Anämie bei chronischer Erkrankung

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Synonyme: Anämie bei chronischer Entzündung, Infektanämie, Tumoranämie
Englisch: Anemia of Chronic Disease (ACD), Anemia of Chronic Infection (ACI)

1 Definition

Die Anämie bei chronischer Erkrankung ist eine erworbene Anämieform, die bei einer länger bestehenden Entzündungsreaktion auftritt. Die Ursache kann eine Infektion, eine Autoimmunerkrankung oder ein Tumorleiden sein. Häufig wird der englische Begriff "anemia of chronic disease" bzw. die Abkürzung ACD verwendet. Das Krankheitsbild überschneidet sich mit dem funktionellen Eisenmangel und der Tumoranämie.

2 Diagnose

Die Anämie bei chronischer Erkrankung ist normozytär, normochrom oder mikrozytär, hypochrom, wenn der funktionelle Eisenmangel überwiegt. Das Serum-Ferritin ist normal oder erhöht, Serum-Eisen und die Transferrinsättigung sind vermindert und der Eisengehalt der Retikulozyten ist niedrig normal bis vermindert. Dabei bestehen labordiagnostische Zeichen einer Entzündungsreaktion, wie erhöhtes CRP und beschleunigte Blutsenkungsgeschwindigkeit.

Zur genaueren Eingrenzung, ob neben der Anämie bei chronischer Erkrankung zusätzlich ein Eisenmangel besteht, können löslicher Transferrinrezeptor, Hepcidin und evtl. Erythropoetin bestimmt werden. Bei Eisenmangelanämie ist die Hepcidinkonzentration vermindert, bei reiner ACD ist sie erhöht, bei Mischformen ist sie leicht vermindert oder normal.

3 Pathophysiologie

Bei dieser Anämieform existiert genug Speichereisen im Körper, es steht aber nicht für die Erythropoese zur Verfügung, da es in den Makrophagen des retikuloendothelialen Systems durch Erythrophagozytose und in den Speicherorganen Leber und Milz zurückgehalten wird. Auch die Eisenaufnahme im Darm wird herunterreguliert.

Als Auslöser der Anämie bei chronischer Erkrankung spielt Hepcidin eine zentrale Rolle. Es wird im Zuge der Entzündungsreaktion in der Leber vermehrt gebildet. Hepcidin hemmt das Ferroportin, welches für die Ausschleusung von Eisen aus der Zelle verantwortlich ist und vermindert die Eisenresorption aus dem Darm.

Das Transportprotein Transferrin wird im Rahmen der Akute-Phase-Reaktion herunterreguliert, das Speicherprotein Ferritin dagegen verstärkt gebildet. Die durch alle diese Veränderungen bewirkte Eisenrestriktion ist wahrscheinlich als unspezifische Abwehrreaktion zu verstehen, da auch Mikroorganismen auf Eisen angewiesen sind.

4 Hintergrund

Häufig ist die chronische Entzündung nur eine der Ursachen der Anämie. Viele Patienten haben parallel einen Eisenmangel. Auch eine chronische Nierenerkrankung kann zur Entstehung der Anämie beitragen (renale Anämie). Im Falle der Tumoranämie kommen weitere Ursachen in Frage, z.B. eine Verdrängung des Knochenmarks durch Metastasen oder Nebenwirkungen der zytotoxischen Chemotherapie.

Wenn ein zusätzlicher Eisenmangel besteht, kann dieser behandelt werden. Wenn nicht, ist eine Eisensubstitution nicht hilfreich, da in erster Linie die Eisenrestriktion noch verstärkt wird.

5 Literatur

Autoren: https://flexikon.doccheck.com/de/index.php?title=An%C3%A4mie_bei_chronischer_Erkrankung&action=history

Quelle: https://flexikon.doccheck.com/de/An%C3%A4mie_bei_chronischer_Erkrankung

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