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Bakterielle Vaginose

Version vom 6. November 2016, 17:40 Uhr von Ivan Lechner (Diskussion | Beiträge)

Synonyme: Anaerobiervaginose, Gardnerella-Vaginitis; unspezifische Kolpitis, Aminkolpitis
Englisch: bacterial vaginosis

1 Definition

Die bakterielle Vaginose (BV) beschreibt eine bakterielle Störung der Vaginalflora mit einer Reduktion der Laktobazillen und der Vermehrung einer aerob-anaeroben Mischflora, wie Gardnerella vaginalis, Mobiluncus species, Prevotella species sowie Mycoplasma hominis und Ureaplasmen. Gardnerella stellt dabei den entscheidenden Marker der Erkrankung dar. Vorstufe der BV ist die vaginale Dysbiose.

2 Pathophysiologie

Die vaginale Normalflora wird v.a. von Döderlein-Stäbchen (nützliche Bakterien) dominiert, die für ein saures Milieu (pH < 4,5) sorgen. Auch andere Bakterien kommen physiologischer Weise in geringer Zahl vor (z.B. B-Streptokokken, E-Coli, Gardnerella vaginalis, etc.).

Durch übertriebene Vaginal-Hygiene (Vaginaldusche), Antibiotika, Fremdkörper, häufigen Geschlechtsverkehr, etc. kann das natürliche Milieu gestört werden. Es kommt zu einem Ungleichgewicht von nützlichen Döderlein-Stäbchen und anderen Bakterien wie Gardnerella vaginalis, E-Coli, B-Streptokokken, Klebsiella, etc.

Auch Schwangerschaft, Geburt und operative Eingriffe (Episiotomie, Laparotomie, usw.) können das Anaerobierwachstum begünstigen.

3 Symptomatik

Häufig bleibt eine bakterielle Vaginose asymptomatisch. Ca. 50% der Patientinnen sind beschwerdefrei. Es kommt jedoch durch die pH-Änderung und die Anaerobier zu vermehrtem Fluor vaginalis und unangenehmen Amingeruch (Fischgeruch) sowie zu einem unangenehmen Nässegefühl.

Im Gegensatz zu anderen Kolpitiden, klagen die Patientinnen selten über Juckreiz oder Rötungen. Die Leistenlymphknoten sind nur sehr selten geschwollen.

Die bakterielle Vaginose ist die häufigste Ursache für eine Vaginitis. Von einer Vaginitis/Vulvovaginitis/Kolpitis/Aminkolpitis spricht man erst, wenn die anaeroben Bakterien in sehr hoher Keimzahl vorliegen.

4 Diagnostik

Zur Diagnostik einer bakteriellen Vaginose wird vom Gynäkologen eine vaginale Infektionsdiagnostik durchgeführt.

Zur besseren Beurteilung des Geruchs des Fluors kann der Amintest durchgeführt werden. Durch Aufträufeln von 1-2 Tropfen 10%iger Kalilauge intensiviert sich der Fischgeruch des Vaginalsekretes.

Anhand der Amsel-Kriterien wird ermittelt, ob eine bakterielle Vaginose vorliegt. Diese sind erfüllt, wenn drei der folgenden vier Punkte zutreffen:

  • pH > 4,5
  • Amingeruch
  • Fluor vaginalis
  • Clue Cells

4.1 pH-Untersuchung

Der pH-Wert kann ganz unkompliziert mit Hilfe einer Pinzette und eine pH-Indikatorstreifen aus dem mittleren Scheidendrittel bestimmt werden.

4.2 zytologische Untersuchung

Unter dem Mikroskop sieht man vaginale Epithelzellen, die bei der bakteriellen Vaginose meist mit Bakterien besetzt sind ("Bakterienrasen"): Diese mit Bakterien besetzten Zellen nennt man Clue cells. Die quantität der Anaerobier wird beurteilt. Weiterhin wird mikroskopisch nach anderen Keimen wie anaerobe Bakterien, Trichomonaden, Candida, Mykoplasmen, etc. gesucht werden (oft Mischinfektion!).

4.3 mikrobiologische Untersuchung

Der kulturelle Nachweis ist in besonderen Fällen mit hartnäckigen Rezidiven indiziert.

5 Therapie

Da eine Aszension der Keime von der Vagina in den oberen Genitaltrakt möglich ist und zu einer schweren Infektion des oberen Genitaltraktes führen kann, ist in der Regel immer eine Therapie der bakteriellen Vaginose indiziert.

Goldstandard der medikamentösen Therapie der bakteriellen Vaginose ist die Gabe des Antibiotikums Metronidazol (z.B. Clont ®, Arilin ®), da es sehr gut gegen Anaerobier wirkt.

Bei oraler Applikation können bis zu 90% der Infektionen erfolgreich behandelt werden. Die topische Therapie mit Metronidazol-Vaginaltabletten ist ebenfalls möglich.

Amoxicillin oder Clindamycin können alternativ verordnet werden. Als nicht-antibiotische Verfahren, können Behandlungen mit Milchsäurepräparaten, Vaginalzäpfchen mit Lactobazillen oder Vitamin C versucht werden.

In der Schwangerschaft erfolgt die Therapie vor 15 Schwangerschaftswochen mit Clindamycin; oral 2 x 300mg/Tag über 7 Tage bzw. topisch mit Clindamycin-Creme. Nach 15 Schwangerschaftswochen kann Metronidazol appliziert werden.

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