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Brucellose (Rind): Unterschied zwischen den Versionen

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Die Brucellose ist weltweit verbreitet. In Österreich ist die Rinderpopulation seit 1999 amtlich anerkannt frei von Brucella abortus. Die [[Schaf]]- und [[Ziege]]nbestände sind seit 2001 amtlich anerkannt frei von [[Brucella melitensis]].
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Die Brucellose ist weltweit verbreitet. Deutschland ist seit 1999 frei von der Rinderbrucellose.<ref>Friedrich-Löffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. [https://www.fli.de/de/institute/institut-fuer-bakterielle-infektionen-und-zoonosen-ibiz/referenzlabore/oie-und-nrl-fuer-brucellose/ Nationale Referenzlabore für Infektionen mit Brucella spec.] (abgerufen am 09.03.2021)</ref> In Österreich ist die Rinderpopulation ebenfalls seit 1999 amtlich anerkannt frei von Brucella abortus. Die [[Schaf]]- und [[Ziege]]nbestände sind seit 2001 amtlich anerkannt frei von [[Brucella melitensis]].  
  
 
Im Jahr 2018 wurde ein Seuchenausbruch durch Brucella melitensis in einem Rinderbstand in Ostösterreich nachgewiesen.<ref>AGES - Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit. [https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/brucellose/ Brucellose] (abgerufen am 09.03.2021)</ref>
 
Im Jahr 2018 wurde ein Seuchenausbruch durch Brucella melitensis in einem Rinderbstand in Ostösterreich nachgewiesen.<ref>AGES - Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit. [https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/brucellose/ Brucellose] (abgerufen am 09.03.2021)</ref>
  
 
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Eine massive Erregerausscheidung erfolgt besonders bei [[Abort (Veterinärmedizin)|Aborten]] und infizierten [[Geburt (Veterinärmedizin)|Normalgeburten]] sowie mit [[Milch]], [[Harn]], [[Kot]] und [[Nasensekret]].
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Die Erregerausscheidung erfolgt besonders bei [[Abort (Veterinärmedizin)|Aborten]] und infizierten [[Geburt (Veterinärmedizin)|Normalgeburten]] sowie über die [[Milch]], den [[Harn]], den [[Kot]] und [[Nasensekret]].
  
Typische [[Übertragung]]swege sind einerseits die [[peroral]]e Aufnahme der Erreger, andererseits auch die [[Infektion]] während des [[Deckakt (Veterinärmedizin)|Deckakts]]. Gleichzeitig müssen auch Infektionen über die [[Haut (Veterinärmedizin)|Haut]] sowie durch [[Arthropoda|Arthropoden]] als [[Vektor]]en in Betracht gezogen werden.
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Typische [[Übertragung]]swege sind einerseits die [[peroral]]e Aufnahme der Erreger, andererseits der [[Deckakt (Veterinärmedizin)|Deckakt]]. Gleichzeitig müssen auch Infektionen über die [[Haut (Veterinärmedizin)|Haut]] sowie durch [[Arthropoda|Arthropoden]] als [[Vektor]]en in Betracht gezogen werden.
  
 
Die Infektion verläuft als zyklische [[Allgemeinerkrankung]]. Nach der [[Bakteriämie|bakteriämischen]] Phase manifestieren sich die Bakterien in den [[Geschlechtsorgan (Veterinärmedizin)|Geschlechtsorganen]]. Bis zum Eintritt der Geschlechtsreife besteht jedoch eine [[Alter]]sresistenz, die in den meisten Fällen die [[klinisch]]e Manifestation der Brucellose verhindert.
 
Die Infektion verläuft als zyklische [[Allgemeinerkrankung]]. Nach der [[Bakteriämie|bakteriämischen]] Phase manifestieren sich die Bakterien in den [[Geschlechtsorgan (Veterinärmedizin)|Geschlechtsorganen]]. Bis zum Eintritt der Geschlechtsreife besteht jedoch eine [[Alter]]sresistenz, die in den meisten Fällen die [[klinisch]]e Manifestation der Brucellose verhindert.
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Die Bakteriämie geht häufig nur mit einer Erhöhung der inneren [[Körpertemperatur]] einher. Die Erkrankung tritt meistens erst durch eine [[Abort (Veterinärmedizin)|Verkalbung]] (Abort) in der 2. [[Trächtigkeit (Veterinärmedizin)|Trächtigkeitshälfte]] klinisch in Erscheinung. Dem Abort gehen in den meisten Fällen keine Krankheitszeichen voraus.
 
Die Bakteriämie geht häufig nur mit einer Erhöhung der inneren [[Körpertemperatur]] einher. Die Erkrankung tritt meistens erst durch eine [[Abort (Veterinärmedizin)|Verkalbung]] (Abort) in der 2. [[Trächtigkeit (Veterinärmedizin)|Trächtigkeitshälfte]] klinisch in Erscheinung. Dem Abort gehen in den meisten Fällen keine Krankheitszeichen voraus.
  
