Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Cholelithiasis

Version vom 23. September 2017, 13:30 Uhr von Sebastian Zapp (Diskussion | Beiträge)

Synonym: Gallensteinleiden
Englisch: cholelithiasis

1 Definition

Als Cholelithiasis wird das Vorhandensein von Konkrementen in der Gallenblase oder in den angeschlossenen Gallenwegen bezeichnet.

Bei Lage des Konkrements in der Gallenblase liegt eine Cholezystolithiasis, bei Lage der Konkremente in den Gallengängen eine Choledocholithiasis vor.

2 Epidemiologie

Eine Cholezystolithiasis liegt bei etwa 15 % der Bevölkerung vor. Frauen sind zwei mal häufiger betroffen als Männer. Gallensteine verursachen in ca. 75% der Fälle keine pathologische Symptomatik.

Eine Choledocholithiasis entsteht meistens bei Abgang von Steinen aus der Gallenblase in die Gallengänge und liegt bei bis zu einem Drittel der Patienten mit Cholezystolithiasis vor. Konkremente können jedoch auch de novo im Gallengang entstehen (z.B. bei chronischer Hämolyse).

3 Gallensteinformen

Grundsätzlich können zwei Formen von Gallensteinen unterschieden werden:

  • Cholesterinstein
  • Pigmentstein

Daneben sind sogenannte gemischte Steine zu nennen, die sowohl aus Pigment, als auch aus Cholesterin bestehen.

Anmerkung: Die Pathogenese von Gallensteinen ist Bestandteil des entsprechenden Artikels.

4 Risikofaktoren

Die wichtigsten Risikofaktoren werden mit den so genannten 6 f zusammen gefasst:

  • fat (adipös)
  • female (weiblich)
  • fair (heller Hauttyp)
  • fourty (vierzig)
  • fertile (fruchtbar)
  • family (familiäre Disposition)

5 Symptomatik

Die Mehrzahl der Gallensteine verbleibt asymptomatisch. Ein Teil der Patienten mit Gallensteinen klagt über unspezifische gastrointestinale Beschwerden wie:

Eine sehr schmerzhafte Verlaufsform des Gallensteinleidens ist die Gallenkolik. Die Schmerzen halten bei einer Gallenkolik oft stundenlang und nehmen mit der Zeit zu. Eine Ausstrahlung des Schmerzes in die Region der rechten Schulter (Head-Zone) wird häufig beschrieben. Der Gallenstein liegt bei einer Kolik meistens in der Gallenblase selbst oder im angrenzenden Ductus cysticus.

5.1 Komplikationsmöglichkeiten

Eine Cholelithiasis kann zu einer Reihe von Komplikationen führen, die den Verlauf und das Ausmaß der Erkrankung wesentlich beeinflussen:

6 Diagnose

Eine Cholelithiasis kann zuverlässig mit einer Sonographie des Oberbauches diagnostiziert werden. Dabei kann gleichzeitig die Weite der Gänge beurteilt und nach sonographischen Zeichen einer Entzündung gesucht werden.

6.1 Anamnese

In der Anamnese muss die Schmerzcharakteristik erfragt werden. Hilfreich können auch Hinweise auf vorangegangene Koliken als Zeichen für längere Zeit bestehende Konkremente sein.

6.2 Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung können je nach Lage der Gallensteine eine prall gefüllte, schmerzlose Gallenblase palpiert (Courvoisier-Zeichen), das Murphy-Zeichen ausgelöst oder ein Ikterus festgestellt werden. Schmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit und Schüttelfrost deuten auf eine bereits bestehende akute Cholezystitis hin.

6.3 Labordiagnostik

Die Labordiagnostik dient der Verlaufsbeobachtung und Bestätigung:

7 Therapie

Die Therapie einer Cholelithiasis ist in der Regel invasiv. Bei einer Choledocholithiasis ist die ERCP Therapie der Wahl.

Bei einer Cholecystolithiasis oder Unzugänglichkeit der Gallenwegssteine via ERCP ist die (laparoskopische) Cholezystektomie Therapie der Wahl. Die Cholezystektomie bzw. ERCP sollten im symptomfreien Intervall, d.h. nach Behandlung und Abklingen einer Gallenkolik oder Cholezystitis erfolgen.

Bei vorliegenden Kontraindikationen gegen eine Operation kann bei Steinen unter 2 cm Durchmesser eine medikamentöse Litholyse (Auflösung) mittels Ursodeoxycholsäure und Chenodeoxycholsäure angestrebt werden. Die Rezidivneigung ist bei diesem Vorgehen allerdings sehr hoch.

Eine weitere alternative Behandlungsmethode ist die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie, bei der die Gallensteine durch Applikation von Stoßwellen zunächst verkleinert werden um dann auf natürliche Weise in den Darm abzugehen. Dabei kommt es allerdings durch den Abgang der kleineren Steine bedingt häufig zu Gallenkoliken.

7.1 "Alternative Leber-/ Gallenblasenreinigung"

Beliebtes Verfahren aus dem esoterischen-naturheilkundlichen Bereich. Es gibt hierzu verschiedene Anleitungen, jedoch ist allen gemeinsam, dass eine beträchtliche Menge Olivenöl zu sich genommen wird. Der Patient scheidet dann angeblich Gallensteine via naturalis aus. Hier liegt ein chemischer Prozess zu Grunde. Die Mengen an Fett/Öl bilden mit der Magensäure eine Verseifungs-Reaktion. Im Verlauf der Magen-Darm Passage werden diese Seifensteine von der normalen Gallenflüssigkeit grün gefärbt. Am Ende scheidet der Patient somit grünliche Seifensteine aus, welche eine äußere Ähnlichkeit mit Gallensteinen haben können.

Das Verfahren ist hoch gefährlich und nicht zielführend. Bestehende Gallensteine waren nach Anwendung dieser Methoden bei Probanden nach wie vor vorhanden. Durch die beachtliche orale Aufnahme an Fetten entstehten bei den Patienten diverse Nebenwirkungen wie:

[1] [2]

Diese Seite wurde zuletzt am 18. November 2020 um 18:37 Uhr bearbeitet.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Letzte Autoren des Artikels:

60 Wertungen (3.98 ø)

513.395 Aufrufe

Copyright ©2021 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: