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Endometriumkarzinom

Version vom 9. Juli 2015, 23:07 Uhr von Christoph Schäfer (Diskussion | Beiträge)

Englisch: endometrial carcinoma

1 Definition

Das Endometriumkarzinom ist ein bösartiger, von der inneren Schleimhautschicht der Uterus ausgehender Tumor der Gebärmutter. Es ist die häufigste maligne Erkrankung des Genitaltraktes bei der Frau.

2 Inzidenz und Manifestationsalter

Die Inzidenz beträgt 24,7/100.000 Frauen pro Jahr.

Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 68 Jahren, der Altersgipfel zwischen 65 und 70 Jahren, das mediale Sterbealter bei 73 Jahren.

3 Risikofaktoren

Endogene Risikofaktoren sind:

Exogene Risikofaktoren sind:

Protektiv wirken:

  • Multipara
  • Orale Kontrazeption
  • Rauchen
  • Soja-reiche Ernährung

4 Histologie

Histologisch handelt es sich in 85 % der Fälle um Adenokarzinome der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium). Seltene Typen sind z. B. seröse und klarzellige Adenokarzinome oder Plattenepithelkarzinome.

5 Einteilung

Endometriumkarzinom können in zwei Typen eingeteilt werden:

  • Das östrogenabhängige Endometriumkarzinom
  • Das östrogenunabhängige Endometriumkarzinom

6 Wachstum und Ausbreitung

Meist geht das Endometriumkarzinom vom Fundus uteri aus. Man unterscheidet ein exophytäres Wachstum von einem endophytären Wachstum.

Beim exophytären Wachstum wächst der Tumor in Richtung Uteruslumen.

Beim endophytären Wachstum wächst der Tumor in die Uterusmuskulatur hinein.

Ist der Tumor im unteren Korpus lokalisiert, so kann er in die Zervix einwachsen und so das Lumen verschließen. Es kann somit zu einer blutgefüllten Hämatometra oder einer infizierten Pyometra kommen.

In 10% der Fälle kommt es zu einem kontinuierlichen Wachstum in die Zervix, in weiteren 10% werden die Uterusgrenzen überschritten. Eine kontinuierliche Ausbreitung ist außerdem in die Parametrien, die Vagina und pelvinen Lymphknoten möglich.

Eine hämatogene Streuung erfolgt in etwa 5% in Lunge, Leber oder Knochen.

7 Stadieneinteilung

Bei gynäkologischen Tumoren gibt es neben der TNM-Klassifikation auch noch die FIGO-Klassifikation.

In beiden Klassifikationen unterscheidet man vier Stadien, T1 bis T4 bzw. I bis IV. In jedem Stadium gibt es Untereinteilungen, die die Eindringtiefe ins Gewebe beschreiben.

Im Stadium T1 und I beschränkt sich der Tumor auf das Corpus uteri.

Im Stadium T2 und II infiltriert der Tumor die Zervix uteri.

Im Stadium T3 und III ist bereits eine lokale Ausbreitung über den Uterus hinaus erfolgt.

Im Stadium T4 und IV ist die Ausbreitung bereits über das kleine Becken erfolgt bzw. in angrenzende Organe (Harnblase, Darm) eingebrochen.

8 Symptome

Das wichtigste Symptom ist die Blutung. Menorrhagien und Metrorrhagien in der Prämenopause sowie jede Blutung in der Postmenopause sind verdächtig auf ein Endometriumkarzinom.

In der frühen Postmenopause ist im Falle einer Blutung in 5% der Fälle, in der späten Postmenopause in 50% der Fälle mit einem Endometriumkarzinom zu rechnen.

Jedes fünfte Karzinom ist symptomlos und wird zufällig bei Eingriffen aus anderen Indikationen entdeckt.

In fortgeschritteneren Stadien weisen uteriner Fluor und Schmerzen auf eine Pyo- oder Hämatometra hin.

9 Diagnostik

Zur Abklärung sind folgende Untersuchungen notwendig:

  • Gynäkologische Untersuchung zur Abklärung, ob die Blutung aus dem Uterus kommt
  • Transvaginale Sonographie zur Beurteilung des Endometriums und zum Ausschluss weiterer pathologischer Prozesse im Bereich des kleinen Beckens
  • Fraktionierte Abrasio
  • Ggf. zusätzlich Hysteroskopie
  • In unklaren Fällen, in denen die oben genannten Untersuchungen nicht zur Klärung verholfen haben, MRT des Beckens mit Kontrastmittel.

10 Therapie

Es stehen zwei Therapiekonzepte im Vordergrund:

  • operative Behandlung und Nachbestrahlung
  • primäre Bestrahlung

Grundsätzlich ist die operative Behandlung der Strahlenbehandlung vorzuziehen, da sie bessere Ergebnisse erzielt. Kann eine Patientin aber aufgrund von Kontraindikationen nicht operiert werden, so ist sie die geeignete Patientin für eine primäre Strahlentherapie.

Bei der Operation erfolgt eine Hysterektomie. Außerdem werden die Adnexen mit entfernt. Je nach Tumorstadium müssen auch Lymphknoten entfernt werden.

Die postoperative perkutane Bestrahlung ist nur von Bedeutung wenn retroperitoneale Lymphknoten mitbefallen sind.

11 Prognose

Die Heilungsrate ist gleichzusetzen mit der 5-Jahres-Überlebensrate: Diese ist abhängig vom Stadium:

  • Stadium I: 85%
  • Stadium II: 70%
  • Stadium IV: 50%
  • Stadium IV: 20%

Fachgebiete: Gynäkologie

Diese Seite wurde zuletzt am 9. Juli 2015 um 23:07 Uhr bearbeitet.

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