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Arterielle Hypertonie: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 14. Dezember 2012, 20:36 Uhr

Synonym: Bluthochdruck
Englisch: hypertension

1 Definition

Nach WHO-Kriterien spricht man von einer arteriellen Hypertonie, wenn ein systolischer Blutdruck höher als 140 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck größer als 90 mmHg vorliegt.

Ein systolischer Blutdruck höher als 120 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck höher als 80 mmHg gilt als grenzwertig

2 Epidemiologie

Die Prävalenz der arteriellen Hypertonie in westlichen Industrieländern ist relativ hoch. Die Angaben in den verschiedenen epidemiologischen Studien weichen jedoch teilweise deutlich voneinander ab. Eine Studie aus dem Jahr 2003, die in 6 Europäischen Ländern, Kanada und den USA durchgeführt wurde, gibt die Prävalenz der Hypertonie in Europa mit 44% der Bevölkerung über 35 Jahre an. Für die USA wird eine Prävalenz von 28% angegeben. Als grobe Näherung lässt sich sagen, dass

  • im Alter zwischen 45-54 Jahren 20-30%,
  • im Alter zwischen 55-64 Jahren 30-40% und
  • im Alter zwischen 65-74 Jahren 40-50%

der Bevölkerung in Europa unter Bluthochdruck leiden.

3 Einteilung

Die arterielle Hypertonie lässt sich nach sehr vielen verschiedenen Aspekten einteilen, die teils eher pathophysiologisch, teils eher klinisch geprägt sind.

3.1 Einteilung nach Ursache

Primäre Hypertonie: Hypertonie, die ohne erkennbare Ursachen entsteht. Sie wird auch als essentielle Hypertonie bezeichnet. Sie stellt den überwiegenden Anteil der Hypertonie-Fälle bei Erwachsenen dar (ca. 85%). Bei Kindern ist genau das Gegenteil der Fall.

Sekundäre Hypertonie: Darunter versteht man eine Hypertonie, die als Folge einer anderen Grunderkrankung auftritt, bzw. von nachweisbaren Faktoren ausgelöst wird. Die sekundäre Hypertonie stellt den kleineren Anteil der Fälle bei Erwachsenen dar (ca. 15%). Bei Kindern ist genau das Gegenteil der Fall. Mögliche Ursachen sind:

Nicht zur chronischen arteriellen Hypertonie werden vorübergehende Blutdruckerhöhungen gezählt, die u.a. durch folgende Ursachen ausgelöst werden:

3.2 Einteilung nach ESH

Die ESH ("European Society of Hypertension", Europäische Hochdruck-Gesellschaft) nimmt eine Einteilung der Hypertonie nach der Höhe des Blutdruckwerts vor:

Grad Systolischer RR Diastolischer RR
Grad 1 (mild) 140-159 mm Hg 90-99 mm Hg
Grad 2 (moderat) 160-179 mm Hg 100-109 mm Hg
Grad 3 (schwer) > 180 mm Hg > 110 mm Hg

3.3 Einteilung nach WHO

Die Hypertonie läßt sich je nach Organschädigung von Gefäßen, Augen, Herz, Nieren etc. in nach den Empfehlungen der WHO in 3 Grade einteilen:

Grad Organschädigung
Grad I Hypertonie ohne Endorganschäden
Grad II Hypertonie mit Endorganschäden (z.B. Fundus hypertonicus (Grad I und II), Plaquebildung in größeren Gefäßen)
Grad III Hypertonie mit manifesten kardiovaskulären Folgeerkrankungen (z.B. Angina pectoris, Herzinfarkt, Hirninfarkt, pAVK)

3.4 Einteilung nach AWMF

Die Definitionen und Klassifikation der Blutdruckwerte in den Leitlinien zur Behandlung der arteriellen Hypertonie des AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) folgen den WHO-Definitionen.

