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Adenovirusinfektion

Version vom 18. Januar 2021, 09:55 Uhr von Selina Wächter (Diskussion | Beiträge)

1 Definition

Adenovirusinfektionen enstehen durch Infektion mit verschiedenen Typen des Adenovirus. Sie verursachen etwa 5 - 8% der akuten respiratorischen Erkrankungen im Kindesalter sowie gastrointestinale und ophthalmologische Symptome.

2 Erreger

Humanpathogene Adenoviren werden der Gattung Mastadenovirus (Familie Adenoviridae) zugeordnet und als humanes Mastadenovirus A bis G bezeichnet. Sie sind artspezifisch, kommen also nur bei Menschen vor. Mittlerweile sind 54 verschiedene Serotypen bekannt. Adeno-Viren sind hüllenlose DNS-Viren und gegen äußere Einflüsse, insbesondere Kälte und gefrieren, resistent.

3 Epidemiologie

Die Übertragung der Adenoviren erfolgt über Tröpfcheninfektion, Schmierinfektion, sowie fäkal-oral. Da sich die Adenoviren nur schwer durch Desinfektionsmittel inaktivieren lassen, besteht immer die Gefahr einer nosokomialen Infektion. Die Inkubationszeit beträgt fünf bis acht Tage.

4 Symptomatik

4.1 Akute respiratorische Erkrankungen

  • Bei Kindern gehen sie typischerweise in den oberen Atemwegen mit Schnupfen, einer Pharyngitis oder Tonsillitis mit wässrigen Bläschen am weichen Gaumen und einer Bronchopneumonie einher. Im Falle des pharyngokonjunktivalen Fieber bestehen zugleich eine follikuläre Konjunktivitis und eine Lymphadenitis. Es kann auch zum sogenannten Pertussis-Syndrom kommen, das klinisch vom Keuchhusten kaum zu unterscheiden ist.
  • Bei Kindern und Erwachsenen mit Immundefekten ist meist unterer Respirationstrakt betroffen. Hier kann es ebenso zur Bronchopneumonie, aber auch vereinzalt zur Meningoenzephalitis oder Hepatitis kommen.

4.2 Keratokonjunktivitis epidemica

Bei der Keratokonjunktivitis epidemica handelt es sich um eine gefürchtete nosokomiale Infektion des Auges.

Die typischen Symptome sind:

Die Konjunktiva weist charakteristische große ovale Follikel und Pseudomembranen auf. Eine präaurikuläre Lymphadenopathie besteht meist begleitend. Bei Kindern sind Hornhautkomplikationen wesentlich seltener als beim Erwachsenen. Die Kontagiosität ist extrem hoch. Abzugrenzen von der Keratokonjunktivitis epidemica ist die akute follikuläre Konjunktivitis, auch Schwimmbadkonjunktivitis genannt, die ebenfalls von Adenoviren verursacht werden kann.

Der direkte Erregernachweis aus dem Konjunktivalabstrich unterliegt nach §7 IfSG der Meldepflicht!

4.3 Gastrointestinale Infektionen

Gastrointestinale Infektionen durch Adenoviren führen zu Diarrhoe. Eine Assoziation mit einer Invagination und einer Appendizitis kann häufig beobachtet werden.

4.4 Urogenitale Infektionen

Infektionen im urogenitalen Bereich provozieren oft eine Zystitis, die auch hämorrhagisch sein kann. Ferner können sich auch genitale Ulzera bilden, die dann auch sexuell übertragbar sind.

4.5 Allgemein

Adeno-Viren können in Tonsillen und Urogenitaltrakt persistieren und bei Abwehrschwäche zu endogenen Reaktivierungen führen. Die Hälfte der Infektionen verlaufen inapparent.

5 Labormedizin

5.1 Allgemeines

Im Gegensatz zu viralen Infektionen durch andere Viren besteht bei Adenovirusinfektionen häufig eine Leukozytose und eine (meist milde) Erhöhung des CRP.

5.2 Adenovirus-Antikörper

Serologisch lassen sich per ELISA spezifische Antikörper nachweisen. Da Erwachsene im Laufe des Lebens jedoch oftmals kreuzreaktive Antikörper entwickeln, ist die serologische Diagnostik eher bei Kindern angebracht.

5.2.1 Material

Hierfür wird 1 ml Serum benötigt.

5.2.2 Referenzbereiche

  • IgG-ELISA: Kinder <7 U/l; Erwachsene <14 U/l
  • IgM-ELISA: Kinder <7 U/l; Erwachsene <14 U/l
  • KBR: 1:<20

5.2.3 Interpretation

  • nur IgM in ansteigendem Titer: sehr frische Infektion (Kontrolle empfohlen!)
  • IgM- und IgG-Titer: frische/kürzliche Infektion
  • nur IgG-Titer: alte Infektion
  • hoher IgG-Titer: erneuter Antigenkontakt (Boosterung) oder Reaktivierung

5.3 direkter Erregernachweis

  • Antigennachweis durch ELISA-Technik: v.a. Stuhlnachweise
  • DNA mittels PCR: aus Sputum, Konjunktival- und Nasopharynxabstrichen
    • trockener Tupfer ohne Nährmedien im sterilen Röhrchen erforderlich.
  • direkter Immunfluoreszenztest (IFT): aus Sputum oder Nasopharyngealabstrichen
    • normaler Abstrichtupfer notwendig.

Im Falle enteritischer Erkrankungen empfiehlt sich eine Stuhl-Untersuchung auf mehrere enteropathogene Erreger, da man symptomatisch selten auf die Ursache schließen kann. Hier können die Viren ggf. elektronenmikroskopisch nachgewiesen werden.

5.3.1 Material

Die Isolation des Virus erfolgt aus:

5.3.2 Referenzbereich

Hierbei sollten die Resultate negativ ausfallen.

6 Therapie

Eine kausale Therapie ist nicht möglich.

7 Quelle

  • Laborlexikon.de, abgerufen am 18.1.2021

Diese Seite wurde zuletzt am 18. Januar 2021 um 09:55 Uhr bearbeitet.

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