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Alginat (Algin, Alginsäure) ist ein saures Polysaccharid, das in den Zellwänden der Braunalgen (''Phaeophyceae'') gebildet wird und diesen ihre typische Flexibilität verleiht. Auch einige Bakterien sind zur Produktion von Algin fähig.  
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==Definition==
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'''Alginat''' ist ein saures [[Polysaccharid]], das in den [[Zellwand|Zellwänden]] der [[Braunalge]]n (''Phaeophyceae'') gebildet wird und diesen ihre typische Flexibilität verleiht. Auch einige [[Bakterien]] sind zur Produktion von Alginat fähig. Alginate sind Salze der '''Alginsäure'''.
  
Es setzt sich zusammen aus den Monosacchariden α-1,4- Guluronsäure und β- D- Mannuronsäure, die beide zu den Uronsäuren gehören. Die Beschaffenenheit und Funktion des Algins ähnelt somit dem des Pektins höherer Pflanzen.  
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==Biochemie==
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Alginat setzt sich zusammen aus den [[Monosaccharid]]en α-1,4-[[Guluronsäure]] und β-D-[[Mannuronsäure]], die beide zu den [[Uronsäure]]n gehören. Die Beschaffenenheit und Funktion des Alginats ähnelt somit dem des [[Pektin]]s höherer Pflanzen.  
  
Alginate finden ihre Verwendung in vielen Gebieten, vor allem in der Lebensmittelindustrie, wo sie als Geliermittel, Verdickungsmittel, Stabilisator und Emulgator eingesetzt werden und auf den Produkten als die Zusatzstoffe E400 bis E405, je nach Art der Alginsäure, gekennzeichnet sind.  
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==Verwendung==
Weitere Einsatzgebiete finden sie zum Beispiel als Appreturmittel in der Textilherstellung, als Trennmittel und als Biomaterial.
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===Industrie===
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Alginate werden vor allem in der Lebensmittelindustrie verwendet, wo sie als [[Geliermittel]], Verdickungsmittel, [[Stabilisator]] und [[Emulgator]] eingesetzt werden. Auf entsprechenden Produkten wird der Zusatz von Alginaten je nach Art durch die Nummern E400 bis E405 gekennzeichnet. Weitere Einsatzgebiete sind die Verwendung als Appreturmittel in der Textilherstellung, als Trennmittel und als Biomaterial.  
  
Das für diese Zwecke benötigte Algin stammt hauptsächlich aus den Algengattungen ''Laminaria'' und ''Macrocystis''.
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Das für industrielle Zwecke benötigte Alginat stammt hauptsächlich aus den Algengattungen ''Laminaria'' und ''Macrocystis''. Zur Alginatgewinnung werden die Algen zunächst getrocknet, gewaschen und gemahlen. Anschließend wird das Algiant extrahiert und in mehreren Schritten für den weiteren Verbrauch aufgereinigt.
Zur Alginatgewinnung werden die Algen zunächst getrocknet, gewaschen und vermahlen. Anschließend wird das Algiant extrahiert und in mehreren Schritten für den weiteren Verbrauch aufgereinigt.
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In der Medizin wird Alginat in Form von Kalziumalginat als Bestandteil von [[Verband|Verbandsmaterial]] eingesetzt. Es saugt [[Exsudat]] auf und bildet ein [[viskös]]es [[Gel]]. Dadurch kann es die [[Wundheilung]] durch Erhaltung eines feuchten Milieus begünstigen. Alginat wird vorwiegend bei tiefen, nässenden [[Wunde]]n eingesetzt. Es sollte jedoch nicht bei [[Brandwunde]]n oder trockenen und [[nekrotisch]]en Wunden eingesetzt werden.
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Natriumalginat wird zudem in Kombination mit [[Natriumbicarbonat]] und [[Calciumcarbonat]] (Gaviscon<sup>®</sup>) zur [[symptomatisch]]en Therapie von [[Refluxkrankheit|gastroösophagealem Reflux]] und [[Sodbrennen]] eingesetzt. Es bildet mit der [[Magensäure]] einen Gelschaum mit nahezu neutralem [[pH-Wert]]. Dieser Schaum schwimmt auf dem Mageninhalt und bildet somit eine physikalische Barriere gegen die Säure ("alginate raft"), wodurch das saure Aufstoßen mechanisch verhindert wird. Natriumbicarbonat und Calciumcarbonat unterstützen die Schaumbildung und wirken gleichzeitig als [[Antazidum]].
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In der [[Selbstmedikation]] werden Natriumalginat-Präparate (z.B. CM3<sup>®</sup> Alginat) außerdem zur [[Gewichtsreduktion]] angewendet. Dabei sollen die Alginate durch Quellung im [[Magen]] ein [[Sättigungsgefühl]] erzeugen.
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===Zahnmedizin===
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In der [[Zahnmedizin]] werden Alginate als [[Abformmaterial]] eingesetzt - vorzugsweise zur Herstellung von [[Situationsmodell]]en.
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[[Fachgebiet:Biologie]]
 
