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Altersphysiologie

Version vom 17. Juli 2014, 00:56 Uhr von Andreas Rheinländer (Diskussion | Beiträge)

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1 Definition

Unter Altersphysiologie werden die normalen regelgerechten Veränderungen des menschlichen Körpers in verschiedenen Altersstufen verstanden. Sie ist ein Teilgebiet der klinischen Physiologie.

Erste konkrete therapeutische Folgen der Erkenntnis von den physiologischen Veränderungen im Alter wurden von Max Bürger formuliert, der dafür den heute nicht mehr gebräuchlichen Begriff der biorheutischen Physiologie verwendete. Er begründete später die Gerontologie, die Wissenschaft vom Altern.

Sie ist von der Geriatrie abzugrenzen, die sich mit den Besonderheiten der Erkennung, Behandlung und Therapie von Erkrankungen im (höheren) Alter befasst sowie von der Gerontologie, die sich mit den Ursachen altersbedingter Veränderungen beschäftigt.

2 Funktionelle Aspekte

Die Altersphysiologie stützt sich auf verschiedene Konzepte, die in ihrer Gesamtheit das Altern als multifaktorielles Geschehen mit zunehmender Einschränkung aller Organfunktionen (physiologische altersbedingte Organinsuffizienz) beschreibt.

Die an allen Organen zu beobachtenden Veränderungen treten im Regelfalle nicht gleichmäßig auf (physiologische Heterogenität des Alterns), ebenso wie der Alterungsprozess selbst einer Variabilität ausgesetzt ist.

2.1 Herz-Kreislauf-System

Mit zunehmendem Alter kommt es zu einer physiologischen Herzinsuffizienz. Diese beruht auf einer verringerten Empfindlichkeit der beta-Rezeptoren der Kardiomyozten (alpha-Rezeptoren sind nicht betroffen). Die Herzfrequenzvariabilität verringert sich, die maximale Herzfrequenz sinkt. Eine respiratorische Arrhytmie ist im höheren Alter nicht mehr nachweisbar.

Erkrankungen des Herzens haben deutlich längere Rekonvaleszenzphasen.

2.2 Atmung

Das Lungenparenchym verliert an Elastizität, die Anzahl der Lungenkapillaren geht zurück und die Dichte elastischer Fasern lässt nach. Dies wird mit einer Vergrößerung der Alveolen und einer verminderten Expression von Proteinen, die an der Bildung von Bindegewebsfasern beteiligt sind, erklärt.

Funktionell kommt es zur Verschlechterung aller Lungenfunktionsparameter.

2.3 Energie-Stoffwechsel

Sowohl in insulinerger, als auch in glucagonerger Stoffwechsellage kommt es zu verzögerten Reaktionen in allen Zellen. Die Empfindlichkeit von Rezeptoren für ihre Liganden lässt nach und Signalkaskaden, welche Proteinbiosyntheseschritte enthalten, laufen langsamer ab. Mit (deutlich) steigendem Lebensalter kommt es zu einer hypotrophiebedingten physiologischen Leber- sowie einer Pankreasinsuffizienz. Dies geht mit einer verringerten Produktion an leberspezifischen Proteinen sowie einem relativen Insulinmangel einher.

Der Glucose-Doppelbelastungstest eines älteren Menschen zeigt häufig einen Kurvenverlauf, der dem eines jüngeren Menschen mit Diabetes mellitus entspricht.

2.4 Verdauung

Im gesamten Verdauungstrakt verringert sich die Motilität, die Frequenz der Peristaltikwellen nimmt ab. Der Defäkationsreflex wird abgeschwächt.

Die Resorption von Nährstoffen ist verringert, bei gleichzeitiger Abnahme der Sekretion von Intrinsic Factor, Pepsin und Magensäure.

2.5 Xenobiotika-Stoffwechsel

Neben der Leberhypotrophie verringert sich auch das Nierenvolumen. Die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes (und ihre Regelbreite bezüglich der Motilität) verringert sich.

Da alle drei Organe jeweils für die Aufnahme bzw. den Abbau bestimmter Xenobiotika und Toxine zuständig sind, verändern sich Pharmakokinetik und Pharmakodynamik der meisten zugeführten Medikamente, häufig benötigen Sie länger bis zum Wirkeintritt und verbleiben länger im Blutplasma.

2.6 Blutbildendes System

Das aktive Knochenmark verringert sich systematisch. Dies geschieht durch Ersatz blutbildenden Gewebes durch Fett und Bindegewebe. Hämatokrit und Hämoglobinspiegel verringern sich. Etwa beginnend mit dem 40. Lebensjahr verringert sich kontinuierlich die Anzahl der Lymphozyten. T-Helferzellen und T-Killerzellen verlieren an Zahl und Aktivität.

Das Blutbild eines Menschen im hohen Alter kann dem einer jungen Person im anämischen Zustand gleichen.

2.7 Bewegungsapparat

Der Kalziumstoffwechsel wird neu ausgerichtet. Der Mineralgehalt der Knochen nimmt ab. Die Muskelmasse hypotrophiert zunehmend und wird teilweise durch Fettgewebe ersetzt, während die Belastbarkeit der Sehnen zurückgeht.

2.8 Endokrines System

Die Empfindlichkeit membranärer und nukleärer Rezeptoren für Hormone verringert sich. Es kommt zum Absinken der mittleren Hormonspiegel, insbesondere von Testosteron, Progesteron und Östrogen. Letzteres ist bedingt durch das Erlöschen der Keimdrüsenfunktion der Frau auf Grund einer physiologischen Ovarialinsuffizienz, während eine abgrenzbare Andropause (Keimdrüsenfunktionsende) des Mannes nicht nachweisbar ist.

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Fachgebiete: Physiologie

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