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Alien-Hand-Syndrom

Version vom 23. September 2017, 12:07 Uhr von Dominik Mannhart (Diskussion | Beiträge)

1 Definition

Das Alien-Hand-Syndrom ist eine äußerst seltene neurologische Erkrankung, bei der sich eine von beiden Händen der willkürlichen Steuerung entzieht und autonome und unkontrollierbare Bewegungen ausführt.

2 Ursache

Das sehr bizarr anmutende Störungsbild kommt am ehesten bei Menschen vor, bei denen der Balken im Gehirn (Corpus callosum) durchtrennt ist. Personen mit dieser anatomischen Anormalität werden Split-Brain-Patient genannt. Als Entdecker dieser Erkrankung gilt der deutsche Neurologe Kurt Goldstein, der sie Anfang des 20. Jahrhunderts als erster beschrieben hat. Der Bergriff Alien-Hand-Syndrom stammt aus dem Jahr 1972, wo bei einigen Patienten die typischen Symptome beobachtet wurden. Die drei Personen litten an einer Raumforderung im Bereich des Corpus callosum. Während die topographische Einordnung der Krankheit mittlerweile ziemlich genau geklärt ist, ist die Entstehung bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Es existieren aber mehrere Theorien, wie es zu dieser Störung kommen könnte. Als relativ sicher gilt die Annahme, dass es zwei Formen des Alien-Hand-Syndroms gibt.
Bei der einen Form liegt eine Schädigung im Corpus callosum vor. Es gibt auch Fälle, bei denen zusätzlich noch eine Läsion bzw. Schädigung im Frontallappen vorliegt. Durch den Schaden am Corpus callosum kommt es zu einem weitestgehenden Ausfall des Signalaustausches zwischen beiden Hirnhemisphären. Bei dieser Form der Hirnschädigung ist die linke Hand häufiger betroffen, als die Rechte. Jede Gehirnhälfte steuert die Bewegungsabläufe der kontralateralen Körperhälfte (der Engegengesetzten). Ist das Corpus callosum zerstört, unterliegt beispielsweise die linke Hand nur noch der Kontrolle der rechten Hirnhälfte. Die linke Hirnhälfte ist aber unerlässlich für die logisch-analytischen Denkprozesse und Bewegungsplanungen, sowie für die Steuerung komplexer feinmotorischer Bewegungen. Da diese gesamte Kontrolle wegfällt, ist die linke Hand zwar nicht gelähmt, aber sie unterliegt nicht mehr der willkürlichen Kontrolle durch das Gehirn. Auffallend an der Symptomatik ist, dass die betroffene Hand meistens entgegengerichtete Bewegungsmuster ausführt, als die willentlich Kontrollierbare. Auch ist die „Alien-Hand“ meistens ruhig, wenn die gesunde Hand nicht bewegt wird.
Bei der anderen Form der beschrieben Erkrankung liegt eine Schädigung im Areal des Frontallappens vor. Insbesondere hier liegt die Schaltzentrale für willkürliche Bewegungen und Koordination. Bei dieser Art ist meistens die Hand der dominanten Körperhälfte – also die Rechte betroffen. Auch als Spätfolge von Schädel-Hirnverletzungen oder Schlaganfällen kann dieses extrem seltene Krankheitsbild auftreten.

3 Diagnose

Die Diagnose ist ausschließlich über die genannten Phänomene zu stellen, kein anderes Krankheitsbild weist eine gleiche oder ähnliche Symptomatik auf.

4 Therapie

Es existiert bisher kein kausaler Therapieansatz. Allerdings können Betroffene versuchen, die Hand zu „beruhigen“ bzw. zu „erziehen“, in dem sie die Hand z. B. auf dem Rücken festbinden, so dass sie sich nicht bewegen kann. Selbstverständlich handelt es sich dabei um eine höchst-provisorische Behandlung. In den meisten Fällen bildet sich das Alien-Hand-Syndrom aber nach einigen Jahren wieder von alleine zurück.

Diese Seite wurde zuletzt am 25. September 2017 um 14:31 Uhr bearbeitet.

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