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Elektronystagmographie

Version vom 31. Juli 2008, 22:44 Uhr von Dr. Benjamin Abels (Diskussion | Beiträge)

Synonym: Nystagmographie
Englisch: Electronystagmography

1 Definition

Als Elektronystagmographie, kurz ENG, bezeichnet man ein in der HNO-Heilkunde angewandtes Untersuchungsverfahren zur Überprüfung schneller Augenbewegungen mit Hilfe von aufgeklebten Elektroden.

Die ENG wird zur objektive Beurteilung des okulomotorischen und vestibulären Systems bei Patienten mit Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen eingesetzt. Sie ist der am weitesten verbreitete klinische Test um die Gleichgewichtsfunktion zu prüfen.

2 Prinzip

Das menschliche Gleichgewichtssystem registriert ununterbrochen die räumliche Position und sämtliche Bewegungen von Körper und Körperteilen. Die Rauminformationen sind u.a. nötig um die Augenbewegungen zu koordinieren. So werden bei Veränderung der Raumlage die Augen stabil gehalten und ein ungestörtes Sehen ermöglicht. Für das Gleichgewicht und das Sehen ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Prozesse im vestibulären und visuellen System, sowie von Afferenzen aus dem Rückenmark und die Hirnstammreflexe (v.a. vestibulookulärer Reflex) notwendig. Viele diese Funktionen können im ENG getestet werden.

Zur ENG Untersuchung gehören also:

  • Prüfung der Augenbewegungen: Patient soll z.B. mit seinen Augen bewegende Objekte verfolgen, die Bewegungen werden dabei dokumentiert (korrekte Funktion der Augenmuskeln/-nerven an sich ist dabei vorausgesetzt)
  • Prüfung der Reaktion des Gleichgewichtssystems auf Lage/Lagerung
  • Prüfung der Reaktion des Gleichgewichtsystems auf kalorische Reizung

Fehlfunktionen äußern sich als pathologischer Nystagmus.

Moderne ENG Systeme sind computgesteuert: von der Reiz-Erzeugung, Registrieren der Antwort über Elektroden bis hin zur automatischen Auswertung.

3 Anmerkungen

Zur Durchführbarkeit eines ENGs gehört es, dass der Patient über ein ausreichendes Sehvermögen verfügt, und natürlich zuerst gründlich anamnestiziert und aufgeklärt bzw. angeleitet wird. Mögliche unerwünschte Wirkungen, die beim ENG auftreten können, sind Schwindel und Übelkeit.

Eine genaue Lokalisation von Läsionen im Gleichgewichtssystem ist mit der ENG alleine nicht möglich. Sie kann allerdings wichtige zusätzliche Erkenntnisse zu Krankengeschichte und der vom Patienten beschriebenen Symptomatik liefern und somit ggf. eine Diagnose ermöglichen. Ein Vergleich einzelner Test-Komponenten (z.B. kalorischer Nystagmus und Lagerungsnystagmus) kann auf die Lokalisation der Funktionsstörung hinweisen(periphere Gleichgewichtsstörunge vs. zentrale Gleichgewichtsstörung).

Ein normales ENG schließt das Vorhandensein einer Störung des Vestibularsystems nicht aus. Durch bestimmte Medikamente kann das Testergebnis beeinträchtigt werden.

Als Alternative zur Elektronystagmographie (Registrierung der Augenbewegung mit Hilfe von Elektroden) wird auch die Videonystagmographie (VNG, Registrierung der Augenbewehungen mit einer Infrarot-Kamera) zunehmend beliebter.

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