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Chinin: Unterschied zwischen den Versionen

 
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'''Chinin''' ist ein [[Arzneistoff]] gegen [[Malaria]], der in der Rinde des Chinarindenbaumes (Cinchona pubescens, Cinchona officinalis oder Rötegewächs-Rubiaceae) vorkommt.
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'''Chinin''' ist ein [[Arzneistoff]] gegen [[Malaria]], der u.a. in der Rinde des Chinarindenbaumes (Cinchona pubescens bzw. Cinchona officinalis) vorkommt.
  
 
==Geschichte==
 
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Chinin wird bereits seit Jahrhunderten als Heilmittel gegen Malaria verwendet. Schon die Ureinwohner Südamerikas wussten von der fiebersenkenden Wirkung des Chinins.
 
Chinin wird bereits seit Jahrhunderten als Heilmittel gegen Malaria verwendet. Schon die Ureinwohner Südamerikas wussten von der fiebersenkenden Wirkung des Chinins.
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== Wirkmechanismus==
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Chinin wirkt wie die [[4-Aminochinolin]]e und andere [[Arylaminoalkohole]] gegen Blutschizonten. Die Malariaerreger gewinnen während ihres intraerythrozytären Wachstums Energie aus dem Abbau des [[Hämoglobin]]s. Dabei entsteht das für sie giftige Abbauprodukt [[Ferriprotoporphyrin IX]] (FPPIX). Durch eine nicht-enzymatische [[Aggregation|Aggregatbildung]] wird FPPIX zu ungiftigem [[Hämozoin]] umgewandelt. Chinin bildet wie andere Arylaminoalkohole stabile [[Komplex]]e mit FPPIX und erhöht so die Zahl von nicht-aggregierten FPPIX-Molekülen, was dann letztendlich zum Absterben der Parasiten führt.
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Chinin wirkt prinzipiell gegen alle Plasmodiumarten. Trotz der fast 200-jährigen Anwendung sind Resistenzen vergleichsweise wenig verbreitet.
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Chinin wird normalerweise [[oral]] gegeben, kann im Notfall jedoch auch [[intravenös]] verabreicht werden. Nach oraler Gabe wird Chinin gut und schnell resorbiert. Das Wirkungsmaximum tritt nach 1-3 Stunden ein.
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Im Plasma ist Chinin zu 70% an [[Protein]]e gebunden. Chinin wird fast vollständig in der [[Leber]] metabolisiert, nur 10% werden unverändert [[renal]] ausgeschieden.
  
 
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Chinin wird zur Behandlung von Malaria eingesetzt, es wirkt abtötend auf die im Blut vorkommenden [[Schizont]]en. Nach der Entwicklung synthetischer [[Malariamittel]] hatte Chinin eine nur mehr geringe Bedeutung, angesichts wachsender [[Resistenz]]en der Erreger wird Chinin heute wieder öfter eingesetzt. Es wird nach wie vor aus der Rinde von Chinarindenbäumen gewonnen, die eigens für diesen Zweck kultiviert werden.
 
Chinin wird zur Behandlung von Malaria eingesetzt, es wirkt abtötend auf die im Blut vorkommenden [[Schizont]]en. Nach der Entwicklung synthetischer [[Malariamittel]] hatte Chinin eine nur mehr geringe Bedeutung, angesichts wachsender [[Resistenz]]en der Erreger wird Chinin heute wieder öfter eingesetzt. Es wird nach wie vor aus der Rinde von Chinarindenbäumen gewonnen, die eigens für diesen Zweck kultiviert werden.
  
Hauptsächlich verwendet man Chinin zur Behandlung der [[Malaria tropica]], wenn die Erreger ([[Plasmodium|Plasmodien]]) Resistenzen gegen [[Chloroquin]] aufweisen oder [[multiresistent]] sind. [Malaria tropica wird durch [[Plasmodium falciparum]] verursacht. Die Resistenzbildung unter Chinin ist gering.
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Hauptsächlich verwendet man Chinin zur Behandlung der [[Malaria tropica]], wenn die Erreger ([[Plasmodium|Plasmodien]]) Resistenzen gegen [[Chloroquin]] aufweisen oder [[multiresistent]] sind. Malaria tropica wird durch [[Plasmodium falciparum]] verursacht. Die Resistenzbildung unter Chinin ist gering.
  
