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Atemwegssicherung

Version vom 26. August 2017, 12:30 Uhr von Jan Polzer (Diskussion | Beiträge)

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Bedeutung

In der Notfallmedizin ist neben der Aufrechterhaltung eines stabilen Kreislaufes die Sicherung der Atemwege eine Zentrale Aufgabe des Notfallmediziners. Die Atemwegssicherung hat das Ziel eine Hypoxie vorzubeugen, eine Aspiration von Mageninhalt zu verhindern und eine Beatmung zu ermöglichen.

Indikationen sind:

Bei der Atemwegssicherung ist zwischen dem Freimachen der Atemwege und dem Freihalten der Atemwege mit und ohne Hilfsmittel zu unterscheiden.

Freimachen der Atemwege


Hilfsmittelfrei

Das Freimachen der Atemwege ist Notwendig bei einer Verlegung oder Behinderung der Atemwege. Das Freimachen der Atemwege ohne Hilfsmittel beschränkt sich auf die Entfernung von Atemhindernissen außerhalb des Körpers (Integralhelm), digitales Ausräumen von Mund und Rachenbereich und Die Reklination des Kopfes

Entfernung eines Integralhelmes

Eine Entfernung eines Integralhelms ist meist bei schwer verletzten, ateminsuffizienten Motorradfahrern notwendig, da der Helm die Atemwegssicherung behindert und der Helm selber die Atmung des Patienten stören kann. Um die Gefahr einer Halswirbelsäulenschädigung zu minimieren ist die Helmabnahme grundsätzlich mit zwei Personen durchzuführen. Dabei ist ein Helfer für die Stabilisierung des Halsbereiches zuständig, während der andere den Helm langsam und vorsichtig entfernt.

Digitales Ausräumen des Mund- Rachenbereiches

Das Digitale ausräumen des Mund- Rachenbereiches ist eine Standartmaßnahme zum Freihalten der Atemwege. Dabei wird die Mundhöhle geöffnet, der Kopf zur Seite gedreht und der Mund-Rachenraum mit mit zwei Fingern ausgeräumt. Bei Trägern von Zahnprothesen sollte lockere Prothesen entfernt werden und fest sitzende vorerst um Mundraum belassen werden.

Vorsicht!

  • Handschuhe für den Eigenschutz verwenden
  • falls der Patient nicht tief bewusstlos ist, können die taktilen Reize des Ausräumens zu einem zubeißen führen
  • Blinde Manipulation im Mund- Rachenraum kann weitere Verschiebung des Fremdkörpers bewirken

Überstreckung des Kopfes

Durch die Überstreckung des Kopfes und der Anhebung des Unterkiefers (HTCL-Manöver) werden die Atemwege durch ein Anhebung der Zunge und des weichen Gaumens von der Rachenwand geöffnet. Eine absolute Kontraindikation für dieses Verfahren ist eine nicht auszuschließende Halswirbelsäulenverletzung. In diesem Fall wird der Esmarch-Handgriff empfohlen, bei dem das Kinn angehoben wird.

Vorsicht! Diese Techniken sind primär für die Feststellung eines grundsätzliches Atemantriebes und der Präoxygenierung zur Intubation zu nutzen, nicht für ein dauerhaftes Freihalten der Atemwege. Für eine dauerhafte Überstreckung des Kopfes bei vorhandenen, suffizienten Atemantrieb ist die Stabile Seitenlage zu nutzen.


Nutzung von Hilfsmittel

Das Freimachen der Atemwege mit Hilfsmitteln findet Anwendung bei tief sitzenden Fremdkörpern und bei Flüssigkeiten im Mund-Rachenraum.

Magill-Zange

Mithilfe der Magill-Zange ist es möglich tiefer liegende Fremdkörper zu greifen und zu entfernen. Für den Fall, dass der Fremdkörper bei normaler Mundöffnung nicht sichtbar ist, kann man den Fremdkörper mithilfe eines Laryngoskopes extrahieren.