Kategorie systolisch (mmHg) diastolisch (mmHg)
Optimaler Blutdruck < 120 < 80
Normaler Blutdruck 120–129 80–84
Hoch-normaler Blutdruck 130–139 85–89
Milde Hypertonie (Grad 1) 140–159 90–99
Mittlere Hypertonie (Grad 2) 160–179 100–109
Schwere Hypertonie (Grad 3) > 180 > 110
Isolierte systolische Hypertonie > 140 < 90
  • Fallen bei einem Patienten systolischer und diastolischer Blutdruck in unterschiedliche Kategorien, sollte die höhere Kategorie angewendet werden.
  • Die isolierte systolische Hypertonie sollte in Abhängigkeit von der Höhe des systolischen Blutdrucks in drei Grade eingeteilt werden:
    • Grad 1: 140-159
    • Grad 2: 160-179
    • Grad 3: ≥180 mmHg
  • Bei isolierter systolischer Hypertonie ergibt sich bei auffällig niedrigem diastolischen Blutdruck (z.B. 60-70 mmHg) ein besonderes Risiko.

3.5 Weitere Einteilungen

  • Form der Blutdruckerhöhung
    • Isolierte systolische Hypertonie
    • Isolierte diastolische Hypertonie
    • Kombinierte systolisch-diastolische Hypertonie
  • Zeitlicher Verlauf der Hypertonie

4 Pathogenese

Die Pathogenese der primären Hypertonie ist so komplex, dass sie bislang nicht vollständig geklärt werden konnte. Ein Grund dafür ist, dass der Blutdruck von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Dazu zählen unter anderem das zirkulierende Blutvolumen, die Blutviskosität, das Herzzeitvolumen, die Gefäßelastizität, der Gefäßquerschnitt und die hormonelle (Renin) und neuronale Stimulation des Gefäßtonus.

5 Symptome

Eine Hypertonie verläuft meist asymptomatisch und verursacht bei mäßig erhöhten Blutdruckwerten oft nur uncharakteristische Beschwerden:

Bei stark erhöhten Blutdruck können hinzutreten:

Wird die Hypertonie nicht durch ein Kontrolle des Blutdrucks entdeckt, macht sie sich häufig erst durch ihre Spätschäden bemerkbar.

6 Diagnostik

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Die Diagnose "Hypertonie" ergibt sich in erster Linie durch die wiederholte Blutdruckmessung an beiden Armen. Als Grenzwerte werden dabei entsprechend einer Definition von der WHO (s.o.) für den systolischen Blutdruck ein Wert über 140 mmHg und für den diastolischen ein Wert von 90 mmHg angegeben. Allerdings berechtigt eine einmalige Messung oberhalb dieser Normwerte noch nicht zur Stellung der Diagnose einer Hypertonie. Sie ist erst gesichert, wenn bei dreimaliger Messung zu unterschiedlichen Tageszeiten, an 3 verschiedenen Tagen immer wieder erhöhte Werte oberhalb der angegebenen Norm auftreten. Jede Messung des Blutdrucks sollte dabei in Ruhe erfolgen, d.h. nach ca. 3 - 5 Minuten Sitzen des Patienten. Zu beachten ist außerdem, dass die beiden Arme auf Herzhöhe gelagert sind.

Des Weiteren umfasst das Basisprogramm der Hypertonie-Diagnostik:

7 Therapie

Die folgende Tabelle zeigt Differentialtherapien der arteriellen Hypertonie.[1]

Indikation Therapie
Hypertoniker im mittleren Lebensalter ohne Begleiterkrankungen Betablocker
Hypertoniker im höheren Lebensalter ohne Begleiterkrankungen Thiazid-Diuretika
A) Gesicherte zusätzliche Wirkungen/Indikationen
Diabetes mellitus mit Proteinurie ACE-Hemmer
Herzinsuffizienz ACE-Hemmer, Diuretika
isolierte systolische Hypertonie Diuretika (bevorzugt), Kalziumantagonisten (langwirksame)
Myokardinfarkt Betablocker (ohne ISA), ACE-Hemmer (bei systolischer Dysfunktion)
B) Günstige Wirkungen möglich:
Angina pectoris Betalocker, Kalziumantagonisten (Cave: Dihydropyridine bei instabiler Angina pectoris kontraindiziert)
Vorhoftachykardie, -flimmern Betalocker, Clonidin, Kalziumantagonisten (nicht Dihydropyridine)
Diabetes mellitus ACE-Hemmer, Betablocker (niedrig-dosiert), alpha-Rezeptorenblocker
Migräne Betablocker (ohne ISA)
Niereninsuffizienz ACE-Hemmer (Cave: renosvaskuläre Hypertonie und Serumkreatinin ≥ 3mg/dl)
C) Nachteilige Wirkungen möglich:
Obstruktive Ventilationsstörungen ß-Blocker
Diabetes mellitus (nichtselektive) ß-Blocker, hochdosierte Diuretika, Kalziumantagonisten
Gicht Diuretika
Herzinsuffizienz Kalziumantagonisten
AV-Überleitungsstörungen Betablocker, Kalziumantagonisten vom Verapamiltyp
pAVK (nichtselektive) Betablocker
Niereninsuffizienz kaliumsparende Mittel, Thiazide (nicht bei Serumkreatinin >2 mg/dl)
Nierenarterienstenose ACE-Hemmer, Angiotensin-2-Antagonisten

