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CD74: Unterschied zwischen den Versionen

 
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'''''Englisch''': CD74, HLA class II histocompatibility antigen gamma chain, invariant chain''
  
Das Oberflächenmolekül CD74 entspricht der Intravarianten Kette in der exogenen Antigenpräsentation  der professionellen Antigen-präsentierenden Zellen.
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==Definition==
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'''CD74''' ist ein [[Oberflächenprotein]], das als so genannte '''invariante Kette''' (Ii) eine zentrale Rolle bei der [[Assemblierung]] und beim Transport von [[MHC-Klasse-II-Komplex]]en spielt.
  
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==Biochemie==
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CD74 besteht aus 296 [[Aminosäure]]n und hat eine [[Molekülmasse]] von rund 33,5 [[Dalton]]. Es wird auf [[Chromosom 5]] an [[Genlokus]] 5q33.1 kodiert.
  
Während der exogenen Antigenpräsentation werden, wie der Name schon vermuten lässt, exogene (also körperfremde Antigene) in den B-Zellen prozessiert und dann anschließend über den MHC-II Komplex den CD4+ T-Helfer Zellen präsentiert. Während das exogene Pathogen in die Professionelle-Antigen-präsentierende Zelle aufgenommen wird, wird im Lumen des rauen endoplasmatischen Retikulums der MHC-II Komplex synthetisiert. Damit der Komplex dabei nicht vorzeitig mit endogenen Peptiden beladen und somit blockiert wird, wird in der Grube für die Antigen-Präsentation die sogenannte intravariante Kette synthetisiert (CD74). Diese dirigiert den MHC-II Vesikel zu dem endosomen Vesikel, welcher das exogene Pathogen enthält. Während des Prozesses wird die Intravariante Kette (Ia) verkleinert. Der kleine Rest, der in der Grube für die Antigen-Präsentation übrig bleibt, wird als CLIP-Sequenz bezeichnet.  
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==Funktion==
Nach verschmelzen des MHC-II Vesikel mit dem Endosomalen Vesikel wird -begünstig durch den sauren pH-Wert -die CLIP Sequenz, mithilfe von HLA-DO bzw. HLA-DM, mit dem exogenen Antigen ausgetauscht.
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Während der [[Antigenpräsentation]] werden [[extrazellulär]]e [[Antigen]]e in [[B-Zelle]]n oder [[dendritische Zelle|dendritische Zellen]] prozessiert und dann anschließend über den MHCII-Komplex [[CD4-Rezeptor|CD4<sup>+</sup>]]-[[T-Helferzelle]]n präsentiert. Während das extrazelluläre Antigen in eine professionelle [[antigenpräsentierende Zelle]] aufgenommen wird, wird im Lumen des [[raues endoplasmatisches Retikulum|rauen endoplasmatischen Retikulum]]s (rER) der MHCII-Komplex synthetisiert. Dabei spielt CD74 die Rolle eines [[Chaperon]]s für die MHCII-Proteine und stabilisiert deren [[Proteinfaltung|Faltung]].
[[Tag:Antigenpräsentierende Zelle]]
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[[Tag:CD74]]
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Damit die Peptidbindungstasche des Komplexes nicht vorzeitig mit endogenen [[Peptid]]en beladen und damit blockiert wird, dient die invariante Kette als "Platzhalter" und belegt die Grube für die Antigenpräsentation. Sie dirigiert gleichzeitig das MHCII-Komplexe tragende [[Endosom]] zu dem [[Endolysosom]], welches das extrazelluläre Antigen enthält.  
[[Tag:Exogener Weg]]
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Nach der Verschmelzung des MHCII-Endosoms mit dem Endolysosom wird die invariante Kette verkleinert. Der Abbau erfolg über [[asparagin]]spezifische [[Endopeptidase]]n und [[Cathepsin]]e. Der kleine Rest, der in der Grube für die Antigenpräsentation übrig bleibt, wird als [[CLIP-Sequenz]] bezeichnet. Begünstigt durch den sauren [[pH-Wert]] wird die CLIP-Sequenz mithilfe von [[HLA-DO]] bzw. [[HLA-DM]] schließlich gegen das extrazelluläre Antigen ausgetauscht.
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==Klinik==
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CD74 wird von einigen [[maligne]]n Tumoren verstärkt exprimiert. Es ist mit einer schnelleren [[Metastasierung]] assoziiert. Das Oberflächenprotein kann dazu genutzt werden, die Tumorzellen mit [[Immunkonjugat]]en zu attackieren, die Antikörper gegen CD74 enthalten. Ein solcher [[bewaffneter Antikörper]] ist [[Milatuzumab-Doxorubicin]]. Der Arzneistoff wird in [[klinische Studie|klinischen Studien]] zur Behandlung des [[multiples Myelom|multiplen Myeloms]] eingesetzt.
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Bei der [[axiale Spondyloarthritis|axialen Spondyloarthritis]] werden [[Autoantikörper]] gegen CD74 gebildet. Sie können labordiagostisch bestimmt werden und dienen der Diagnosefindung.
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[[Fachgebiet:Immunologie]]
 
