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Amyotrophe Lateralsklerose: Unterschied zwischen den Versionen

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Der erste Schritt zur [[Diagnose]] einer amyotrophen Lateralsklerose besteht in der [[körperliche Untersuchung|körperlichen Untersuchung]]; können durch Beklopfen der Muskulatur oder durch Kältereize [[Faszikulation]]en ausgelöst werden, besteht ein weiter abzuklärender Krankheitsverdacht. Im [[Elektromyogramm]] lässt sich üblicherweise eine pathologische Muskelaktivität, häufig kombiniert mit einer Verminderung motorischer Einheiten, nachweisen.
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* [[Körperliche Untersuchung]]: Der erste Schritt zur [[Diagnose]] einer amyotrophen Lateralsklerose besteht in der körperlichen Untersuchung. Können durch Beklopfen der Muskulatur oder durch Kältereize [[Faszikulation]]en ausgelöst werden, besteht ein weiter abzuklärender Krankheitsverdacht.  
 
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* [[Elektromyogramm]]: Im Elektromyogramm lässt sich üblicherweise eine pathologische Muskelaktivität, häufig kombiniert mit einer Verminderung motorischer Einheiten, nachweisen.
Muskelbiopsien ermöglichen die Differenzierung zwischen [[neurogen]]er und [[myogen]]er Muskelatrophie; daneben lassen sich Atrophien von Gehirn und Rückenmark durch [[CT]] oder [[MRT]] diagnostizieren.
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* [[Muskelbiopsie]]: Sie ermöglicht die Differenzierung zwischen [[neurogen]]er und [[myogen]]er Muskelatrophie.
Ein neuer Bluttest vereinfacht die Diagnose der ALS und die Prognoseabschätzung durch Konzentrationsmessung von Neurofilamenten (Neurofilament light chain, NFL) im Serum der Patienten.
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* [[Bildgebung]]: Nachweis voh Atrophien in Gehirn und Rückenmark durch [[CT]] oder [[MRT]]
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* [[Laboruntersuchungen]]: Nachweis von [[Neurofilament light]] (NFL) im [[Liquor]] oder im [[Blut]]. Die Höhe des NFL-Spiegels ist bei ALS signifikant erhöht. Die Höhe des Serumspiegels ermöglicht eine Prognoseabschätzung.<ref>Ching-Hua Lu et al.: [https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4456658/ Neurofilament light chain. A prognostic biomarker in amyotrophic lateral sclerosis] Neurology. 2015 Jun 2; 84(22): 2247–2257. doi:  [10.1212/WNL.0000000000001642] PMCID: PMC4456658 PMID: 25934855</ref><ref>Verde F, Steinacker P, Weishaupt JH, et al.: Neurofilament light chain in serum for the diagnosis of amyotrophic lateral sclerosis.  J Neurol Neurosurg Psychiatry Published Online First: 11 October 2018. doi: 10.1136/jnnp-2018-318704</ref><ref>
  
 
==Therapie==
 
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Zur Zeit (2016) existiert keine ursächliche Therapie für die amyotrophe Lateralsklerose. Neben einer [[physiotherapeutisch]]en Betreuung wird gegen die Lähmungen [[Pyridostigmin]] gegeben. Auch das [[TRH]] hat einen positiven Effekt auf die Symptomatik der amyotrophen Lateralsklerose.  
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Zur Zeit (2018) existiert keine ursächliche Therapie für die amyotrophe Lateralsklerose. Neben einer [[physiotherapeutisch]]en Betreuung wird gegen die Lähmungen [[Pyridostigmin]] gegeben. Auch das [[TRH]] hat einen positiven Effekt auf die Symptomatik der amyotrophen Lateralsklerose.  
  
 
Der seit 1996 zugelassene [[Glutamat]]-Antagonist [[Riluzol]] ermöglicht die Verzögerung des Fortschreitens der Krankheit, ibs. in Kombination mit dem Anti-Parkinsonmittel Rasagilin (Ludolph, 2018). Bei [[progressiv]]en Formen der amyotrophen Lateralsklerose  müssen eine invasive Unterstützung der [[Atmung]] sowie eine Sondenernährung zur Aspirationsprophylaxe vorgenommen werden.
 