[[Fachgebiet:Biologie]]
[[Tag:Braunalgen Algin E400 Nahrungsmittel]]
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[[Fachgebiet:Gastroenterologie]]
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[[Tag:Antazidum]]
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[[Tag:Braunalge]]
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[[Tag:Polysaccharid]]
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[[Tag:Sodbrennen]]
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[[Tag:Wundauflage]]
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[[Tag:Wundbehandlung]]

Aktuelle Version vom 14. November 2019, 19:54 Uhr

1 Definition

Alginat ist ein saures Polysaccharid, das in den Zellwänden der Braunalgen (Phaeophyceae) gebildet wird und diesen ihre typische Flexibilität verleiht. Auch einige Bakterien sind zur Produktion von Alginat fähig. Alginate sind Salze der Alginsäure.

2 Biochemie

Alginat setzt sich zusammen aus den Monosacchariden α-1,4-Guluronsäure und β-D-Mannuronsäure, die beide zu den Uronsäuren gehören. Die Beschaffenenheit und Funktion des Alginats ähnelt somit dem des Pektins höherer Pflanzen.

3 Verwendung

3.1 Industrie

Alginate werden vor allem in der Lebensmittelindustrie verwendet, wo sie als Geliermittel, Verdickungsmittel, Stabilisator und Emulgator eingesetzt werden. Auf entsprechenden Produkten wird der Zusatz von Alginaten je nach Art durch die Nummern E400 bis E405 gekennzeichnet. Weitere Einsatzgebiete sind die Verwendung als Appreturmittel in der Textilherstellung, als Trennmittel und als Biomaterial.

Das für industrielle Zwecke benötigte Alginat stammt hauptsächlich aus den Algengattungen Laminaria und Macrocystis. Zur Alginatgewinnung werden die Algen zunächst getrocknet, gewaschen und gemahlen. Anschließend wird das Algiant extrahiert und in mehreren Schritten für den weiteren Verbrauch aufgereinigt.

3.2 Medizin

In der Medizin wird Alginat in Form von Kalziumalginat als Bestandteil von Verbandsmaterial eingesetzt. Es saugt Exsudat auf und bildet ein visköses Gel. Dadurch kann es die Wundheilung durch Erhaltung eines feuchten Milieus begünstigen. Alginat wird vorwiegend bei tiefen, nässenden Wunden eingesetzt. Es sollte jedoch nicht bei Brandwunden oder trockenen und nekrotischen Wunden eingesetzt werden.

Natriumalginat wird zudem in Kombination mit Natriumbicarbonat und Calciumcarbonat (Gaviscon®) zur symptomatischen Therapie von gastroösophagealem Reflux und Sodbrennen eingesetzt. Es bildet mit der Magensäure einen Gelschaum mit nahezu neutralem pH-Wert. Dieser Schaum schwimmt auf dem Mageninhalt und bildet somit eine physikalische Barriere gegen die Säure ("alginate raft"), wodurch das saure Aufstoßen mechanisch verhindert wird. Natriumbicarbonat und Calciumcarbonat unterstützen die Schaumbildung und wirken gleichzeitig als Antazidum.

In der Selbstmedikation werden Natriumalginat-Präparate (z.B. CM3® Alginat) außerdem zur Gewichtsreduktion angewendet. Dabei sollen die Alginate durch Quellung im Magen ein Sättigungsgefühl erzeugen.

3.3 Zahnmedizin

In der Zahnmedizin werden Alginate als Abformmaterial eingesetzt - vorzugsweise zur Herstellung von Situationsmodellen.

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