[[Tag:MHC]]
 
[[Tag:MHC]]
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[[Tag:Oberflächenantigen]]

Aktuelle Version vom 4. November 2018, 22:56 Uhr

Englisch: CD74, HLA class II histocompatibility antigen gamma chain, invariant chain

1 Definition

CD74 ist ein Oberflächenprotein, das als so genannte invariante Kette (Ii) eine zentrale Rolle bei der Assemblierung und beim Transport von MHC-Klasse-II-Komplexen spielt.

2 Biochemie

CD74 besteht aus 296 Aminosäuren und hat eine Molekülmasse von rund 33,5 Dalton. Es wird auf Chromosom 5 an Genlokus 5q33.1 kodiert.

3 Funktion

Während der Antigenpräsentation werden extrazelluläre Antigene in B-Zellen oder dendritische Zellen prozessiert und dann anschließend über den MHCII-Komplex CD4+-T-Helferzellen präsentiert. Während das extrazelluläre Antigen in eine professionelle antigenpräsentierende Zelle aufgenommen wird, wird im Lumen des rauen endoplasmatischen Retikulums (rER) der MHCII-Komplex synthetisiert. Dabei spielt CD74 die Rolle eines Chaperons für die MHCII-Proteine und stabilisiert deren Faltung.

Damit die Peptidbindungstasche des Komplexes nicht vorzeitig mit endogenen Peptiden beladen und damit blockiert wird, dient die invariante Kette als "Platzhalter" und belegt die Grube für die Antigenpräsentation. Sie dirigiert gleichzeitig das MHCII-Komplexe tragende Endosom zu dem Endolysosom, welches das extrazelluläre Antigen enthält.

Nach der Verschmelzung des MHCII-Endosoms mit dem Endolysosom wird die invariante Kette verkleinert. Der Abbau erfolg über asparaginspezifische Endopeptidasen und Cathepsine. Der kleine Rest, der in der Grube für die Antigenpräsentation übrig bleibt, wird als CLIP-Sequenz bezeichnet. Begünstigt durch den sauren pH-Wert wird die CLIP-Sequenz mithilfe von HLA-DO bzw. HLA-DM schließlich gegen das extrazelluläre Antigen ausgetauscht.

4 Klinik

CD74 wird von einigen malignen Tumoren verstärkt exprimiert. Es ist mit einer schnelleren Metastasierung assoziiert. Das Oberflächenprotein kann dazu genutzt werden, die Tumorzellen mit Immunkonjugaten zu attackieren, die Antikörper gegen CD74 enthalten. Ein solcher bewaffneter Antikörper ist Milatuzumab-Doxorubicin. Der Arzneistoff wird in klinischen Studien zur Behandlung des multiplen Myeloms eingesetzt.

Bei der axialen Spondyloarthritis werden Autoantikörper gegen CD74 gebildet. Sie können labordiagostisch bestimmt werden und dienen der Diagnosefindung.

Fachgebiete: Immunologie

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