Der seit 1996 zugelassene [[Glutamat]]-Antagonist [[Riluzol]] ermöglicht die Verzögerung des Fortschreitens der Krankheit, ibs. in Kombination mit dem Anti-Parkinsonmittel Rasagilin (Ludolph, 2018). Bei [[progressiv]]en Formen der amyotrophen Lateralsklerose  müssen eine invasive Unterstützung der [[Atmung]] sowie eine Sondenernährung zur Aspirationsprophylaxe vorgenommen werden.
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==Leitlinien==
 
==Leitlinien==
 
*S1-[[Leitlinie]] [http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-001.html Amyotrophe Lateralsklerose] der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, AWMF online (Stand 2008)
 
*S1-[[Leitlinie]] [http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-001.html Amyotrophe Lateralsklerose] der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, AWMF online (Stand 2008)
 
 
 
 
 
  
 
==Weblinks==
 
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[[en:amyotrophic lateral sclerosis]]
 
[[en:amyotrophic lateral sclerosis]]
Verde F, Steinacker P, Weishaupt JH, et al.  Neurofilament light chain in serum for the diagnosis of amyotrophic lateral sclerosis.  J Neurol Neurosurg Psychiatry Published Online First: 11 October 2018. doi: 10.1136/jnnp-2018-318704
 
Neuer Bluttest zur Diagnostik und Prognoseabschätzung von ALS,  Deutsches Ärzteblatt, 23. Oktober 2018
 
 
[[Fachgebiet:Neurologie]]
 
[[Fachgebiet:Neurologie]]
 
[[Tag:Degenerativ]]
 
[[Tag:Degenerativ]]
 
[[Tag:Muskelatrophie]]
 
[[Tag:Muskelatrophie]]
 
[[Tag:ZNS]]
 
[[Tag:ZNS]]

Version vom 30. Oktober 2018, 17:48 Uhr

von griechisch: myos - Muskel, trophe - Ernährung
Synonyme: amyotrophische Lateralsklerose, myatrophe Lateralsklerose, Charcot-Syndrom, Lou-Gehrig-Syndrom, MAL
Englisch: amyotrophic lateral sclerosis

1 Definition

Die amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, ist eine chronisch-degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die mit einer Atrophie der Skelettmuskulatur und Pyramidenbahnzeichen einhergeht.

2 Pathophysiologie

Die Ursachen der amyotrophen Lateralsklerose sind bis heute (2018) nicht vollständig geklärt. Eine typischerweise beobachtbare familiäre Häufung von Krankheitsfällen weist auf eine genetische Disposition hin (z.B. Mutationen im Gen für TDP-43 oder SOD1), aber auch andere Faktoren wie Virus- oder Autoimmunerkrankungen werden diskutiert. Neueste Forschungen weisen darauf hin, dass Störungen der DNA-Reparatur ein wesentlicher Auslösefaktor der amyotrophen Lateralsklerose sind.[1]

Die Symptomatik der Erkrankung resultiert aus dem Zugrundegehen der Motoneurone des Rückenmarks, die wiederum auf eine Degeneration bestimmter Hirnareale zurückgeführt werden kann. Auch ein Schwund von Ganglienzellen in motorischen Hirnnervenkernen und dem medullären Vorderhorn lässt sich regelmäßig nachweisen.

Durch die nervalen Degenerationen kommt es sekundär zu einer Atrophie der innervierten Muskulatur, besonders an den Extremitäten; die Symptome ähneln denen einer spinalen Atrophie. Ausfälle motorischer Hirnnerven führen zur Atrophie der Gesichtsmuskulatur und führen zum Krankheitsbild einer progressiven Bulbärparalyse (PBP).

3 Epidemiologie

Die amyotrophe Lateralsklerose manifestiert sich üblicherweise in der zweiten Lebenshälfte und weist einen Häufigkeitsgipfel um das 7. Lebensjahrzehnt auf; Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Die Literatur gibt eine Inzidenz von 1 - 2 Fällen auf 100.000 Personen an, die Prävalenz liegt bei etwa 5:100.000.

