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Blitzeinleitung

Version vom 2. August 2013, 02:31 Uhr von Thomas Rielage (Diskussion | Beiträge)

Synonyme: Ileus-Einleitung, Crush-Intubation
Englisch: RSI, rapid sequence induction

1 Definition

Die Blitzeinleitung ("rapid sequence induction") oder "Ileus- Einleitung" ist eine anästhesiologische Einleitungsmethode zum Schutz vor Regurgitation und Aspiration während der Narkoseeinleitung.

2 Klinik

Bei der Blitzeinleitung wird der Patient zunächst suffizient über mindestens fünf Minuten mit dichtsitzender Gesichtsmaske präoxygeniert. Manche Autoren schlagen auch bei bekannten Ileus die Anlage einer Magensonde bei wachen Patienten vor weiteren Maßnahmen vor. So soll erreicht werden, dass der intragastrale Druck durch Reflux aus dem Darm in den Magen reduziert wird und vorhandenes Sekret vor Einleitung nach außen abgeleitet werden kann. Danach wird die Magensonde unter Absaugung des Sekretes wieder entfernt (sie könnte sonst als Leitschiene von aufsteigenden Mageninhalt dienen) und bei Oberkörperhochlagerung mit der Präoxygenierung begonnen. Ist der Patient nun suffizient präoxygeniert, erfolgt die Einleitung der Narkose. Nach suffizienter Relaxation ohne Zwischenbeatmung, mit oder ohne Krikoid-Druck wird der Patient zügig intubiert. Eine Zwischenbeatmung wird wegen einer möglichen Luftinsufflationsgefahr in den Magen weggelassen. Alternativ wird bei Kindern mittlerweile eine vorsichtige Zwischenbeatmung mit niedrigen Tidalvolumina und Spitzendrücken propagiert, da diese schnell unter Apnoe desaturieren und das Risiko einer Hypoxie höher als das Risiko einer Aspiration eingestuft wird.

3 Anwendung

Die Blitzeinleitung ist bei allen Patienten indiziert, die nicht nüchtern sind und für die ein erhöhtes Aspirationsrisiko besteht. Dazu gehören Schwangere, Notfall-Patienten mit Trauma, sowie Patienten mit

Patienten, die in den letzten 6 Stunden vor Narkoseeinleitung feste Speisen zu sich genommen haben, sind als nicht nüchtern einzustufen. Die Karenz für klare Getränke beträgt 2 Stunden.

4 Ablauf

Mit Ausprägung der Relaxation wird der Endotrachealtubus mit Führungsstab in der Luftröhre platziert und der Cuff sofort und sicher geblockt. Auf den Krikoiddruck (Sellick-Handgriff) verzichten wegen nicht nachgewiesener Wirksamkeit viele Anästhesisten. Zudem erschwert er oft das Vorschieben des Tubus.

5 Risiken

  • Aspiration mit Lungenschädigung (Pneumonie, ARDS)
  • Fehlintubation
  • Hypoxie
  • Erhöhtes Risiko für Zahnschäden
  • Hypotension
  • Ösophagusruptur

6 Medikamente

Für die Blitzeinleitung werden Medikamente bevorzugt, die einen schnellen Wirkungseintritt aufweisen. Unter den Opioiden sind Fentanyl und dessen Analoga Remifentanil und Sufentanil Mittel der Wahl.

Bei den Hypnotika wird dem Barbiturat Thiopental wegen eines sehr schnellen Wirkungsintritts (Patienten schlafen noch während der Injektion ein) Vorzug gegeben. Alternativ wird zunehmend Propofol verwendet. Etomidate ist wegen des langsamen Wirkungseintritts ebenso ungeeigenet wie Benzodiazepine (paradoxe Reaktion möglich)


Die Relaxation mit Succinylcholin wird auf Grund der unerwünschten Wirkungen zunehmend verlassen ist für manche Anästhesisten jedoch noch der Goldstandard. Bei Kontraindikation kann auf Rocuronium ausgewichen werden, das sich in Studien unter dem Gesichtspunkt Anschlagszeit und Intubationsbedingenen als ebenbürtig dargestellt hat.

Diese Seite wurde zuletzt am 9. April 2020 um 15:44 Uhr bearbeitet.

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