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Blaues LED-Licht: Unterschied zwischen den Versionen

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''Synonyme: LED, LED-Licht''
 
 
 
== Definition ==
 
== Definition ==
Bei blauem LED-Licht handelt es sich um sichtbares Licht der [[Wellenlänge]] 400 bis 490 nm, welches von lichtemittierenden Dioden (LEDs) erzeugt wird. Sein möglicher Nutzen in der [[Schmerztherapie]] wird zur Zeit erforscht. Blaues LED-Licht der Wellenlänge 453 nm wird zu therapeutischen Zwecken in der Schmerztherapie und der Dermatologie eingesetzt.
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Bei '''blauem LED-Licht''' handelt es sich um sichtbares Licht der [[Wellenlänge]] 400 bis 490 nm, das von lichtemittierenden Dioden (LEDs) erzeugt wird. Es wird sporadisch im Sinne der [[Alternativmedizin]] in der Schmerztherapie und in der [[Dermatologie]] eingesetzt. Die Wirksamkeit der Methode ist nicht ausreichend belegt und daher umstritten.
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== Hintergrund ==
 
== Hintergrund ==
Die in der Medizin eingesetzten LEDs können höhere Intensitäten erreichen als die LEDs üblicher Lichtquellen. Darüber hinaus können sie für spezielle Einsatzgebiete gepulst betrieben werden, so dass ihre Licht- bzw. Strahlungsleistung moduliert.
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Die in der Medizin eingesetzten LEDs sollen höhere Intensitäten erreichen als die LEDs üblicher Lichtquellen. Sie werden gepulst betrieben, so dass ihre Licht- bzw. Strahlungsleistung moduliert wird.
Die hohe Fluenz (Anzahl ausgestrahlter Lichtteilchen pro Fläche) von blauem LED-Licht der Wellenlänge 453 nm bewirkt, dass es menschliches Gewebe gut durchdringt und körpereigene Prozesse positiv beeinflussen kann. Bis zu einer täglichen Strahlungsdosis von 250 J/cm² ist es nicht toxisch, hat also keine schädigende Wirkung auf Hautzellen.<ref>Kolb-Bachofen, V. Abschlussbericht zum BMBF-Verbundprojekt. Universität Düsseldorf; 2010 </ref>
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Blaues LED-Licht kann oberflächliche Hautschichten durchdringen und möglicherweise körpereigene Prozesse positiv beeinflussen. Bis zu einer täglichen Strahlungsdosis von 250 J/cm² ist es nicht toxisch, soll also keine schädigende Wirkung auf Hautzellen haben.<ref>Kolb-Bachofen, V. Abschlussbericht zum BMBF-Verbundprojekt. Universität Düsseldorf; 2010 </ref>
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==Medizinische Anwendung==
 
