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Dialektisch-behaviorale Therapie

Version vom 14. Dezember 2017, 20:06 Uhr von Herbert Mey (Diskussion | Beiträge)

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Synonym: dialektische Verhaltenstherapie

1 Definition

Unter der dialektisch-behavioralen Therapie, kurz DBT, versteht man eine Form der kognitiven Verhaltenstherapie, die störungsspezifisch bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung angewandt wird und viele therapeutische Methoden vereint. Sie baut auf einer dialektischen Betrachtungsweise auf. Dies bedeutet, dass gegensätzliche Problemfelder bzw. Standpunkte erkannt, angenommen und dadurch ein Gleichgewicht zwischen ihnen entwickelt werden soll.

2 Geschichte

Die dialektisch-behaviorale Therapie wurde in den neunziger Jahren von Marsha M. Linehan zur Therapie chronisch suizidaler Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt.

3 Anwendungsgebiete

4 Elemente der Therapie

Die DBT beinhaltet die Bausteine Einzeltherapie, Gruppentherapie, Telefonberatung, Supervision und Pharmakotherapie.

4.1 Einzeltherapie

Im Rahmen der Einzeltherapie werden individuelle Probleme thematisiert. Des Weiteren ist der Patient dazu angehalten, Tagebuch über seine inneren Spannungszustände, deren Folgen, die eingeleiteten Gegenmaßnahmen und deren Erfolg zu führen. Als Grundlage der Therapie wird ein Therapievertrag geschlossen, der den typischen Verhaltensweisen der Borderline-Persönlichkeitsstörung wie Handeln aus dem Affekt und Agieren entgegenwirken soll. In dieser Vereinbarung verpflichtet sich der Patient, sich den besprochenen Regeln gemäß zu verhalten und an der Therapie teilzunehmen, der Therapeut im Gegenzug dazu, bestmögliche Hilfe zu leisten.

4.2 Gruppentherapie

In der Gruppentherapie findet das Fertigkeitentrainig in fünf Modulen statt. Die Module der DBT sind:

  • Innere Achtsamkeit: Erlernen der Fertigkeit die eigenen Empfindungen wahrzunehmen und zu beschreiben was ist bzw. geschieht.
  • Stresstoleranz: Fertigkeiten (Skills) anwenden, die ermöglichen, eine schwierige Situation auszuhalten, die innere Anspannung abzubauen und die Realität so anzunehmen wie sie ist.
  • Umgang mit Gefühlen: Beobachten, beschreiben und verstehen von Gefühlen mit dem Ziel der Emotionsregulation.
  • Zwischenmenschliche Fertigkeiten: Die Fertigkeit, Beziehungen aufzubauen und zu pflegen soll erlernt werden. Die Intentionen des Kontakts zu hinterfragen und die eigenen Wünsche im Sinne einer Freundschaft zurückzustellen.
  • Selbstwert: Lernen, sich selbst etwas Gutes zu tun und positive Gedanken über sich selbst zuzulassen.

Die Module werden in der Regel in verschiedenen Gruppen vollzogen:

  • Bezugsgruppe: Reine Patientengruppe, keine Anwesenheit von Personal, entsprechend DBT-Gruppenregeln. Hier finden Austausch über Skills, Verhaltensanalysen und "Hausaufgaben" statt. Die Lösung von Alltagsproblemen oder Wochenendbeurlaubungen werden geplant.
  • Basisgruppe: Hier finden im Sinne der Psychoedukation Themen wie Symptomatik, Affektregulation, Dissoziation, Schwierigkeiten mit der Interaktion, ätiologische Modelle, Pharmakotherapie/Psychotherapie Platz.
  • Skillsgruppe: Gemeinsam mit Skillstrainer(n) werden hier in der Patientengruppe gemeinsam neue Skills aus allen Bereichen erarbeitet und ihre Anwendung überprüft.
  • Achtsamkeitsgruppe: Übungen zur Achtsamkeit können hier in ihren verschiedenen Spielarten in der Gruppe eingeübt werden. Abhängig von der Gruppendynamik und aktuellen Themen der Station kann die Therapie einen aktivierenden oder beruhigenden Charakter haben.

4.3 Pharmakotherapie

Die Anwendung von Psychopharmaka hat in der Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörungen keinen großen Stellenwert. In Einzelfällen werden Neuroleptika, Antidepressiva oder Tranquilizer angewandt, um den Patienten den Eintritt in die Therapie zu erleichtern und Krisen abzufedern.

4.4 Vorgehen

Die Therapie gliedert sich in zwei Stadien:

  1. Erlernen von Selbstkontrolle: Der Patient lernt, seine eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu kontrollieren, riskantes Verhalten durch Anwendung von erlernten Fertigkeiten zu vermeiden und so Verantwortung für sich zu übernehmen.
  2. Verringerung von emotionalem Leiden: Traumabearbeitung, soziales Kompetenztraining, Abbau von Vermeidungsverhalten, Aufbau einer positiveren Einstellung zu sich selbst etc.

4.5 Status

Nach einigen kontrolliert randomisierten Studien ist die DBT als "State of Art"-Therapie anerkannt und wird in den S2-Leitlinien zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung als Therapie der Wahl eingestuft.

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