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Bakterielle Vaginose: Unterschied zwischen den Versionen

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Die vaginale [[Normalflora]] wird v.a. von [[Döderlein-Stäbchen]] (nützliche Bakterien) dominiert, die für ein saures [[Milieu]] ([[pH]] < 4,5) sorgen. Auch andere Bakterien kommen [[physiologisch]]erweise in geringer Zahl vor, z.B. [[B-Streptokokken]], [[Escherichia coli]], [[Gardnerella vaginalis]], [[Atopobium vaginae]] oder [[Eubacterium]]-Spezies.
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Die vaginale [[Normalflora]] wird v.a. von [[Döderlein-Stäbchen]] ([[Symbiont]]en) dominiert, die für ein saures [[Milieu]] ([[pH]] < 4,5) sorgen. Auch andere Bakterien kommen [[physiologisch]]erweise in geringer Zahl vor, z.B. [[B-Streptokokken]], [[Escherichia coli]], [[Gardnerella vaginalis]], [[Atopobium vaginae]] oder [[Eubacterium]]-Spezies.
  
Durch übertriebene Vaginal-Hygiene ([[Vaginaldusche]]), [[Antibiotika]], [[Fremdkörper]], häufigen [[Geschlechtsverkehr]] etc. kann das natürliche Milieu gestört werden. Es kommt zu einem Ungleichgewicht von nützlichen Döderlein-Stäbchen und den niedrigzahligen anderen Bakterien, die einen [[Biofilm]] an der Vaginalwand bilden.
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Durch übertriebene Vaginal-Hygiene ([[Vaginaldusche]]), [[Antibiotika]], [[Fremdkörper]], häufigen [[Geschlechtsverkehr]] etc. kann das natürliche Milieu gestört werden. Es kommt zu einem Ungleichgewicht von Döderlein-Stäbchen und der übrigen Flora, die dann einen hartnäckigen [[Biofilm]] an der Vaginalwand bilden kann.
  
 
Auch [[Schwangerschaft]], [[Geburt]] und operative Eingriffe ([[Episiotomie]], [[Laparotomie]], usw.) können das Anaerobierwachstum begünstigen.
 
Auch [[Schwangerschaft]], [[Geburt]] und operative Eingriffe ([[Episiotomie]], [[Laparotomie]], usw.) können das Anaerobierwachstum begünstigen.

Version vom 31. Juli 2018, 15:33 Uhr

Synonyme: Anaerobiervaginose, Gardnerella-Vaginitis; unspezifische Kolpitis, Aminkolpitis, BV
Englisch: bacterial vaginosis

1 Definition

Die bakterielle Vaginose, kurz BV, beschreibt eine bakterielle Störung der Vaginalflora mit einer Reduktion der Laktobazillen und der Vermehrung der sonst niedrigzahligen aerob-anaeroben Mischflora. Vorstufe der BV ist die vaginale Dysbiose.

2 Pathophysiologie

Die vaginale Normalflora wird v.a. von Döderlein-Stäbchen (Symbionten) dominiert, die für ein saures Milieu (pH < 4,5) sorgen. Auch andere Bakterien kommen physiologischerweise in geringer Zahl vor, z.B. B-Streptokokken, Escherichia coli, Gardnerella vaginalis, Atopobium vaginae oder Eubacterium-Spezies.

Durch übertriebene Vaginal-Hygiene (Vaginaldusche), Antibiotika, Fremdkörper, häufigen Geschlechtsverkehr etc. kann das natürliche Milieu gestört werden. Es kommt zu einem Ungleichgewicht von Döderlein-Stäbchen und der übrigen Flora, die dann einen hartnäckigen Biofilm an der Vaginalwand bilden kann.

Auch Schwangerschaft, Geburt und operative Eingriffe (Episiotomie, Laparotomie, usw.) können das Anaerobierwachstum begünstigen.