==Medizinische Anwendung==
In der Medizin findet blaues Licht der Wellenlänge 453 nm in folgenden Bereichen Anwendung:
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Blaues LED-Licht wird gelegentlich zur topischen Behandlung der [[Psoriasis vulgaris]] und in der [[Schmerztherapie]] angewendet. Das Verfahren ist keine Standardtherapie und wird auch nicht in den einschlägigen [[Leitlinie]]n erwähnt.
=== Psoriasis vulgaris ===
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=== Schmerztherapie ===
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== Wirkmechanismus==
== Wirkung ==
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Die genaue Wirkrationale des blauen LED-Lichts ist unklar und überwiegend hypothetisch. Das Licht soll auf zellulärem und subzellulärem Level wirken. Blaues Licht der Wellenlänge 453 nm soll die Produktion des natürlich im Körper vorkommenden Signalmoleküls [[Stickstoffmonoxid]] (Nitric Oxide, NO) anregen. Im Wesentlichen werden drei Effekte für die behauptete therapeutische Wirkung verantwortlich gemacht:
Blaues Licht der Wellenlänge 453 nm regt die Produktion des natürlich im Körper vorkommenden Signalmoleküls [[Stickstoffmonoxid]] (Nitric Oxide, NO) an. NO wiederum initiiert die Differenzierung und damit Reifung von Zellen. Außerdem aktiviert es Signalwege, die dazu führen, dass sich die Gefäßmuskulatur entspannt (Relaxation), sich die Blutgefäße erweitern ([[Vasodilatation]]) und demzufolge die Durchblutung gesteigert wird.
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* Blaues LED-Licht soll die Differenzierung von [[Keratinozyt]]en fördern und deren übermäßige Vermehrung (Hyperproliferation) hemmen. Bei diesem Prozess soll auch die gesteigerte NO-Freisetzung eine Rolle spielen.<ref>Liebmann et al. JID. 130:259-269; 2010</ref> In zwei Studien konnte anhand des LPSI ([[Local Psoriasis Severity Index]]) gezeigt werden, dass blaues LED-Licht geringfügig die Rötung, Verdickung und Schuppung der betroffenen Hautstellen vermindert.<ref> Weinstabl et al. Dermatology, 223: 251-259. 2011</ref><ref>Pfaff et al. Dermatology, 231: 24-34. 2015</ref>
=== Beeinflussung von Hyperproliferation und Differenzierung von Keratinozyten ===
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* Blaues LED-Licht soll entzündungsfördernde Prozesse in der Haut unterdrücken, wie die Freisetzung von [[Zytokin]]en und die Aktivierung von [[T-Zelle]]n durch [[dendritische Zelle]]n.<ref>Fischer et al. Experimental Dermatology, 22:554-563. 2013</ref>  
Blaues LED-Licht fördert die Differenzierung von [[Keratinozyt]]en und hemmt deren übermäßige Vermehrung (Hyperproliferation). Bei diesem Prozess scheint auch die gesteigerte NO-Freisetzung eine Rolle zu spielen.<ref>Liebmann et al. JID. 130:259-269; 2010</ref> Den Effekt macht man sich für die Behandlung von Psoriasis vulgaris zu Nutze: In zwei Studien wurde bereits anhand des LPSI (Local Psoriasis Severity Index) gezeigt, dass das blaue LED-Licht Rötung, Verdickung und Schuppung der betroffenen Hautstellen vermindert.<ref> Weinstabl et al. Dermatology, 223: 251-259. 2011</ref> <ref>Pfaff et al. Dermatology, 231: 24-34. 2015</ref>
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* Durch die Steigerung der NO-Produktion soll blaues LED-Licht die Durchblutung der Haut fördern,<ref>Opländer et al. Free Radical Biology and Medicine, 65:1363-1377. 2013</ref> so dass diese besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden kann und Substanzen – beispielsweise schmerzverursachende – theoretisch besser abtransportiert werden können.  
=== Regulation von Entzündungsprozessen ===
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Blaues LED-Licht unterdrückt entzündungsfördernde Prozesse in der Haut, wie die Freisetzung von Cytokinen und die Aktivierung von T-Zellen durch dentritische Zellen.<ref>Fischer et al. Experimental Dermatology, 22:554-563. 2013</ref> Auch diese Wirkung von blauem LED-Licht wird in der symptomatischen Therapie der entzündlichen Hauterkrankung [[Psoriasis vulgaris]] genutzt.<ref> Weinstabl et al. Dermatology, 223: 251-259. 2011</ref> <ref>Pfaff et al. Dermatology, 231: 24-34. 2015</ref>
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==Kritik==
=== Steigerung der Durchblutung ===
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Das Design der klinischen Studien, die sich mit der Wirkung von blauem LED-Licht beschäftigen, ermöglicht keine klaren Aussagen zur Wirksamkeit dieser Therapieform. Die Wirkrationale [[in vivo]] ist nicht hinreichend belegt. Es fehlen [[doppelblind]]e, [[placebokontrolliert]]e Studien mit einer ausreichenden Patientenzahl, die einen Vergleich mit besser dokumentierten Therapieverfahren (z.B. [[PUVA]]) ermöglichen.
Durch die Steigerung der NO-Produktion fördert blaues LED-Licht die Durchblutung der Haut,<ref>Opländer et al. Free Radical Biology and Medicine, 65:1363-1377. 2013</ref> so dass diese besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden kann und Substanzen – beispielsweise schmerzverursachende – besser abtransportiert werden können. Dies bildet die Grundlage für den Einsatz von blauem LED-Licht in der [[Schmerztherapie]].
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=== Wärme als Zusatznutzen ===
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Bei der Erzeugung von blauem LED-Licht entsteht [[Wärme]], die zur Linderung chronischer muskulärer Schmerzen genutzt wird.
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== Quellen ==
 
