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Arterielle Hypertonie

Version vom 13. Juli 2012, 09:20 Uhr von 195.82.66.147 (Diskussion)

Synonym: Bluthochdruck
Englisch: hypertension

1 Definition

Nach WHO-Kriterien spricht man von einer arteriellen Hypertonie, wenn ein systolischer Blutdruck höher als 140 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck größer als 90 mmHg vorliegt.

Ein systolischer Blutdruck höher als 120 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck höher als 80 mmHg gilt als grenzwertig

2 Hintergrund

Eine einmalige Messung oberhalb dieser Normwerte berechtigt noch nicht zur Stellung der Diagnose "Arterielle Hypertonie". Diese ist erst gegeben, wenn bei mehrmaliger Messung zu unterschiedlichen Tageszeiten sich immer wieder erhöhte Werte oberhalb der angegebenen Norm finden. Bei der Messung sollte man beachten, dass sie in Ruhe stattfindet, d.h. nach ca. 3 - 5 Minuten Sitzen des Patienten.

3 Epidemiologie

Die Prävalenz der arteriellen Hypertonie in westlichen Industrieländern ist relativ hoch. Die Angaben in den verschiedenen epidemiologischen Studien weichen jedoch teilweise deutlich voneinander ab. Eine Studie aus dem Jahr 2003, die in 6 Europäischen Ländern, Kanada und den USA durchgeführt wurde, gibt die Prävalenz der Hypertonie in Europa mit 44% der Bevölkerung über 35 Jahre an. Für die USA wird eine Prävalenz von 28% angegeben. Als grobe Näherung lässt sich sagen, dass

  • im Alter zwischen 45-54 Jahren 20-30%,
  • im Alter zwischen 55-64 Jahren 30-40% und
  • im Alter zwischen 65-74 Jahren 40-50%

der Bevölkerung in Europa unter Bluthochdruck leiden.

4 Einteilung

Die arterielle Hypertonie lässt sich nach sehr vielen verschiedenen Aspekten einteilen, die teils eher pathophysiologisch, teils eher klinisch geprägt sind.

4.1 Einteilung nach Ursache

Primäre Hypertonie: Hypertonie, die ohne erkennbare Ursachen entsteht. Sie wird auch als essentielle Hypertonie bezeichnet. Sie stellt den überwiegenden Anteil der Hypertonie-Fälle bei Erwachsenen dar (ca. 85%). Bei Kindern ist genau das Gegenteil der Fall.

Sekundäre Hypertonie: Darunter versteht man eine Hypertonie, die als Folge einer anderen Grunderkrankung auftritt, bzw. von nachweisbaren Faktoren ausgelöst wird. Die sekundäre Hypertonie stellt den kleineren Anteil der Fälle bei Erwachsenen dar (ca. 15%). Bei Kindern ist genau das Gegenteil der Fall. Mögliche Ursachen sind:

Nicht zur chronischen arteriellen Hypertonie werden vorübergehende Blutdruckerhöhungen gezählt, die u.a. durch folgende Ursachen ausgelöst werden:

4.2 Einteilung nach ESH

Die ESH ("European Society of Hypertension", Europäische Hochdruck-Gesellschaft) nimmt eine Einteilung der Hypertonie nach der Höhe des Blutdruckwerts vor:

Grad Systolischer RR Diastolischer RR
Grad 1 (mild) 140-159 mm Hg 90-99 mm Hg
Grad 2 (moderat) 160-179 mm Hg 100-109 mm Hg
Grad 3 (schwer) > 180 mm Hg > 110 mm Hg

4.3 Einteilung nach WHO

Die Hypertonie läßt sich je nach Organschädigung von Gefäßen, Augen, Herz, Nieren etc. in nach den Empfehlungen der WHO in 3 Grade einteilen:

Grad Organschädigung
Grad I Hypertonie ohne Endorganschäden
Grad II Hypertonie mit Endorganschäden (z.B. Fundus hypertonicus (Grad I und II), Plaquebildung in größeren Gefäßen)
Grad III Hypertonie mit manifesten kardiovaskulären Folgeerkrankungen (z.B. Angina pectoris, Herzinfarkt, Hirninfarkt, pAVK)

4.4 Einteilung nach AWMF

Die Definitionen und Klassifikation der Blutdruckwerte in den Leitlinien zur Behandlung der arteriellen Hypertonie des AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) folgen den WHO-Definitionen.