Nach dem Abort schließt sich meistens eine [[Retentio secundinarum (Rind)|Rententio secundinarum]] (Nachgeburtsverhalten) an. Zusätzlich können betroffene Rinder an [[Arthritis (Rind)|Arthritis]], [[Tendinitis]] und [[Bursitis]] leiden. Klinisch manifeste [[Mastitis (Rind)|Mastitiden]] treten selten auf, jedoch kommt es zu einer massiven Erregerausscheidung über die Milch. Beim [[Stier]] entwickelnt sich eine [[Orchitis (Rind)|Orchitiden]] und eine [[Epididymitis (Rind)| Epididymitiden]].
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Nach dem Abort schließt sich häufig eine [[Retentio secundinarum (Rind)|Rententio secundinarum]] (Nachgeburtsverhalten) an. Zusätzlich können betroffene Rinder an [[Arthritis (Rind)|Arthritis]], [[Tendinitis]] und [[Bursitis]] leiden. Klinisch manifeste [[Mastitis (Rind)|Mastitiden]] treten selten auf, jedoch kommt es zu einer massiven Erregerausscheidung über die Milch. Beim [[Stier]] entwickeln sich eine [[Orchitis (Rind)|Orchitis]] und [[Epididymitis (Rind)| Epididymitis]].
  
 
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Kühe, die aufgrund einer Brucellose abortiert haben, können durchaus wieder konzipieren und ein [[Kalb]] auch normal austragen. Dennoch ist ein erneutes Verkalben ebenso möglich. Da die Brucellose innerhalb eines Bestands [[enzootisch]] verläuft, verursacht sie erhebliche wirtschaftliche Schäden.
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Kühe, die aufgrund einer Brucellose abortiert haben, können durchaus wieder konzipieren und ein [[Kalb]] auch normal austragen. Dennoch ist ein erneutes Verkalben häufig.
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==Diagnose==
 
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==Zoonotische Bedeutung==
Infizierte Kühe stellen ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die menschliche Gesundheit dar und verursachen sie humane [[Brucellose]].
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Infizierte Kühe stellen ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die menschliche Gesundheit dar und verursachen die humane [[Brucellose]].
  
 
==Rechtliches==
 
==Rechtliches==
In Österreich ist die Rinderbrucellose gemäß dem § 16 des Tierseuchengesetzes eine anzeigepflichtige Tierseuche.<ref>Rechtsinformationssystem des Bundes Österreich. [https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010172 Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Tierseuchengesetz] (abgerufen am 09.03.2021)</ref> Die Erkrankung wird zusätzlich noch durch die Rindergesundheits-Überwachungs-Verordnung und dem Zoonosegesetz geregelt.<ref>Rechtsinformationssystem des Bundes Österreich. [https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20008635 Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Rindergesundheits-Überwachungs-Verordnung] (abgerufen am 09.03.2021)</ref><ref>Rechtsinformationssystem des Bundes Österreich. [https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20004373 Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Zoonosengesetz] (abgerufen am 09.03.2021)</ref>
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In Österreich ist die Rinderbrucellose gemäß dem § 16 des Tierseuchengesetzes eine anzeigepflichtige Tierseuche.<ref>Rechtsinformationssystem des Bundes Österreich. [https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010172 Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Tierseuchengesetz] (abgerufen am 09.03.2021)</ref> Die Erkrankung wird zusätzlich noch durch die Rindergesundheits-Überwachungs-Verordnung und das Zoonosegesetz geregelt.<ref>Rechtsinformationssystem des Bundes Österreich. [https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20008635 Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Rindergesundheits-Überwachungs-Verordnung] (abgerufen am 09.03.2021)</ref><ref>Rechtsinformationssystem des Bundes Österreich. [https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20004373 Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Zoonosengesetz] (abgerufen am 09.03.2021)</ref>
  
 
==Literatur==
 
==Literatur==

Aktuelle Version vom 9. März 2021, 12:45 Uhr

Synonym: Rinderbrucellose

1 Definition

Die Brucellose des Rindes, auch als Rinderbrucellose bekannt, ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, die durch Brucella abortus verursacht wird.

2 Erreger

Brucella spp. sind unbewegliche, kokkoide bis kurze Stäbchenbakterien, die 0,5 bis 0,7 x 0,6 bis 1,5 µm groß sind. Sie bilden eine alkalifeste Kapsel aus, die für spezielle Färbemethoden genutzt werden kann. Die Bakterien sind oxidase- und katalasepositv und leben fakultativ intrazellulär.

Die Virulenz der Erreger wird sowohl vom intrazellulären Parasitismus, als auch von Endotoxinen bestimmt.