Anmerkung: Für die amyotrophe Lateralsklerose sind Endemiegebiete beschrieben, beispielsweise auf Guam im Westpazifik. Die Inzidenz für die Erkrankung ist hier bis zu fünfzigfach erhöht.

4 Systematik

Bisher sind drei Formen der amyotrophen Lateralsklerose bekannt:

  • Sporadische Form: Die sporadische amyotrophe Lateralsklerose tritt am häufigsten auf. Ihre Ursachen sind bis heute nicht verstanden.
  • Familiäre Form: Die familiäre amyotrophe Lateralsklerose ist eine autosomal-dominante Erkrankung.
  • Endemische Form: Eine massiv erhöhte Inzidenz der amytrophen Lateralsklerose in bestimmten Endemiegebieten ist beschrieben (siehe oben).

5 Symptomatik

Die amyotrophe Lateralsklerose manifestiert sich zuerst an den Akren durch unkontrollierte Faszikulationen und später schlaffe Lähmungen. Von den kleinen Hand- und Fußmuskeln schreitet die Erkankung nach proximal fort, wo sie die Muskelgruppen an Armen und Beinen atrophieren lässt. Neben den schlaffen Paralysen nehmen viele Patienten äußerst schmerzhafte Muskelkrämpfe wahr.

Die Atrophie der Gesichtsmuskulatur lässt das Gesicht ausdruckslos und eingefallen erscheinen. Schließlich manifestieren sich Lähmungen der Muskulatur an Zunge, Gaumen, Pharynx und Larynx (Symptomatik der Bulbärparalyse), die schließlich zum Tod durch Aspiration von Fremdkörpern oder Erstickung führen.

Sensibilität, Sensorik und Bewusstsein sind während des gesamten Krankheitsverlaufs voll erhalten.
Anmerkung: Eine Sonderform der amyotrophen Lateralsklerose führt zu spastischen Lähmungen besonders der Beine, Rigidität und positiven Pyramidenbahnzeichen; sie wird als Erb-Sklerose bezeichnet.

6 Diagnostik

  • Körperliche Untersuchung: Der erste Schritt zur Diagnose einer amyotrophen Lateralsklerose besteht in der körperlichen Untersuchung. Können durch Beklopfen der Muskulatur oder durch Kältereize Faszikulationen ausgelöst werden, besteht ein weiter abzuklärender Krankheitsverdacht.
  • Elektromyogramm: Im Elektromyogramm lässt sich üblicherweise eine pathologische Muskelaktivität, häufig kombiniert mit einer Verminderung motorischer Einheiten, nachweisen.
  • Muskelbiopsie: Sie ermöglicht die Differenzierung zwischen neurogener und myogener Muskelatrophie.
  • Bildgebung: Nachweis voh Atrophien in Gehirn und Rückenmark durch CT oder MRT
  • Laboruntersuchungen: Nachweis von Neurofilament light (NFL) im Liquor oder im Blut. Die Höhe des NFL-Spiegels ist bei ALS signifikant erhöht. Die Höhe des Serumspiegels ermöglicht eine Prognoseabschätzung.[2][3]Referenzfehler: Für ein <ref>-Tag fehlt ein schließendes </ref>-Tag.

6.1 Symptomatische Therapie

Weil eine kurative Therapie zur Zeit nicht möglich ist, kommt der symptomatischen Therapie eine sehr wichtige Rolle zu. Nach der Bildung der bulbären Symptomatik ist für die meisten Patienten die Hypersalivation das größte Problem. Der Patient kann den Speichel nicht mehr richtig schlucken und verschluckt sich dauernd. Hier kommen anticholinerg wirksame Medikamente wie Amitriptylin, Scopolamin oder Methionin zum Einsatz, deren "Nebenwirkungen" man nutzt, um die Hypersalivation zu vermindern. Ersatzweise bietet sich eine Injektion von Botox in die Speicheldrüsen an.

Bei Angst und Unruhezuständen werden schnell wirksame Benzodiazepine eingesetzt. Dazu eignet sich sublingual und buccal applizierbares Lorazepam, da die Patienten im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr schlucken können. Es können aber auch Diazepam-Tropfen über die PEG gegeben werden.

