FlexiEssay: Die Kontroverse um die Interpretation von Qi

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In der [[Traditionellen Chinesischen Medizin]] (TCM) und ihren einzelnen Disziplinen, wie z.B. der [[Akupunktur]] oder dem [[Tai Chi Chuan]], trifft man immer wieder auf den Begriff des [[Qi]] (Pin-Yin: Qì). Landläufig wird Qi als "Lebensenergie" erklärt, die Körper und Universum durchfließt.
 
In der [[Traditionellen Chinesischen Medizin]] (TCM) und ihren einzelnen Disziplinen, wie z.B. der [[Akupunktur]] oder dem [[Tai Chi Chuan]], trifft man immer wieder auf den Begriff des [[Qi]] (Pin-Yin: Qì). Landläufig wird Qi als "Lebensenergie" erklärt, die Körper und Universum durchfließt.
  

Version vom 16. Oktober 2013, 11:56 Uhr

Vorlage:Flexiessay

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und ihren einzelnen Disziplinen, wie z.B. der Akupunktur oder dem Tai Chi Chuan, trifft man immer wieder auf den Begriff des Qi (Pin-Yin: Qì). Landläufig wird Qi als "Lebensenergie" erklärt, die Körper und Universum durchfließt.

Es wird jedoch sehr kontrovers diskutiert, was eigentlich unter Qi zu verstehen ist. Eigentlich bedeutet der Begriff wörtlich übersetzt nur "Gas", "Luft" oder "Atem". So kann man Qi Gong beispielsweise korrekt mit "Atemarbeit" übersetzten, ohne an irgendwelche vitalistischen Energien zu denken.

Experten für (chinesische) Medizingeschichte wie Prof. Unschuld gehen davon aus, dass die heutige Interpretation, dass Qi eine Lebensenergie sei, die noch dazu in Meridianen fließen soll, eine Fehlinterpretation und Erfindung des Westens ist, die erst im letzten Jahrhundert in Europa entstand. Diese Fehlinterpretation wurde jedoch rückwirkend auch teilweise in China akzeptiert, um die Traditionelle Chinesische Medizin im Westen besser zu vermarkten zu können.

Tatsächlich wurde als Qi der feinstoffliche Fluss im Körper in einem ganz naturwissenschaftlichen Sinn bezeichnet. Man fragte sich im alten China, wo z.B. die eingeatmete Luft durch den Körper geht. Das hat nichts mit Meridianen zu tun, sondern man postulierte einfach einen feinstofflichen Kreislauf mit unbekannten Komponenten. Nach dieser Interpretation geht es bei Qi vor allem um Blut, Blutgase wie Sauerstoff oder Kohlendioxid usw.

Es gibt also Anhaltspunkte, dass das pseudovitalistische Konzept der Lebensenergie garnicht zur ursprünglichen TCM gehört. Somit wäre die Traditionelle Chinesische Medizin (die in China eigentlich nur "Chinesische Medizin" heißt) ein Stück näher an der Realität, als sich einige moderne Mystiker wünschen.

Die Westlich Medizin ging seit ihrer Entstehung durch viele Irrtümer und magische Konzepte. Man kann nicht erwarten, dass die TCM frei von solchen Konzepten ist. Doch statt sich über alles zu beschweren, was an der TCM nicht naturwissenschaftlich ist, wäre es doch wünschenswert, wenn wir im Westen mal unsere eigenen modernen Wissenschaftsmythen unter die Lupe nehmen. Meiner Ansicht nach, kann man in der TCM vieles finden, was wertvoll und wirksam ist und dies mit naturwissenschaftlichen Mitteln erforschen. Doch selbstgemachte Mythen in die TCM hineinzuinterpretieren ist auf diesem Weg sicherlich genau so hinderlich, wie überholte, sowie pseudomagische Konzepte zu verteidigen.


1 Literatur

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