Vakuumpumpe

Mithilfe einer Absaugpumpe ist es möglich Erbrochenes, Blut, flüssige Speisereste und andere Flüssigkeiten zu entfernen. Für die Absaugung sollte ein großlumiger Absaugkatheter verwendet werden.


Freihalten der Atemwege

Hilfsmittelfrei

Stabile Seitenlage

Bei der stabilen Seitenlage wird der spontanatmende Patient auf eine Seite gedreht. Der Vorteil an dieser Lagerungsart ist, dass die Atemwege ohne weiteres Zutun offen bleiben und das Erbrochenes aus dem Mund-Rachen-Raum abfließen kann. Allerdings ist künstliche Beatmung nicht möglich.

absolute Kontraindikation

  • anzunehmende Wirbelsäulenverletzung


Nutzung von Hilfsmitteln

Pharyngealtuben

Mithilfe von Pharyngealtuben ist es möglich die oberen Atemwege freizuhalten und ein Zurückfallen der Zunge zu verhindern. Dabei teilt man auf in:
 Orophrayngealtuben (Guedel-Tubus); Einführung durch den Mund

Nasopharyngealtuben (Wendl-Tubus); Einführung durch die Nase

Vorsicht!

Pharyngealtuben verbessern die Effektivität einer Beutel-Masken Beatmung, bieten aber keinen Schutz vor Aspiration. Des weiteren können die taktilen Reize des Tubus (besonders Oropharyngealtubus) einen Brechreiz auslösen. Aus diesem Grund sollte der Pharyngealtubus zeitnah durch einen Endotrachealtubus, Kombitubus oder eine Laryxmaske ersetzt werden.

Endotrachealtubus (siehe Endotracheale Intubation)

Die endotracheale Intubation ist allen anderen Luftbrücken überlegen und gilt als Goldstandart der Atemwegssicherung. Sie ermöglicht einen vollständigen Apsirationsschutz und ermöglicht eine Überdruckbeatmung ohne Überblähung des Magens. Allerdings muss der Einsatz der Intubation gut überlegt sein und von erfahrenen Personal durchgeführt werden, da die Komplikationen bei misslungener Intubation Lebensbedrohlich sein können.

Kombi- Tubus (siehe Kombi-Tubus)

Der Kombitubus bietet eine Alternative zur endotrachealen Intubation. Er kann blind geschoben werden und hat seinen Sitz im Oesophagus oder Trachea. Die zwei möglichen Lagen werden durch zwei getrennte Luftwege realisiert. Wenn der Tubus im Oesophagus liegt, kann über ein distales Lumen Mageninhalt abgesaugt werden und über ein proximales der Patient beatmet werden. Wenn der Tubus in der Trachea liegt, wird über den distalen Tubus beatmet und der proximale bleibt funktionslos.

Er ermöglicht keinen kompletten Aspirationsschutz und ist nicht einsetzbar, wenn die Luftwege verlegt sind. Allerdings ist er durch seine einfache Anlage eine gute Alternative in schwierigen Situationen oder bei in der endotrachealen Intubation ungeübten Personal.

Larynxmaske (siehe Larynxmaske)

Die Larynxmaske ist eine weitere Alternative Luftbrücke zur endotrachealen Intubation. Der innen liegende Maskenanteil umschließt den Eingang des Larynx und ermöglicht damit eine Beatmung.

Sie ermöglicht wie der Kombi-Tubus keinen kompletten Aspirationsschutz und ist nicht einsetzbar, wenn die Luftwege verlegt sind. Allerdings ist sie durch die einfache Anlage eine gute Alternative in schwierigen Situationen oder bei in der endotrachealen Intubation ungeübten Personal.

Konitomie (siehe Koniotomie)

Die Konitomie biete eine Möglichkeit der Atemwegssicherung als „Ultima Ratio“ im Fall in denen alle anderen Versuche der Atemwegssicherung scheitern oder die oberen Atemwege verlegt sind. Dabei wird ein Zugang zwischen Ring und Schildknorpel geschaffen, indem das dazwischen liegende Ligamentum cricothyroideum durchtrennt wird.

Diese Seite wurde zuletzt am 30. August 2017 um 11:52 Uhr bearbeitet.

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