Äußerst wichtiger Bestandteil der Therapie ist die psychologische, ibs. neuropsychologische und psychotherapeutische Betreuung der Patienten, die das Fortschreiten bei vollem Bewusstsein erleben. Die Psychotherapie kann zur Stärkung des Lebenswillens beitragen und ermöglicht dem Patienten einen besseren Umgang mit der Krankheit. Bei der bulbären Verlaufsform mildert oder behebt Logopädie die Schluckstörungen, Bisse in die Zunge oder die Wangen und hilft bei der Sprechstörung.

In der terminalen Krankheitsphase ist die Angst zu ersticken eines der größten Probleme. Ihr wird mit niedrig dosierten Opiaten wie Morphin begegnet. Opiate wirken anxiolytisch und unterdrücken das Atemzentrum in Medulla oblongata. Dadurch wird der zentrale Sollwert für Sauerstoff heruntergesetzt und die Patienten kommen subjektiv mit weniger Sauerstoff aus.

6.2 Stammzelltherapie

Ein weiterer Behandlungsansatz ist die Stammzelltherapie. Dabei werden autologe Stammzellen eingesetzt, die dem Patienten entweder aus dem Knochenmark oder dem Blut entnommen, gezüchtet und dann in geschädigte Areale des Großhirns und des Rückenmarks eingepflanzt werden. Die aktuelle Studienlage berichtet bei einigen Patienten vom Stillstand der Progression und von einer subjektiven Lebensqualitätsverbesserung. Eine abschließende Beurteilung ist zur Zeit (2016) nicht möglich, da die Datenlage ungenügend ist. Diese Form der Therapie ist in Deutschland nicht zugelassen.

7 Prognose

Die amyotrophe Lateralsklerose führt üblicherweise innerhalb weniger Jahre zum Tod durch eine respiratorische Insuffizienz, die zu einer Hypoxämie und Hyperkapnie führt. Durch die verminderte Lungenbelüftung treten häufig Pneumonien auf, die den Zustand des Patienten akut verschlechtern können.

Die mittlere Überlebensdauer nach Diagnosestellung beträgt 3 Jahre, es sind aber auch Fälle mit einem deutlich längeren Überleben geschildert. Das bekannteste Beispiel hierzu ist sicherlich der Astrophysiker Stephen Hawking, der seit seiner Diagnosestellung 1963 über fünfzig Jahre überlebte und erst im Jahr 2018 verstarb.

8 Leitlinien

9 Weblinks

10 Quellen

  1. ALS: Dresdner Grundlagenforscher entdecken neuen Krankheitsmechanis­mus bei Amyotropher Lateralsklerose
  2. Ching-Hua Lu et al.: Neurofilament light chain. A prognostic biomarker in amyotrophic lateral sclerosis Neurology. 2015 Jun 2; 84(22): 2247–2257. doi: [10.1212/WNL.0000000000001642] PMCID: PMC4456658 PMID: 25934855
  3. Verde F, Steinacker P, Weishaupt JH, et al.: Neurofilament light chain in serum for the diagnosis of amyotrophic lateral sclerosis. J Neurol Neurosurg Psychiatry Published Online First: 11 October 2018. doi: 10.1136/jnnp-2018-318704

Fachgebiete: Neurologie

Priviet
#3 am 12.12.2016 von Igor Ivanovic (Nichtmedizinischer Beruf)
Gast
Stephen Hawkins heisst eigentlich Stephen Hawking.
#2 am 25.08.2016 von Gast (Student/in der Humanmedizin)
Vielen Dank erst einmal für diesen Artikel :-). Ich habe allerdings inhaltlich eine Frage: "Hier kommen anticholinerg wirksame Medikamente wie Amitriptylin, Scopolamin oder Methionin zum Einsatz, deren "Nebenwirkungen" man nutzt, um die Hypersalivation zu vermindern." Wirkt Methionin tatsächlich anticholinerg? Denn darüber finde ich nichts greifbares, in den gängigen Portalen.
#1 am 15.07.2016 von Katrin Grünewald (Pflegewirt/in)

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