Kategorie systolisch (mmHg) diastolisch (mmHg)
Optimaler Blutdruck < 120 < 80
Normaler Blutdruck 120–129 80–84
Hoch-normaler Blutdruck 130–139 85–89
Milde Hypertonie (Grad 1) 140–159 90–99
Mittlere Hypertonie (Grad 2) 160–179 100–109
Schwere Hypertonie (Grad 3) > 180 > 110
Isolierte systolische Hypertonie > 140 < 90
  • Fallen bei einem Patienten systolischer und diastolischer Blutdruck in unterschiedliche Kategorien, sollte die höhere Kategorie angewendet werden.
  • Die isolierte systolische Hypertonie sollte in Abhängigkeit von der Höhe des systolischen Blutdrucks in drei Grade eingeteilt werden:
    • Grad 1: 140-159
    • Grad 2: 160-179
    • Grad 3: ≥180 mmHg
  • Bei isolierter systolischer Hypertonie ergibt sich bei auffällig niedrigem diastolischen Blutdruck (z.B. 60-70 mmHg) ein besonderes Risiko.

4.5 Weitere Einteilungen

  • Form der Blutdruckerhöhung
    • Isolierte systolische Hypertonie
    • Isolierte diastolische Hypertonie
    • Kombinierte systolisch-diastolische Hypertonie
  • Zeitlicher Verlauf der Hypertonie

5 Pathogenese

Die Pathogenese der primären Hypertonie ist so komplex, dass sie bislang nicht vollständig geklärt werden konnte. Ein Grund dafür ist, dass der Blutdruck von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Dazu zählen unter anderem das zirkulierende Blutvolumen, die Blutviskosität, das Herzzeitvolumen, die Gefäßelastizität, der Gefäßquerschnitt und die hormonelle (Renin) und neuronale Stimulation des Gefäßtonus.

6 Symptome

Eine Hypertonie verläuft meist asymptomatisch und verursacht bei mäßig erhöhten Blutdruckwerten oft nur uncharakteristische Beschwerden:

Bei stark erhöhten Blutdruck können hinzutreten:

Wird die Hypertonie nicht durch ein Kontrolle des Blutdrucks entdeckt, macht sie sich häufig erst durch ihre Spätschäden bemerkbar.

7 Diagnostik

Die Diagnose "Hypertonie" ergibt sich in erster Linie durch die wiederholte Blutdruckmessung an beiden Armen. Als Grenzwerte werden dabei entsprechend einer Definition von der WHO (s.o.) für den systolischen Blutdruck ein Wert über 140 mmHg und für den diastolischen ein Wert von 90 mmHg angegeben. Allerdings berechtigt eine einmalige Messung oberhalb dieser Normwerte noch nicht zur Stellung der Diagnose einer Hypertonie, sondern diese ist erst gegeben, wenn bei mehrmaliger Messung zu unterschiedlichen Tageszeiten sich immer wieder oberhalb der angegebenen Norm erhöhte Werte finden. Hierbei ist aber zu beachten, dass jede Messung des Blutdrucks in Ruhe, d.h. nach ca. 3 - 5 Minuten Sitzen des Patienten, zu erfolgen hat, um sicher auch einen Wert in Ruhe zu messen.

Unterschieden wird bei der Feststellung einer Hypertonie, ob andere Organsysteme wie eine Erkrankung der Niere, der Nebenniere oder des Herzens etc. für die Hypertonie verantwortlich sind. In diesem Fall spricht man von einer sekundären Hypertonie im Gegensatz zu der primären Hypertonie, wobei man definitonsgemäß keine Ursache für diese Erkrankung findet. Die Diagnose einer primären Hypertonie ist also immer eine Ausschlussdiagnose.

Des Weiteren umfasst das Basisprogramm der Hypertonie-Diagnostik:

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Diese Seite wurde zuletzt am 17. November 2021 um 18:42 Uhr bearbeitet.

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