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Amanitin

Version vom 3. August 2017, 09:03 Uhr von Jessica Geller (Diskussion | Beiträge)

1 Definition

Bei Amanitin handelt es sich um Amatoxine, welche in der Natur im Grünen Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) vorkommen und zu den Cyclopeptiden zählen und aus 8 Aminosäuren aufgebaut sind. Man unterteilt dabei das Aminatin in α-Amanitin, β-Amanitin, γ-Amanitin und ε-Amanitin, welche sich strukturell nur in 5 Variablen Seitenresten unterscheiden und alle einen nahezu identischen Wirkmechanismus aufweisen. Dabei ist das bekannteste Amanitin das α-Amanitin, welches das Hauptgift des Grünen Knollenblätterpilzes ist.



2 Toxikodynamik

Amanitine verhindern die Bildung von mRNA in den Zellen durch Blockade der RNA Polymerase II. Dadurch kommen mehrere Stoffwechselprozesse zum erliegen, da die benötigten Enzyme nicht mehr gebildet werden. Außerdem werden Strukturproteine bei ihrer Alterung nichtmehr ersetzt, wodurch es zum Zelluntergang kommt.

Alle Aminatine weisen eine hohe Toxizität auf mit einer LD50 im Tiermodell (oral, Maus) von:

  • α-Amanitin: 0,3 mg/kg
  • β-Amanitin: 0,5 mg/kg
  • γ-Amanitin: 0,2 mg/kg
  • ε-Amanitin: 0,3 mg/kg

3 Verlauf

Die Intoxikation mit Amanitin zeichnet sich durch ihren tückischen Verlauf aus. Etwa 10 Stunden nach Aufnahme des Toxins kommt es zu gastrointestinalen Beschwerden, welche leicht mit einer Harmlosen Lebensmittelinfektion verwechselt werden können. Nach etwa 2-3 Tagen tritt ein scheinbares Wohlbefinden ein. Jedoch kommt es schon etwa 5 Tage nach der Aufnahme zum akuten Leberversagen, welches mit typischen Symptomen wie Ikterus (Gelbsucht), Aszites und hepatischen Koma einhergeht. Ohne medizinische Behandlung verstirbt der Patient meist nach etwa 10 Tagen.

4 Therapie

Zur Therapie wird intravenös Silibinin verabreicht. Silibinin wirkt, indem es den enterohepatischen Kreislauf von Amanitin unterbindet und zugleich durch seine zellmembranstabilisierenden Eigenschaften hepatoprotektiv wirkt. In der Regel wird Silibinin zusammen mit einem β-Lactam-Antibiotikum (z.B. Penicillin G) verabreicht, da sich so die Prognose gut verbessern lässt. Sollte die Leber bereits zu stark irreversibel geschädigt sein, so kann eine Lebertransplantation erwogen werden. Außerdem muss der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen werden und bedacht werden, dass es bei Intoxikation mit Amanitin häufig zur Hypoglykämie kommt.

5 medizinische Anwendung

In ca. 50% aller menschlichen Tumore ist der Transkriptionsfaktor p53 mutiert, der unter Bedingungen induziert wird, in denen DNA- Reparatur oder Apoptose notwendig ist. Dabei geht oftmals eine daran angrenzende Genkopie für die größte und katalytisch aktive Untereinheit der RNA-Polymerase II (POLR2A) mit verloren. Daher Untersucht man derzeit die Anwendung von α-Amanitin in der Behandlung von p53-negativen Tumoren, da die Tumorzellen stärker an der Hemmung der RNA-Polymerase leiden als die gesunden Zellen.

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Fachgebiete: Pharmakologie, Toxikologie

Diese Seite wurde zuletzt am 3. August 2017 um 09:03 Uhr bearbeitet.

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