 
Weiterhin wird Chinin als Zusatz in Medikamenten gegen [[grippaler Infekt|grippale Infekte]] verwendet, da es bereits in geringen Dosen lokal betäubend und fiebersenkend wirkt. Außerdem wird es zur Behandlung einer [[Babesiose]] eingesetzt.
 
Weiterhin wird Chinin als Zusatz in Medikamenten gegen [[grippaler Infekt|grippale Infekte]] verwendet, da es bereits in geringen Dosen lokal betäubend und fiebersenkend wirkt. Außerdem wird es zur Behandlung einer [[Babesiose]] eingesetzt.
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Zudem findet Chinin des bitteren Geschmacks wegen Verwendung in der Lebensmittelindustrie. Beispielsweise findet sich Chinin in geringen Mengen in Tonic Water und in Bitter-Lemon-Getränken.
 
Zudem findet Chinin des bitteren Geschmacks wegen Verwendung in der Lebensmittelindustrie. Beispielsweise findet sich Chinin in geringen Mengen in Tonic Water und in Bitter-Lemon-Getränken.
  
== Pharmakokinetik ==
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== Nebenwirkungen==
Chinin wird normalerweise [[oral]] gegeben, kann im Notfall jedoch auch [[intravenös]] verabreicht werden. Nach oraler Gabe wird Chinin gut und schnell resorbiert. Das Wirkungsmaximum tritt nach 1-3 Stunden ein.
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Im Plasma ist Chinin zu 70% an [[Protein]]e gebunden. Chinin wird fast vollständig in der [[Leber]] metabolisiert, nur 10% werden unverändert [[renal]] ausgeschieden.
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== Wirkung ==
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Chinin hemmt die [[Hämopolymerase]] der Plasmodien. Die Erreger benötigen die Hämopolymerase und werden somit durch Chinin geschädigt. Chinin wirkt gegen alle Plasmodiumarten.
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== Unerwünschte Wirkungen (UAW)==
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* [[Gastrointestinal]]e Beschwerden
 
* [[Gastrointestinal]]e Beschwerden
 
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* [[Tinnitus]]
 
* [[Tinnitus]]
 
* Schädigungen des [[Sehnerv]]en
 
* Schädigungen des [[Sehnerv]]en
* [[Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel]]: Gefahr der intravasalen [[Hämolyse]] ([[Schwarzwasserfieber]])
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* [[Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel]]: Gefahr der intravasalen [[Hämolyse]] ([[Schwarzwasserfieber]])
 
* [[Myasthenia gravis]]
 
* [[Myasthenia gravis]]
 
* [[Schwangerschaft]]: Chinin wirkt auf die [[Muskulatur]] des [[Uterus]] und kann [[Wehen]] auslösen
 
* [[Schwangerschaft]]: Chinin wirkt auf die [[Muskulatur]] des [[Uterus]] und kann [[Wehen]] auslösen
 
* [[Chininallergie]]
 
* [[Chininallergie]]
  
== Chininvergiftung==
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==Toxikologie==
Werden zu hohe Dosen Chinin gegeben kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen, wie beispielsweise:
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Werden zu hohe Dosen Chinin gegeben, kann es zu einer [[Chininvergiftung]] kommen, die sich u.a. durch folgende Symptome äußert:
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* Erbrechen
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* [[Ohrensausen]]
 
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* Sehstörungen
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* [[Spasmus|Spasmen]] der [[Netzhaut]]gefäße
 
* [[Spasmus|Spasmen]] der [[Netzhaut]]gefäße
 
* Schädigung des Sehnervs
 
* Schädigung des Sehnervs

Aktuelle Version vom 3. April 2019, 15:36 Uhr

Synonyme: Quinin, Chininum hydrochloricum
Englisch: quinine

1 Definition

Chinin ist ein Arzneistoff gegen Malaria, der u.a. in der Rinde des Chinarindenbaumes (Cinchona pubescens bzw. Cinchona officinalis) vorkommt.

