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Barbiturat

Version vom 31. Oktober 2018, 17:55 Uhr von Leonardo Glowna (Diskussion | Beiträge)

Englisch: barbiturate

1 Definition

Als Barbiturate bezeichnet man eine Gruppe von Arzneistoffen mit sedierender, hypnotischer und narkotischer Wirkung. Sie leiten sich von der Barbitursäure ab (Diureide).

2 Einteilung

Man unterscheidet folgende Typen von Barbituraten:

3 Wirkweise

Barbiturate wirken biochemisch als positive allosterische Modulatoren an GABA-A-Rezeptoren. Dies bedeutet, dass sie an den Rezeptor binden und in ANWESENHEIT der GABA die Öffnungswahrscheinlichkeit des Rezeptors erhöhen. Durch die erhöhte Öffnungsfrequenz strömen somit vermehrt Chlorid-Ionen durch den ionotropen Rezeptor. Es kommt letztlich zu einer Hyperpolarisation der postsynaptischen Zelle (inhibitorische Synapse). In hohen Konzentrationen allerdings können Barbiturate den Rezeptor GABA-unabhängig aktivieren (Unterschied zu z.B. Benzodiazepinen), wodurch sich unter anderem die Toxizität dieser Stoffklasse erklären lässt. Zudem wirken sie hemmend an glutamatergen AMPA-Rezeptoren. In höheren Dosierungen können sie spannungsgesteuerte Natriumkanäle blockieren und die Atmungskette hemmen, indem sie die Übertragung der Elektronen vom Flavinmononukleotid auf Ubichinon behindern (Komplex I).

4 Verwendung

Barbiturare finden Verwendung als Injektionsnarkotika (kurz wirkende Barbiturate) und als Antiepileptika. Auch zur Senkung des Hirndrucks werden sie eingesetzt.

Aufgrund der Risiken (Gefahr der Abhängigkeit, Toxizität) werden sie nicht mehr als Schlafmittel eingesetzt.

5 Nebenwirkungen

Zu den unerwünschten Nebenwirkungen gehören u.a. Sedierung, Schwindel, Amnesie, Übelkeit, Erbrechen, Hautreaktionen, und Leberfunktionsstörungen. Bei einer Vergiftung mit Barbituraten treten Atem- und Herzstillstand auf.

Bei versehentlicher intraarterieller oder paravasaler Gabe wirken Barbiturate stark gewebsschädigend und müssen sofort durch Gabe von NaCl verdünnt werden.

Bei einer Langzeitbehandlung entwickelt sich eine starke Abhängigkeit, weswegen Vorsicht geboten ist! Bei Entzug können Übererregbarkeit, Angst und Krampfanfälle auftreten. Barbiturate unterliegen der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV).

6 Kontraindikationen

Porphyrie ist eine Kontraindikation, da Barbiturate die Aminolävulinsäuresynthase induzieren und sich somit vermehrt Zwischenprodukte der Hämsynthese anreichern. Auch ein Status asthmaticus ist eine Kontraindikation, weil Barbiturate zur Histaminfreisetzung führen.

Diese Seite wurde zuletzt am 7. Februar 2021 um 02:35 Uhr bearbeitet.

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