3 Symptomatik

Häufig bleibt eine bakterielle Vaginose asymptomatisch. Ca. 50% der Patientinnen sind beschwerdefrei. Es kommt jedoch durch die pH-Änderung und der Vermehrung der Anaerobier zu vermehrtem Fluor vaginalis und unangenehmen Amingeruch (Fischgeruch) sowie zu einem unangenehmen Nässegefühl.

Im Gegensatz zu anderen Kolpitiden, klagen die Patientinnen selten über Juckreiz oder Rötungen. Die Leistenlymphknoten sind nur sehr selten geschwollen.

Die bakterielle Vaginose ist die häufigste Ursache für eine Vaginitis. Von ihr spricht man erst, wenn die anaeroben Bakterien in sehr hoher Zahl vorliegen.

4 Diagnostik

Zur Diagnostik einer bakteriellen Vaginose wird vom Gynäkologen eine vaginale Infektionsdiagnostik durchgeführt.

Zur besseren Beurteilung des Geruchs des Fluors kann der Amintest durchgeführt werden. Durch Aufträufeln von 1-2 Tropfen 10%iger Kalilauge intensiviert sich der Fischgeruch des Vaginalsekretes.

Anhand der Amsel-Kriterien wird ermittelt, ob eine bakterielle Vaginose vorliegt. Diese sind erfüllt, wenn drei der folgenden vier Punkte zutreffen:

4.1 pH-Messung

Der pH-Wert kann ganz unkompliziert mit Hilfe einer Pinzette und einem pH-Indikatorstreifen aus dem mittleren Scheidendrittel bestimmt werden.

4.2 Zytologische Untersuchung

Unter dem Mikroskop sieht man vaginale Epithelzellen, die bei der bakteriellen Vaginose meist mit Bakterien besetzt sind ("Bakterienrasen"), sie werden Clue cells genannt. Die Quantität der Anaerobier wird beurteilt. Weiterhin wird mikroskopisch nach anderen Keimen wie anaeroben Bakterien, Trichomonaden, Candida, Mykoplasmen etc. gesucht werden; häufig liegt eine Mischinfektion vor.

4.3 Mikrobiologische Untersuchung

Der kulturelle Nachweis ist in besonderen Fällen mit hartnäckigen Rezidiven indiziert. Gardnerella vaginalis ist dabei ein möglicher Marker der Erkrankung, der aber nicht zuverlässig ist, da das Bakterium auch in der gesunden Scheide nachgewiesen werden kann.

5 Therapie

Da eine Aszension der Keime von der Vagina in den oberen Genitaltrakt möglich ist und zu einer schweren Infektion des oberen Genitaltraktes führen kann, ist in der Regel immer eine Therapie der bakteriellen Vaginose indiziert.

Goldstandard der medikamentösen Therapie der bakteriellen Vaginose ist die Gabe des Antibiotikums Metronidazol (z.B. Clont®, Arilin®), da es sehr gut gegen Anaerobier wirkt. Amoxicillin oder Clindamycin können alternativ verordnet werden.

Bei oraler Applikation können bis zu 90% der Infektionen erfolgreich behandelt werden. Die topische Therapie mit Metronidazol-Vaginaltabletten ist ebenfalls möglich.

Als nicht-antibiotische Verfahren, können Behandlungen mit Milchsäurepräparaten, Vaginalzäpfchen mit Lactobazillen oder Vitamin C versucht werden. Weiterhin kannn das Antiseptikum Dequaliniumchlorid als Vaginaltablette als mögliche Therapieoption verordnet werden - es wirkt auch antimykotisch.

In der Schwangerschaft erfolgt die Therapie vor 15 Schwangerschaftswochen mit Clindamycin; oral 2 x 300 mg/Tag über 7 Tage bzw. topisch mit Clindamycin-Creme. Nach 15 Schwangerschaftswochen kann Metronidazol appliziert werden. Dequaliniumchlorid kann lokal auch während der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden, sollte die klinische Notwendigkeit bestehen.

6 Literatur

  • Mendling W: Diagnostik und Therapie beim Symptom Fluor. Frauenarzt 2018; 59: 120-8

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