7.1 Betablocker

Wirkstoff Handelsname(n) Tagesdosis (mg) Gabe (Tag) Eliminations-
HWZ (h)
Eliminationsweg Selektivität
Atenolol z.B. Tenormin® 50-100 1 6-8 renal (Kreatinin-Clearance < 35 ml/min)* Beta 1
Betaxolol z.B. Kerlone® 10-20 1 14-22 > hepatisch Beta 1
Bisoprolol z.B. Concor® 2,5-10 1 10 hepatisch / renal Beta 1
Carvedilol z.B. Dilatrend®, Querto® 12,5-25 1 4-5 > hepatisch Beta 1 & vasodilatatorisch
Celiprolol z.B. Selectol® 200-400 1 5-7 renal (Kreatinin-Clearance < 10 ml/min)* Beta 1 & Beta2-Agonist
Metoprolol z.B. Beloc® 50-200 1-2 3-4 > hepatisch Beta 1
Nebivolol z.B. Nebilet® 5 1 ca. 24 hepatisch / renal Beta 1
* Dosisanpassung erforderlich

7.2 ACE-Hemmer

Wirkstoff Handelsname(n) Tagesdosis (mg) Gabe (Tag) Eliminations-
HWZ (h)
Eliminationsweg Wirkdauer bei 1x Gabe (h)
Benazepril z.B. Cibacen ® 10-20 (max. 40) 1 18 > renal (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 24
Captopril z.B. Acenorm ® 12,5-25
(max. 50)
2 1-2 > renal (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 12
Cilazapril z.B. Dynorm® 1,25-2,5 (max. 5) 1 40 > renal (Kreatinin-Clearance < 60 ml/min)* bis 18
Enalapril z.B. Pres®, Xanef® 5-10
(max. 40)
1 35 > renal (Kreatinin-Clearance < 80 ml/min)* bis 18
Fosinopril z.B. Dynacil® 5-20 1 12 renal/hepatisch bis 24
Imidapril z.B. Tanatril® 2,5-10 1 24 renal/hepatisch (Kreatinin-Clearance < 80 ml/min)* bis 24
Lisinopril z.B. Coric®, Acerbon ® 5-20 1 30 > renal (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 24
Moexipril z.B. Fempress® 7,5-15
(max. 30)
1-2 14 > renal (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 24
Perindopril z.B. Coversum® 4-8 1 30 > renal (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 24
Quinapril z.B. Accupro ® 10-20 1-2 26 > renal (Kreatinin-Clearance < 60 ml/min)* bis 24
Ramipril z.B. Delix®, Vesdil® 2,5-5
(max. 10)
1 15 > renal (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 48
Spirapril z.B. Quadropril® 3-6 1 1 renal/hepatisch (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 24
Trandolapril z.B. Udrik®, Gopten® 1-2
(max. 4)
1 20 > renal (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 24
* Dosisanpassung erforderlich

8 Quellen

  1. The Sixth Report Of The Joint National Committee On Prevention; Detection, Evaluation, and Treatment Of High Blood Pressure (JNC VI) (National Institutes of Health, Lung and Blood Institute, National High Blood Pressure Education Program, NIH Publication No. 98-4080, November 1997)

9 Weblinks

Diese Seite wurde zuletzt am 17. November 2021 um 18:42 Uhr bearbeitet.

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