3 Epidemiologie

Die Brucellose ist weltweit verbreitet. Deutschland ist seit 1999 frei von der Rinderbrucellose.[1] In Österreich ist die Rinderpopulation ebenfalls seit 1999 amtlich anerkannt frei von Brucella abortus. Die Schaf- und Ziegenbestände sind seit 2001 amtlich anerkannt frei von Brucella melitensis.

Im Jahr 2018 wurde ein Seuchenausbruch durch Brucella melitensis in einem Rinderbstand in Ostösterreich nachgewiesen.[2]

4 Pathogenese

Die Erregerausscheidung erfolgt besonders bei Aborten und infizierten Normalgeburten sowie über die Milch, den Harn, den Kot und Nasensekret.

Typische Übertragungswege sind einerseits die perorale Aufnahme der Erreger, andererseits der Deckakt. Gleichzeitig müssen auch Infektionen über die Haut sowie durch Arthropoden als Vektoren in Betracht gezogen werden.

Die Infektion verläuft als zyklische Allgemeinerkrankung. Nach der bakteriämischen Phase manifestieren sich die Bakterien in den Geschlechtsorganen. Bis zum Eintritt der Geschlechtsreife besteht jedoch eine Altersresistenz, die in den meisten Fällen die klinische Manifestation der Brucellose verhindert.

5 Klinik

Die Bakteriämie geht häufig nur mit einer Erhöhung der inneren Körpertemperatur einher. Die Erkrankung tritt meistens erst durch eine Verkalbung (Abort) in der 2. Trächtigkeitshälfte klinisch in Erscheinung. Dem Abort gehen in den meisten Fällen keine Krankheitszeichen voraus.

Nach dem Abort schließt sich häufig eine Rententio secundinarum (Nachgeburtsverhalten) an. Zusätzlich können betroffene Rinder an Arthritis, Tendinitis und Bursitis leiden. Klinisch manifeste Mastitiden treten selten auf, jedoch kommt es zu einer massiven Erregerausscheidung über die Milch. Beim Stier entwickeln sich eine Orchitis und Epididymitis.

6 Komplikationen

Kühe, die aufgrund einer Brucellose abortiert haben, können durchaus wieder konzipieren und ein Kalb auch normal austragen. Dennoch ist ein erneutes Verkalben häufig.

Da die Brucellose innerhalb eines Bestands enzootisch verläuft, verursacht sie erhebliche wirtschaftliche Schäden.

7 Diagnose

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus der Anamnese und der Klinik.

Da die Brucellose eine anzeigepflichtige Tierseuche ist, erfolgt die Diagnostik über ein dafür zertifiziertes Referenzlabor (z.B. Nationales Referenzlabor AGES). Die Bakterienkultur gelingt auf Brucella-Agar mit Selektivsupplementen. Alternativ kann auch eine serologische Untersuchung durchgeführt werden (Fluoreszenz-Polarisations-Assay). Falsch-positive Ergebnisse können aufgrund unterschiedlicher Kreuzreaktionen auftreten (z.B. Yersinia enterocolitica O9, Salmonellen mit dem O-Antigen 30 und Escherichia coli O157).

Um die Diagnose letztendlich zu sichern, sind bakteriologische Untersuchungen, die wiederholte Prüfung des Serums zur Feststellung von Titerentwicklungen sowie Kreuzabsättigungen der Serumproben notwendig.

8 Therapie

Aufgrund der Anzeigepflicht der Tierseuche ist eine Therapie der Brucellose EU-weit nicht erlaubt. Die durchzuführenden Maßnahmen sind in den jeweiligen Gesetzen und Verordnungen niedergeschrieben und müssten dementsprechend auch befolgt werden.

9 Zoonotische Bedeutung

Infizierte Kühe stellen ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die menschliche Gesundheit dar und verursachen die humane Brucellose.

10 Rechtliches

In Österreich ist die Rinderbrucellose gemäß dem § 16 des Tierseuchengesetzes eine anzeigepflichtige Tierseuche.[3] Die Erkrankung wird zusätzlich noch durch die Rindergesundheits-Überwachungs-Verordnung und das Zoonosegesetz geregelt.[4][5]

11 Literatur

  • Mayr A, Rolle M. Mayr A (Hrsg.). Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 8., überarbeite Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1060-7

12 Quellen

  1. Friedrich-Löffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Nationale Referenzlabore für Infektionen mit Brucella spec. (abgerufen am 09.03.2021)
  2. AGES - Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit. Brucellose (abgerufen am 09.03.2021)
  3. Rechtsinformationssystem des Bundes Österreich. Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Tierseuchengesetz (abgerufen am 09.03.2021)
  4. Rechtsinformationssystem des Bundes Österreich. Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Rindergesundheits-Überwachungs-Verordnung (abgerufen am 09.03.2021)
  5. Rechtsinformationssystem des Bundes Österreich. Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Zoonosengesetz (abgerufen am 09.03.2021)

Diese Seite wurde zuletzt am 9. März 2021 um 12:45 Uhr bearbeitet.

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