2 Geschichte

Chinin wird bereits seit Jahrhunderten als Heilmittel gegen Malaria verwendet. Schon die Ureinwohner Südamerikas wussten von der fiebersenkenden Wirkung des Chinins.

3 Wirkmechanismus

Chinin wirkt wie die 4-Aminochinoline und andere Arylaminoalkohole gegen Blutschizonten. Die Malariaerreger gewinnen während ihres intraerythrozytären Wachstums Energie aus dem Abbau des Hämoglobins. Dabei entsteht das für sie giftige Abbauprodukt Ferriprotoporphyrin IX (FPPIX). Durch eine nicht-enzymatische Aggregatbildung wird FPPIX zu ungiftigem Hämozoin umgewandelt. Chinin bildet wie andere Arylaminoalkohole stabile Komplexe mit FPPIX und erhöht so die Zahl von nicht-aggregierten FPPIX-Molekülen, was dann letztendlich zum Absterben der Parasiten führt. Chinin wirkt prinzipiell gegen alle Plasmodiumarten. Trotz der fast 200-jährigen Anwendung sind Resistenzen vergleichsweise wenig verbreitet.

4 Pharmakokinetik

Chinin wird normalerweise oral gegeben, kann im Notfall jedoch auch intravenös verabreicht werden. Nach oraler Gabe wird Chinin gut und schnell resorbiert. Das Wirkungsmaximum tritt nach 1-3 Stunden ein. Im Plasma ist Chinin zu 70% an Proteine gebunden. Chinin wird fast vollständig in der Leber metabolisiert, nur 10% werden unverändert renal ausgeschieden.

5 Verwendung

Chinin wird zur Behandlung von Malaria eingesetzt, es wirkt abtötend auf die im Blut vorkommenden Schizonten. Nach der Entwicklung synthetischer Malariamittel hatte Chinin eine nur mehr geringe Bedeutung, angesichts wachsender Resistenzen der Erreger wird Chinin heute wieder öfter eingesetzt. Es wird nach wie vor aus der Rinde von Chinarindenbäumen gewonnen, die eigens für diesen Zweck kultiviert werden.

Hauptsächlich verwendet man Chinin zur Behandlung der Malaria tropica, wenn die Erreger (Plasmodien) Resistenzen gegen Chloroquin aufweisen oder multiresistent sind. Malaria tropica wird durch Plasmodium falciparum verursacht. Die Resistenzbildung unter Chinin ist gering.

Weiterhin wird Chinin als Zusatz in Medikamenten gegen grippale Infekte verwendet, da es bereits in geringen Dosen lokal betäubend und fiebersenkend wirkt. Außerdem wird es zur Behandlung einer Babesiose eingesetzt.

Zudem findet Chinin des bitteren Geschmacks wegen Verwendung in der Lebensmittelindustrie. Beispielsweise findet sich Chinin in geringen Mengen in Tonic Water und in Bitter-Lemon-Getränken.

6 Nebenwirkungen

7 Kontraindikationen

Chinin darf bei folgenden Situationen nicht gegeben werden:

8 Toxikologie

Werden zu hohe Dosen Chinin gegeben, kann es zu einer Chininvergiftung kommen, die sich u.a. durch folgende Symptome äußert:

Die tödliche Dosis Chinin liegt bei etwa 8-10 g.

8.1 Therapie der Chininvergiftung

Bei einer Chinin-Intoxikation stehen resorptionsvermindernde Maßnahmen (Aktivkohle, Natriumsulfat) sowie die Gabe geeigneter Benzodiazepine im Vordergrund. Diazepam wird initial in einer Dosierung von 1-2 mg/kg KG i.v. gegeben. Die anschließende Erhaltungsdosis beträgt 0,25 mg pro kg Körpergewicht und Stunde.

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Fachgebiete: Pharmakologie

Diese Seite wurde zuletzt am 3. April 2019 um 15:36 Uhr bearbeitet.

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