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Ciclosporin

Version vom 27. Februar 2021, 12:59 Uhr von Nicht mehr aktiv :-( (Diskussion | Beiträge)

Handelsname: Cicloral®, Immunosporin®, u.v.m.
Synonyme: Cyclosporin A, Cyclosporin
Englisch: ciclosporin

1 Definition

Ciclosporin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Immunsuppressiva.

2 Pharmakologie

Ciclosporin wird aus den norwegischen Schlauchpilzen Tolypocladium inflatum und Clindrocarpon lucidum gewonnen. Es handelt sich chemisch gesehen um ein zyklisches Protein mit elf Aminosäureresten.

Ciclosporin bindet in der Zelle an Cyclophilin. Der Komplex aus Ciclosporin und Cyclophilin hemmt die Proteinphosphatase Calcineurin. Eine Dephosphorylierung des Transkriptionsfaktors NF-AT (nuclear factor of activated T-cells) unterbleibt.

NF-AT wird somit nicht aktiviert und die Produktion von proinflammatorischen Zytokinen (z.B. Interleukin-2) und Zelloberflächenrezeptoren wird gehemmt. Des Weiteren hemmt Ciclosporin die Aktivierung und Vermehrung von Lymphozyten.

Ciclosporin hat eine hohe Selektivität, da NF-AT praktisch nur in T-Lymphozyten vorkommt.

3 Anwendung

Ciclosporin wird hauptsächlich nach Organtransplantationen und bei Autoimmunerkrankungen angewendet. Die volle Wirksamkeit von Ciclosporin entwickelt sich nach einer dreimonatigen Einnahmezeit.

Beispiele für weitere Anwendungsgebiete sind:

3.1 Nach Organtransplantation

Ciclosporin wird als Immunsuppressivum zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen eingesetzt. Da die Gefahren für eine Abstoßungsreaktion insbesondere in den ersten Wochen und Monaten erhöht sind, wird in der Regel am Tag vor der Operation eine Induktionstherapie mit hohen Dosierungen eingeleitet. Nach einer kontinuierlichen Dosisreduktion wird ab dem 3. bis 6. postoperativen Monat eine Erhaltungstherapie etabliert, die lebenslang vom Patienten eingenommen wird.

4 Nebenwirkungen

Mögliche Nebenwirkungen von Ciclosporin sind:

Bei dauerhafter Einnahme hoher Dosierungen (z.B. nach Organtransplantation) zeigte sich ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von lymphoproliferativen Erkrankungen (z.B. Lymphomen) und anderen Malignomen (insbesondere der Haut).

5 Kontraindikationen

Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte auf die Einnahme von Ciclosporin verzichtet werden.

6 Arzneimittelinteraktionen

Ciclosporin A wird hauptäschlich über das Cytochrom P450-System metabolisiert (insb. CYP3A4). Eine Komedikation mit verschiedenen Arzneimitteln kann zu einer Induktion (vermehrter Abbau von Ciclosporin) oder Inhibition (verminderter Abbau von Ciclosporin) von CYP3A4 führen und somit Einfluss auf den Plasmaspiegel und die Wirksamkeit von Ciclosporin nehmen.

siehe CYP3A4

7 Labormedizin

Bei längerer Einnahme ist eine regelmäßige Kontrolle des Talspiegels anzuraten. Dieser sollte in Abhängigkeit von der Häufigkeit der Einnahme kurz vor (bei einmal täglicher Einnahme) oder 12 Stunden (bei mehrmals täglicher Einnahme) nach der letzten Applikation bestimmt werden. Durch eine zusätzliche Bestimmung des 2-Stunden-Wertes nach der Einnahme lässt sich die Verteilung von Ciclosporin und seine Wirksamkeit besser beurteilen.

Die Bestimmung erfolgt z.B. mittels Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie.

7.1 Material

Für die Untersuchung werden 10 ml EDTA-Blut benötigt.

7.2 Talspiegel

Die therapeutischen Richtwerte beziehen sich auf verschiedene Assays und unterschieden sich mitunter, sodass der vom jeweiligen Labor angegebene Referenzbereich berücksichtigt werden sollte. Orientierend gilt:

  • nach Nierentransplantation:
    • Induktionstherapie: 150 bis 225 µg/l
    • Erhaltungstherapie: 100 bis 150 µg/l
  • nach Lebertransplantation:
    • Induktionstherapie: 225 bis 300 µg/l
    • Erhaltungstherapie: 100 bis 150 µg/l
  • nach Herztransplantation:
    • Induktionstherapie: 250 bis 350 µg/l
    • Erhaltungstherapie: 150 bis 250 µg/l

Toxisch sind Talspiegel über 400 µg/l

7.3 2-Stunden-Werte

Empfohlene 2-Stunden-Werte sind:

  • nach Nierentransplantation
    • Induktionstherapie: 1.500 µg/l
    • nach ≥ 7 Monaten: 600 µg/l
  • Nach Lebertransplantation
    • Induktionstherapie: 1.000 µg/l
    • nach > 1 Jahr: 600 µg/l

8 Literatur

Fachgebiete: Pharmakologie

Diese Seite wurde zuletzt am 28. Februar 2021 um 17:18 Uhr bearbeitet.

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