle abstammt. In 70-75% der Fälle handelt es sich bei diesem Paraprotein sowohl um freie Leichtketten als auch um intakte Immunglobuline. Unter Umständen (bei ca. 15-20% der Fälle) wird aber auch nur wenig oder gar kein intaktes Immunglobulin produziert, sondern ausschließlich freie Leichtketten. In 5-10% der Fälle lässt sich nur ein intaktes Immunglobulin als Paraprotein nachweisen. Sehr selten (1-2% der Fälle) werden weder intakte Immunglobuline noch freie Leichtketten als Paraprotein von dem Zellklon ausgeschieden. Somit entsteht nicht immer ein typischer M-Gradient in der Serumeiweißelektrophorese oder eine Bande in der Immunfixationselektrophorese. Zum Ausschluß einer monoklonalen Gammopathie muss deshalb bei klinischem Verdacht immer die Bestimmung der freien Leichtketten im Serum zusammen mit den elektrophoretischen Methoden durchgeführt werden.

Zu beachten ist, dass eine Plasmazelle immer nur ein bestimmtes Immunglobulin produziert. Deshalb ist der Leichtketten-Typ einer Zelle bzw. eines Klons entweder vom Typ Kappa oder Lambda aber nie von beiden (Isotyp-Exklusion).

4 Ergebnisdarstellung

Bei einem Patienten ohne Monoklonale Gammopathie und gesunder Nierenfunktion liegt Kappa zu Lambda im Serum etwa im Verhältnis 1 zu 2 vor. Für den Kappa/Lambda-Quotienten ergibt soch somit bei Patienten ohne eine Monoklonale Gammopathie ein Referenzbereich von 0,26 - 1,65. Bei einer Monoklonalen Gammopathie liegt in der Regel eine der freien Leichtketten in höherer Konzentration vor. Durch die Bildung des Quotienten Kappa/Lambda erhält man einen Marker für die Klonalität der Erkrankung. Bei einer Erhöhung des Quotienten handelt es sich um eine Beteiligung der freien Leichtkette Kappa, wobei es sich bei einer Erniedrigung des Quotienten hingegen um eine Beteiligung der freien Leichtkette Lambda handelt. Die erhöhte freie Leichtkette wird als "involviert" bezeichnet, wohingegen man die normal konzentrierte oder ggf. erniedrigte freie Leichtkette "nicht involviert" nennt. Eine Erhöhung beider Typen von freien Leichtketten ohne Verschiebung des Kappa/Lambda-Quotienten ist kein Hinweis auf eine Monoklonale Gammopathie. Dies kann zum Beispiel bei einer Niereninsuffizienz auftreten, wenn die Ausscheidung der freien Leichtketten in den Urin vermindert ist und dadurch die Konzentration im Serum gleichmäßig ansteigt.

Ein Grenzwert des Quotienten aus involvierter/nicht-involvierter freier Leichtkette von ≥ 100 ist Bestandteil der sog. SLiM-CRAB-Kriterien. Zusammen mit dem Nachweis von mindestens 10% klonaler Plasmazellen im Knochenmark ist er ein Kriterium zur Diagnosestellung eines Multiplen Myeloms.

Eine weitere Variante, die freien Leichtketten zu beurteilen, ist eine Differenzbildung. Hierbei wird von der Konzentration der involvierten freien Leichtkette die Konzentration der nicht involvierten freien Leichtkette abgezogen. Diese Berechnung wird weniger stark von Schwankungen der nicht involvierten, "normalen" freien Leichtkette beeinflusst, als der Quotient. Das Ergebnis wird als dFLC bezeichnet und wird für die Beurteilung des Therapie-Ansprechens verwendet.

Die besondere Bedeutung der freien Leichtketten liegt in ihrer kurzen Halbwertszeit im Serum von 2-6 Stunden. Im Vergleich dazu liegt die Halbwertszeit bei intakten Immunglobulinen bei mehreren Tagen bis Wochen (abhängig vom Typ). Die Tumorproduktion sowie das Ansprechen auf eine Therapie kann somit durch die freien Leichtketten umgehend kontrolliert werden.

Diese Seite wurde zuletzt am 15. Januar 2018 um 17:11 Uhr bearbeitet.

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