Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Coprinus-Syndrom: Unterschied zwischen den Versionen

(Verursachende Pilze)
Zeile 1: Zeile 1:
==Beschreibung==
+
==Definition==
 +
Das '''Coprinus-Syndrom''' ist eine bizarre Form der Pilzvergiftung, die nicht durch den Verzehr von Giftpilzen, sondern durch die Kombination aus bestimmten essbaren Pilzen und dem Genuss von [[Alkohol]] ausgelöst wird. Das Coprinus-Syndrom ist eine relativ harmlose Pilzvergiftung, schwere Spätfolgen oder gar Todesfälle wurden bisher nicht bekannt.
  
Beim '''Coprinus-Syndrom''' handelt es sich um eine besonders bizarre Form der Pilzvergiftung, denn es wird nicht durch den Verzehr von Giftpilzen ausgelöst. Vielmehr ist es die Kombination aus bestimmten essbaren Pilzen und dem Genuss von Alkohol, der hier diese Vergiftungserscheinungen auslöst. Das Coprinus-Syndrom ist eine relativ harmlose Pilzvergiftung, schwere Spätfolgen oder gar Todesfälle wurden bisher nicht bekannt.
+
==Ätiologie==
 +
Die Unverträglichkeitserscheinungen im Zusammenhang mit Alkohol werden durch eine chemische Substanz mit dem Trivialnamen [[Coprin]] hervorgerufen. Durch Erhitzen, also bei der Zubereitung, zerfällt Coprin in [[Glutaminsäure]] und [[1-Aminocyclopropanol]]. Letzteres hemmt das Enzym [[Aldehyddehydrogenase|Acetaldehyd-Dehydrogenase]], welches am Abbau von [[Ethanol]] beteiligt ist. Folglich kommt es zur Akkumulation von [[Acetaldehyd]] und zu entsprechenden Symptomen.  
  
==Verursachende Pilze==
+
Coprin findet sich in den Pilzen Faltentintling (Coprinus atramentarius) und Glimmertintling, vermutlich auch im Keulenfüßigen Trichterling (Clitocybe clavipes) und im Ochsen-Röhrling (Boletus torosus), wobei letztere beiden keinen Speisewert besitzen.
 
+
* Faltentintling (Coprinus atramentarius)
+
* Glimmertintling
+
* Keulenfüßiger Trichterling (Clitocybe clavipes)
+
* Ochsen-Röhrling (Boletus torosus)
+
 
+
Beim drei Ersten ist die Anwesenheit des Giftes [[Coprin]] zweifelsfrei geklärt, bei den beiden anderen genannten Pilzsorten besteht der klare Verdacht, nur der letzte Nachweis fehlt noch.
+
Ohne Alkohol definitiv essbar sind allerdings nur der Faltentintling und der Glimmertintling.
+
Die anderen Pilze besitzen keinen Speisewert, der Netzstielige Hexenröhrling ist dazu noch roh giftig!
+
 
+
==Relevanter Giftstoff==
+
 
+
Die Unverträglichkeitserscheinungen im Zusammenhang mit Alkohol werden durch eine chemische Substanz mit dem Trivialnamen [[Coprin]] hervorgerufen. Durch Erhitzen, also bei der Zubereitung, zerfällt Coprin in [[Glutaminsäure]] und [[1-Aminocyclopropanol]]. Letzteres ist  für die Wirkungen verantwortlich.
+
 
+
==Latenzzeit==
+
 
+
Lediglich wenige Minuten. Häufig beginnen die Krankheitsanzeichen bereits während der Mahlzeit.
+
  
 
== Symptome==
 
== Symptome==
 
+
Nach einer [[Latenz]]zeit von wenigen Minuten, meist während der Mahlzeit, zeigen sich folgende Symptome:
* starkes Herzrasen
+
* [[Tachykardie]]
* Blutdruckanstieg
+
* [[Hypertonie]]
 
* Schweißausbrüche
 
* Schweißausbrüche
* Kreislaufstörungen
+
* [[Kreislaufstörung]]en
*Gesichtsrötung
+
* Gesichtsrötung ([[Flush]])
* die Körperhaut bekommt eine lila Farbe, während Gesicht (wie erwähnt) rot wird, nur Ohrläppchen und Nasenspitze bleiben weiß
+
  
Diese Symptome entstehen nur bei dem gleichzeitigen Genuss der Pilze mit Alkohol. Nimmt man sich den Verzehr dieser Pilze konkret vor, sollte man aus Sicherheitsgründen 3 Tage vorher keinen Alkohol mehr konsumieren. Ohne Alkohol sind Faltentintling und Glimmertintling ohne Bedenken essbar. Auch bis zu 3 Tage nach der Pilzmahlzeit sollte Alkohol unbedingt gemieden werden, da es ansonsten immer wieder zu solchen Symptomschüben kommen kann. Diese dauern in der Regel nur ein paar Stunden und klingen dann wieder ohne weiter therapeutische Maßnahmen ab.
+
Diese Symptome entstehen nur bei dem gleichzeitigen Genuss der Pilze mit Alkohol. Entsprechend sollte jeweils drei Tage vor und nach dem Pilzverzehr kein Alkohol konsumiert werden.  
  
 
==Diagnose==
 
==Diagnose==
 
+
Die Diagnose ergibt sich aus der typischen Symptomatik. Weitere Untersuchungen sind in der Regel nicht notwendig.
Die Diagnose ergibt sich aus der Symptomatik, die in dieser Form einzigartig in der Medizin ist. Weitere Untersuchungen sind in der Regel nicht notwendig.
+
  
 
==Therapie==
 
==Therapie==
 
+
Die Symptome halten in der Regel nur wenige Stunden an und verlaufen selbstlimitierend.
Auf Grund der Harmlosigkeit und der raschen Genesung der Betroffenen ist hier grundsätzlich keine weitere Therapie nötig. Das Coprinus-Syndrom kann äußerst unangenehm und quälend sein, gefährlich ist es aber nicht. Dennoch kann es sinnvoll sein, einen Arzt hinzuzuziehen, der mit der Gabe von 1 g Aktivkohle pro kg Körpergewicht die Giftausscheidung beschleunigen kann. Einzig kritischer Punkt ist eine Vergiftung von einer Person, die unter Herz- Kreislaufproblemen leidet. Hier kann es u. U. sinnvoll sein, den Patienten eine gewisse Zeit klinisch zu überwachen.
+
Auf Grund der Harmlosigkeit und der raschen Genesung der Betroffenen ist grundsätzlich keine weitere Therapie nötig. Lediglich bei Patienten mit [[kardiovaskulär]]en Erkrankungen kann eine kurzzeitige klinische Überwachung sinnvoll sein. Die Gabe von 1 g/[[kgKG]] [[Aktivkohle]] kann die Toxinelimination beschleunigen kann.
 
+
==Molekulare Giftwirkung==
+
 
+
Wie bereits oben erwähnt handelt es sich bei dem Toxin um eine Substanz namens [[Coprin]], die ab einer gewissen Temperatur in [[Glutaminsäure]] und [[1-Aminocyclopropanol]] zerfällt. Letzteres hemmt das Enzym [[Acetaldehyddehydrogenase]], welches am Abbau von [[Ethanol]] beteiligt ist. Da diese Wirkung durch den Pilz stark herabgesetzt ist, kommt es zur Akkumulation (Anreicherung) von [[Acetaldehyd]] im Organismus, was dann für die Ausbildung eines Coprinus-Syndroms führt.
+
 
[[Fachgebiet:Innere Medizin]]
 
[[Fachgebiet:Innere Medizin]]
 +
[[Fachgebiet:Toxikologie]]
 +
[[Tag:Pilzvergiftung]]

Version vom 18. Oktober 2019, 14:29 Uhr

1 Definition

Das Coprinus-Syndrom ist eine bizarre Form der Pilzvergiftung, die nicht durch den Verzehr von Giftpilzen, sondern durch die Kombination aus bestimmten essbaren Pilzen und dem Genuss von Alkohol ausgelöst wird. Das Coprinus-Syndrom ist eine relativ harmlose Pilzvergiftung, schwere Spätfolgen oder gar Todesfälle wurden bisher nicht bekannt.

2 Ätiologie

Die Unverträglichkeitserscheinungen im Zusammenhang mit Alkohol werden durch eine chemische Substanz mit dem Trivialnamen Coprin hervorgerufen. Durch Erhitzen, also bei der Zubereitung, zerfällt Coprin in Glutaminsäure und 1-Aminocyclopropanol. Letzteres hemmt das Enzym Acetaldehyd-Dehydrogenase, welches am Abbau von Ethanol beteiligt ist. Folglich kommt es zur Akkumulation von Acetaldehyd und zu entsprechenden Symptomen.

Coprin findet sich in den Pilzen Faltentintling (Coprinus atramentarius) und Glimmertintling, vermutlich auch im Keulenfüßigen Trichterling (Clitocybe clavipes) und im Ochsen-Röhrling (Boletus torosus), wobei letztere beiden keinen Speisewert besitzen.

3 Symptome

Nach einer Latenzzeit von wenigen Minuten, meist während der Mahlzeit, zeigen sich folgende Symptome:

Diese Symptome entstehen nur bei dem gleichzeitigen Genuss der Pilze mit Alkohol. Entsprechend sollte jeweils drei Tage vor und nach dem Pilzverzehr kein Alkohol konsumiert werden.

4 Diagnose

Die Diagnose ergibt sich aus der typischen Symptomatik. Weitere Untersuchungen sind in der Regel nicht notwendig.

5 Therapie

Die Symptome halten in der Regel nur wenige Stunden an und verlaufen selbstlimitierend. Auf Grund der Harmlosigkeit und der raschen Genesung der Betroffenen ist grundsätzlich keine weitere Therapie nötig. Lediglich bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen kann eine kurzzeitige klinische Überwachung sinnvoll sein. Die Gabe von 1 g/kgKG Aktivkohle kann die Toxinelimination beschleunigen kann.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

2 Wertungen (4.5 ø)

6.872 Aufrufe

Hast du eine allgemeine Frage?
Hast du eine Frage zum Inhalt?
Copyright ©2020 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: