Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Beta-Laktam-Antibiotikum: Unterschied zwischen den Versionen

(Wirkmechanismus)
 
(18 dazwischenliegende Versionen von 12 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
''Synonyme: Betalaktamantibiotikum, Beta-Lactam-Antibiotikum<BR>
+
''Synonyme: Betalaktamantibiotikum, Beta-Lactam-Antibiotikum, ß-Lactam-Antibiotikum<BR>
 
'''''Englisch''': beta-lactam-antibiotics''
 
'''''Englisch''': beta-lactam-antibiotics''
  
Zeile 5: Zeile 5:
 
'''Beta-Laktam-Antibiotika''' sind eine Gruppe von [[Antibiotika]], die als gemeinsames chemisches Merkmal einen [[Laktam|Beta-Laktam-Ring]] enthalten. Sie stören dadurch die [[Synthese]] der bakteriellen [[Zellwand]].
 
'''Beta-Laktam-Antibiotika''' sind eine Gruppe von [[Antibiotika]], die als gemeinsames chemisches Merkmal einen [[Laktam|Beta-Laktam-Ring]] enthalten. Sie stören dadurch die [[Synthese]] der bakteriellen [[Zellwand]].
  
==Wirkung==
+
==Wirkmechanismus==
Die Beta-Lactam-Antibiotika hemmen die Zellwandsynthese von Bakterien. Diese Zellwand ist für die [[Einzeller]] lebensnotwendig. Bakterien haben eine hohe [[Osmose|osmotische]] Teilchenkonzentration in ihrem Zytoplasma. Wenn die Zellwand nicht mehr oder nicht mehr ausreichend vorhanden ist, kann Wasser in das Zellinnere einstömen und das Bakterium schwillt an und das [[Plasmalemm]] zerreißt, denn dieses ist nicht elastisch. Da [[Eukaryot|eukaryotische]] [[Zelle]]n keine Zellwand besitzen, sind die Substanzen gegenüber diesen unwirksam.
+
Die Beta-Laktam-Antibiotika hemmen die Zellwandsynthese von Bakterien. Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit mit D-Alanyl-D-Alanin wirken Beta-Laktam-Antibiotika als [[Substratanalogon|Substratanaloga]], indem sie kovalent an das [[Serin]] im aktiven Zentrum der [[Transpeptidase]] binden. Auf diese Weise blockieren sie das für die Zellwandsynthese essentielle Enzym irreversibel.
Auf ruhende (latente) Keime haben Beta-Laktam-Antibiotika nur eine [[bakteriostatisch]]e Wirkung, auf sich vermehrende Populationen jedoch eine [[bakterizid]]e.
+
 
 +
Die Zellwand ist für die [[Einzeller]] lebensnotwendig. Bakterien haben eine hohe [[Osmose|osmotische]] Teilchenkonzentration in ihrem Zytoplasma. Wenn die Zellwand nicht mehr oder nicht mehr ausreichend vorhanden ist, kann Wasser in das Zellinnere einströmen und das Bakterium schwillt an und das [[Plasmalemma]] zerreißt, denn dieses ist nicht elastisch. Da [[Eukaryot|eukaryotische]] [[Zelle]]n keine Zellwand besitzen, sind die Substanzen gegenüber diesen unwirksam.
 +
 
 +
Auf ruhende (latente) Keime haben Beta-Laktam-Antibiotika aufgrund ihrer Wirkweise nur eine [[bakteriostatisch]]e Wirkung, auf sich vermehrende Populationen jedoch eine [[bakterizid]]e.
 +
 
 +
==Wirksamkeit==
 +
Alle Beta-Laktam-Antibiotika sind primär unwirksam gegen zellwandlose Bakterien ([[Mykoplasmen]]) und Erreger, die sich [[intrazellulär]] vermehren (z.B. [[Chlamydien]] und [[Legionellen]]). Darüber hinaus kann ihre Wirkung durch bestimmte bakterielle Enzyme ([[Betalaktamase]]n) abgeschwächt werden (siehe Resistenz). Bei einer hohen Bakterienkonzentration zeigen Beta-Lactam-Antibiotika eine reduzierte Wirkung, was als [[Eagle-Effekt]] bezeichnet wird.
 +
 
 +
Die klinische Wirksamkeit von Betalaktamantibiotika korreliert mit der nicht-proteingebundenen ''freien'' Wirkstoffkonzentration, welche die [[minimale Hemmkonzentration]] (MHK) überschreitet.
  
 
==Substanzen==
 
==Substanzen==
Zeile 15: Zeile 23:
 
* [[Monobactame]]
 
* [[Monobactame]]
 
* [[Carbapeneme]]
 
* [[Carbapeneme]]
 +
 +
Ebenfalls Beta-Laktame, aber ohne antibiotische Wirkung sind [[Betalaktamaseinhibitor]]en wie:
 +
* [[Clavulansäure]]
 +
* [[Sulbactam]]
 +
* [[Tazobactam]]
 +
* [[Avibactam]]
  
