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Fingerhut: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Pflanze enthält in allen Teilen verschiedene [[Herzglykosid]]e. ''Digitalis purpurea'' wird zur Gewinnung von [[Digitoxin]] angebaut. Weiterhin sind [[Saponin]]e enthalten.
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Die Pflanze enthält in allen Teilen verschiedene [[Herzglykosid]]e ([[Cardenolid]]e). ''Digitalis purpurea'' wird zur Gewinnung von [[Digitoxin]] angebaut. Weiterhin sind [[Saponin]]e enthalten.
  
 
===Pharmakodynamik===
 
===Pharmakodynamik===

Aktuelle Version vom 15. April 2019, 15:48 Uhr

Botanische Bezeichnung: Digitalis purpurea
Englisch: foxglove, digitalis

1 Definition

Der Rote Fingerhut ist eine Gift- und Arzneipflanze aus der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae) und zählt zur Gattung Digitalis. Früher wurde er den Braunwurzgewächsen (Scrophulariaceae) zugeordnet.

2 Eigenschaften

Es handelt sich um eine bis zu 2 m große, krautige, zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr bildet die Pflanze lediglich eine am Boden liegende Blattrosette aus. Im zweiten Jahr bildet sie dann die bekannten Blütenstände aus. Die purpurrote Blüte erinnert an die Form eines Fingerhutes aus dem Nähhandwerk (Name!). Die Blüten sitzen in einer einseitswendigen Traube und erscheinen zwischen Juni und August.

3 Pharmazeutische Droge

  • Digitalisblätter, Folia Digitalis purpureae
  • Eingestelltes Digitalispulver, Digitalis purpureae pulvis normatus

4 Inhaltsstoffe

Die Pflanze enthält in allen Teilen verschiedene Herzglykoside (Cardenolide). Digitalis purpurea wird zur Gewinnung von Digitoxin angebaut. Weiterhin sind Saponine enthalten.

4.1 Pharmakodynamik

Der Wirkmechanismus beruht auf einer Hemmung der Natrium-Kalium-ATPase durch die Herzglykoside. Daraus resultiert eine intrazelluläre Anreicherung von Kalziumionen. Folgen sind:

Die Empfindlichkeit für Herzglykoside ist individuell variabel.

5 Indikationen

Die Anwendung von der Droge ist weitestgehend obsolet, in der Regel wird auf reine Digitalisglykoside zurückgegriffen, da diese als Reinsubstanzen besser zu dosieren sind. Indikationsgebiete für Digitalisblätter sind:

6 Kontraindikationen

Die Anwendung darf nicht erfolgen bei:

7 Toxikologie

Bereits 300 mg der getrockneten Blätter können bei Erwachsenen zu Symptomen führen.

7.1 Symptome

Symptome der Intoxikation (Vergiftung) bei peroraler Aufnahme sind anfängliche Appetitlosigkeit, Übelkeit, Emesis, im weiteren Verlauf Diarrhoe (Durchfall), Sehstörungen mit Mydriasis (geweitete Pupillen) und Gelbsehen, Halluzinationen, Delir und Herzrhythmusstörungen (z.B. Sinusbradykardie, AV-Block, ventrikuläre Tachykardie). Eine anfängliche Hypertonie mit Tachykardie (Herzrasen) schlägt in Hypotonie und Bradykardie (verlangsamter Herzschlag) um. Der Tod kann durch Herzstillstand eintreten.

7.2 Maßnahmen

Resorptionsvermindernde Maßnahmen (Aktivkohle, Natriumsulfat) sowie Colestyramin. Bei einer Intoxikation ist EKG-Kontrolle unablässig. Gegebenenfalls wird Lidocain zu initial 50 bis 100 mg, dann zu 1000 mg/Tag intravenös appliziert. Bei Kammerflimmern ist Defibrillation indiziert. Bei Bradykardie kann auf Atropin zurückgegriffen werden.

8 Literatur

  • Roth et al.: Giftpflanzen - Pflanzengifte, Nikol Verlag, Karlsruhe/ München, 2008.

Fachgebiete: Biologie, Pharmakologie

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