== Quellen ==
 
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Aktuelle Version vom 25. Januar 2017, 10:41 Uhr

1 Definition

Bei blauem LED-Licht handelt es sich um sichtbares Licht der Wellenlänge 400 bis 490 nm, das von lichtemittierenden Dioden (LEDs) erzeugt wird. Es wird sporadisch im Sinne der Alternativmedizin in der Schmerztherapie und in der Dermatologie eingesetzt. Die Wirksamkeit der Methode ist nicht ausreichend belegt und daher umstritten.

2 Hintergrund

Die in der Medizin eingesetzten LEDs sollen höhere Intensitäten erreichen als die LEDs üblicher Lichtquellen. Sie werden gepulst betrieben, so dass ihre Licht- bzw. Strahlungsleistung moduliert wird.

Blaues LED-Licht kann oberflächliche Hautschichten durchdringen und möglicherweise körpereigene Prozesse positiv beeinflussen. Bis zu einer täglichen Strahlungsdosis von 250 J/cm² ist es nicht toxisch, soll also keine schädigende Wirkung auf Hautzellen haben.[1]

3 Medizinische Anwendung

Blaues LED-Licht wird gelegentlich zur topischen Behandlung der Psoriasis vulgaris und in der Schmerztherapie angewendet. Das Verfahren ist keine Standardtherapie und wird auch nicht in den einschlägigen Leitlinien erwähnt.

4 Wirkmechanismus

Die genaue Wirkrationale des blauen LED-Lichts ist unklar und überwiegend hypothetisch. Das Licht soll auf zellulärem und subzellulärem Level wirken. Blaues Licht der Wellenlänge 453 nm soll die Produktion des natürlich im Körper vorkommenden Signalmoleküls Stickstoffmonoxid (Nitric Oxide, NO) anregen. Im Wesentlichen werden drei Effekte für die behauptete therapeutische Wirkung verantwortlich gemacht:

  • Blaues LED-Licht soll die Differenzierung von Keratinozyten fördern und deren übermäßige Vermehrung (Hyperproliferation) hemmen. Bei diesem Prozess soll auch die gesteigerte NO-Freisetzung eine Rolle spielen.[2] In zwei Studien konnte anhand des LPSI (Local Psoriasis Severity Index) gezeigt werden, dass blaues LED-Licht geringfügig die Rötung, Verdickung und Schuppung der betroffenen Hautstellen vermindert.[3][4]
  • Blaues LED-Licht soll entzündungsfördernde Prozesse in der Haut unterdrücken, wie die Freisetzung von Zytokinen und die Aktivierung von T-Zellen durch dendritische Zellen.[5]
  • Durch die Steigerung der NO-Produktion soll blaues LED-Licht die Durchblutung der Haut fördern,[6] so dass diese besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden kann und Substanzen – beispielsweise schmerzverursachende – theoretisch besser abtransportiert werden können.

5 Kritik

Das Design der klinischen Studien, die sich mit der Wirkung von blauem LED-Licht beschäftigen, ermöglicht keine klaren Aussagen zur Wirksamkeit dieser Therapieform. Die Wirkrationale in vivo ist nicht hinreichend belegt. Es fehlen doppelblinde, placebokontrollierte Studien mit einer ausreichenden Patientenzahl, die einen Vergleich mit besser dokumentierten Therapieverfahren (z.B. PUVA) ermöglichen.

6 Quellen

  1. Kolb-Bachofen, V. Abschlussbericht zum BMBF-Verbundprojekt. Universität Düsseldorf; 2010
  2. Liebmann et al. JID. 130:259-269; 2010
  3. Weinstabl et al. Dermatology, 223: 251-259. 2011
  4. Pfaff et al. Dermatology, 231: 24-34. 2015
  5. Fischer et al. Experimental Dermatology, 22:554-563. 2013
  6. Opländer et al. Free Radical Biology and Medicine, 65:1363-1377. 2013

Diese Seite wurde zuletzt am 25. Januar 2017 um 10:41 Uhr bearbeitet.

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