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Bakterielle Vaginose

Version vom 31. Juli 2018, 15:43 Uhr von Nicht mehr aktiv :-( (Diskussion | Beiträge)

Synonyme: Anaerobiervaginose, Gardnerella-Vaginitis, unspezifische Kolpitis, Aminkolpitis, BV
Englisch: bacterial vaginosis

1 Definition

Unter einer bakteriellen Vaginose oder Aminkolpitis versteht man eine Mischinfektion der Vagina nach atypischer Besiedlung durch Gardnerella vaginalis und anaeroben Bakterien in hoher Keimzahl. Die Erkrankung wird durch Geschlechtsverkehr begünstigt und zur Gruppe der Sexually Transmitted Diseases (STD) gezählt.

ICD-10-Code:

  • N76.0 (akute)
  • N76.1 (subkutane und chronische)

2 Epidemiologie

Die mikrobielle Vaginose ist die häufigste Form der Kolpitis und tritt bei 5-8% der Frauen auf.

3 Ätiologie und Pathogenese

Die vaginale Normalflora wird v.a. von Döderlein-Stäbchen (v.a. Laktobazillen) dominiert, die für ein saures Milieu (pH < 4,5) sorgen. Schwangerschaft, Geburt, operative Eingriffe wie Episiotomie und Laparotomie sowie übertriebene Vaginal-Hygiene (Vaginaldusche), Antibiotika, Fremdkörper, häufiger Geschlechtsverkehr etc. begünstigen das Wachstum zahlenmäßig geringer Anaerobier wie Gardnerella vaginalis.

Gardnerella vaginalis ist ein gramnegatives, unbewegliches, kurzes Stäbchen. Durch synergistische Förderung des Stoffwechsels gramnegativer, obligater Anaerobier, kommt es zum pathologischen Fluor, der durch die Aminfreisetzung einen charakteristischen Geruch hat. Die Diagnose "Aminkolpitis" darf allerdings erst gestellt werden, wenn die anaeroben Bakterien in sehr hoher Keimzahl vorliegen.

Etwa bei 40% aller asymptomatischen Frauen kann man Gardnerella vaginalis nachweisen. Da eine Aszension möglich ist und zu einer schweren Infektion des oberen Genitaltraktes führen kann, ist die Therapie obligat.

4 Symptomatik

Im Gegensatz zu anderen Kolpitiden, klagen die Patientinnen selten über Juckreiz oder Rötungen. Der grau-weißliche, dünnflüssige Fluor, mit typischem, unangenehmen, fischartigem Geruch, steht in der Regel als einziges Symptom im Vordergrund. Die Leistenlymphknoten sind nur sehr selten geschwollen.

5 Diagnostik

Anhand der Amsel-Kriterien wird ermittelt, ob eine bakterielle Vaginose vorliegt. Diese sind erfüllt, wenn drei der folgenden vier Punkte zutreffen:

Zur klinischen Beurteilung des Fluors wird der Amintest durchgeführt, um die Perzeption des Geruches zu verbessern: durch Aufträufeln von 1-2 Tropfen 10%iger Kalilauge intensiviert sich der Fischgeruch des Vaginalsekretes. Der pH-Wert liegt über 4,5.

Im Phasenkontrastmikroskop lässt sich der zytologische Nachweis führen: Sowohl im Nativpräparat, als auch in der Methylenblaufärbung finden sich dicht mit Bakterien besetzte Epithelzellen. Sie werden auch als Schlüsselzellen (Clue cells) bezeichnet. Weiterhin muss die Mischinfektion und die Quantität der Anaerobier beurteilt werden. Begleitinfektionen mit Trichomonaden und Mykoplasmen und Candida sind auszuschliessen.

Der kulturelle Nachweis ist nur in besonderen Fällen mit hartnäckigen Rezidiven indiziert.

6 Therapie

Da eine Aszension der Keime von der Vagina in den oberen Genitaltrakt möglich ist und zu einer schweren Infektion des oberen Genitaltraktes führen kann, ist in der Regel immer eine Therapie der bakteriellen Vaginose indiziert.

Goldstandard der medikamentösen Therapie der bakteriellen Vaginose ist die Gabe des Antibiotikums Metronidazol (z.B. Clont®, Arilin®), da es sehr gut gegen Anaerobier wirkt. Amoxicillin oder Clindamycin können alternativ verordnet werden.

Bei oraler Applikation können bis zu 90% der Infektionen erfolgreich behandelt werden. Die topische Therapie mit Metronidazol-Vaginaltabletten ist ebenfalls möglich.

Als nicht-antibiotische Verfahren, können Behandlungen mit Milchsäurepräparaten, Vaginalzäpfchen mit Lactobazillen oder Vitamin C versucht werden. Weiterhin kannn das Antiseptikum Dequaliniumchlorid als Vaginaltablette (z.B. Fluomizin®) als mögliche Therapieoption verordnet werden; es wirkt auch antimykotisch.

In der Schwangerschaft erfolgt die Therapie vor 15 Schwangerschaftswochen mit Clindamycin; oral 2 x 300mg/Tag über 7 Tage bzw. topisch mit Clindamycin-Creme. Nach 15 Schwangerschaftswochen kann Metronidazol appliziert werden. Dequaliniumchlorid-Vaginaltabletten können während der gesamten Schwangerschaft (und Stillzeit) angewendet werden, sollte die klinische Notwendigkeit bestehen.

7 Literatur

  • Mendling W: Diagnostik und Therapie beim Symptom Fluor. Frauenarzt 2018; 59: 120-8
  • Gätje R, Eberle C et al.: Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe. 2. Auflage, 2015. Thieme Verlag

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