 
==Resistenzen==
 
==Resistenzen==
Einige Bakterien sind in der Lage ein [[Enzym]] namens [[Beta-Laktamase]] (z.B. Staphylokokken) zu bilden. Dieses Enzym spaltet den Beta-Laktam-Ring des Antibiotikums und inaktiviert es dadurch. Ist eine höhere Konzentration von Beta-Laktam-Antibiotikum vorhanden, wird auch das Enzym vermehrt gebildet. Um diese Resistenzentwicklung zu überlisten sind Hemmstoffe der Beta-Laktamase (z.B. [[Clavulansäure]]) entwickelt worden, die bei gleichzeitiger Gabe mit dem Antibiotikum dessen Wirksamkeit erhöhen.
+
Einige Bakterien sind in der Lage ein [[Enzym]] namens [[Beta-Laktamase]] (z.B. [[Staphylokokken]]) zu bilden. Dieses Enzym spaltet den Beta-Laktam-Ring des Antibiotikums und inaktiviert es dadurch. Ist eine höhere Konzentration von Beta-Laktam-Antibiotikum vorhanden, wird auch das Enzym vermehrt gebildet. Um diese Resistenzentwicklung zu überlisten sind Hemmstoffe der Beta-Laktamase (z.B. [[Clavulansäure]]) entwickelt worden, die bei gleichzeitiger Gabe mit dem Antibiotikum dessen Wirksamkeit erhöhen.
 +
 
 +
Carbapeneme und Monobactame sind weitgehend unempfindlich gegen herkömmlich Beta-Laktamasen, allerdings wurden kürzlich zunehmend Bakterienstämme beobachtet, die [[Carbapenemase]]n bilden.
 +
[[Fachgebiet:Infektiologie]]
 
[[Fachgebiet:Pharmakologie]]
 
[[Fachgebiet:Pharmakologie]]
 +
[[Tag:Antibiotikum]]
 +
[[Tag:Beta-Lactam-Antibiotikum]]
 +
[[Tag:Carbapenem]]
 +
[[Tag:Cephalosporin]]
 +
[[Tag:Monobactam]]
 +
[[Tag:Penicillin]]

Aktuelle Version vom 14. Mai 2018, 16:15 Uhr

Synonyme: Betalaktamantibiotikum, Beta-Lactam-Antibiotikum, ß-Lactam-Antibiotikum
Englisch: beta-lactam-antibiotics

1 Definition

Beta-Laktam-Antibiotika sind eine Gruppe von Antibiotika, die als gemeinsames chemisches Merkmal einen Beta-Laktam-Ring enthalten. Sie stören dadurch die Synthese der bakteriellen Zellwand.

2 Wirkmechanismus

Die Beta-Laktam-Antibiotika hemmen die Zellwandsynthese von Bakterien. Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit mit D-Alanyl-D-Alanin wirken Beta-Laktam-Antibiotika als Substratanaloga, indem sie kovalent an das Serin im aktiven Zentrum der Transpeptidase binden. Auf diese Weise blockieren sie das für die Zellwandsynthese essentielle Enzym irreversibel.

Die Zellwand ist für die Einzeller lebensnotwendig. Bakterien haben eine hohe osmotische Teilchenkonzentration in ihrem Zytoplasma. Wenn die Zellwand nicht mehr oder nicht mehr ausreichend vorhanden ist, kann Wasser in das Zellinnere einströmen und das Bakterium schwillt an und das Plasmalemma zerreißt, denn dieses ist nicht elastisch. Da eukaryotische Zellen keine Zellwand besitzen, sind die Substanzen gegenüber diesen unwirksam.

Auf ruhende (latente) Keime haben Beta-Laktam-Antibiotika aufgrund ihrer Wirkweise nur eine bakteriostatische Wirkung, auf sich vermehrende Populationen jedoch eine bakterizide.

3 Wirksamkeit

Alle Beta-Laktam-Antibiotika sind primär unwirksam gegen zellwandlose Bakterien (Mykoplasmen) und Erreger, die sich intrazellulär vermehren (z.B. Chlamydien und Legionellen). Darüber hinaus kann ihre Wirkung durch bestimmte bakterielle Enzyme (Betalaktamasen) abgeschwächt werden (siehe Resistenz). Bei einer hohen Bakterienkonzentration zeigen Beta-Lactam-Antibiotika eine reduzierte Wirkung, was als Eagle-Effekt bezeichnet wird.

Die klinische Wirksamkeit von Betalaktamantibiotika korreliert mit der nicht-proteingebundenen freien Wirkstoffkonzentration, welche die minimale Hemmkonzentration (MHK) überschreitet.

4 Substanzen

Zu den Beta-Laktam-Antibiotika zählt man folgende Substanzen:

Ebenfalls Beta-Laktame, aber ohne antibiotische Wirkung sind Betalaktamaseinhibitoren wie:

5 Resistenzen

Einige Bakterien sind in der Lage ein Enzym namens Beta-Laktamase (z.B. Staphylokokken) zu bilden. Dieses Enzym spaltet den Beta-Laktam-Ring des Antibiotikums und inaktiviert es dadurch. Ist eine höhere Konzentration von Beta-Laktam-Antibiotikum vorhanden, wird auch das Enzym vermehrt gebildet. Um diese Resistenzentwicklung zu überlisten sind Hemmstoffe der Beta-Laktamase (z.B. Clavulansäure) entwickelt worden, die bei gleichzeitiger Gabe mit dem Antibiotikum dessen Wirksamkeit erhöhen.

Carbapeneme und Monobactame sind weitgehend unempfindlich gegen herkömmlich Beta-Laktamasen, allerdings wurden kürzlich zunehmend Bakterienstämme beobachtet, die Carbapenemasen bilden.

Diese Seite wurde zuletzt am 14. Mai 2018 um 16:15 Uhr bearbeitet.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

28 Wertungen (3.39 ø)

219.496 Aufrufe

Copyright ©2021 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: