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Adenohypophyse

Synonyme: Hypophysenvorderlappen, HVL, Lobus anterior hypophysis
Englisch: adenohypophysis, anterior lobe of the pituitary gland

1 Definition

Die Adenohypophyse bzw. der Hypophysenvorderlappen stellt den größeren Teil der Hypophyse dar. Sie ist eine endokrine Drüse, die zahlreiche Effektor- oder Steuerhormone sezerniert.

siehe auch: Neurohypophyse

2 Embryologie

Die Adenohypophyse entsteht ab der vierten Embryonalwoche aus der ektodermalen Rathke-Tasche und ist somit entwicklungsgeschichtlich kein Hirnteil.

3 Einteilung

Die Adenohypophyse besteht aus drei Teilen:

Dabei bilden die Pars distalis und Pars intermedia den Hypophysenvorderlappen und somit den Großteil der Adenohypophyse. Die Pars tuberalis ist ein kleiner Abschnitt, der sich nach kranial ausbreitet und den ventralen Teil des Hypophysenstiels bildet.

4 Histologie

Die Adenohypophyse besteht aus epithelialen Zellen, die sich in Gruppen und Strängen anordnen. Dazwischen breitet sich kollagenes Bindegewebe aus, welches weitlumige Kapillaren (Sinusoide) mit fenestriertem Endothel beinhaltet.

Die Epithelzellen lassen sich nach der Anfärbbarkeit des Zytoplasmas in azidophile, basophile und chromophobe Zellen unterteilen. Durch immunhistochemische Untersuchungen unterscheidet man weiterhin zwischen folgenden Zelltypen, die unterschiedliche Hormone produzieren:

Zwischen den hormonproduzierenden Epithelzellgruppen liegen follikuläre Sternzellen, die mit ihren langen Fortsätzen Zellkontakte ausbilden. Durch Sekretion von Signalmolekülen beeinflussen sie die Funktion der Epithelzellen.

4.1 Pars distalis

Ungefähr 50 % der hormonproduzierenden Zellen sind somatotrop. Sie finden sich insbesondere im anterobasalen Teil. Laktotrope Zellen hingehen sind überwiegend in den posteromedialen Bereichen lokalisiert und machen ca. 10 - 20 % der Zellen aus. In den medialen Abschnitten liegen kortikotrope Zellen. Seltener sind thyreotrope Zellen, die sich vor allem in anteromedialen Anteilen befinden.

Bei ca. 50 % der Epithelzellen zeigt sich weder histologisch noch immunhistochemisch eine spezifische Anfärbung (chromophobe Zellen). Diese enthalten jedoch häufig elektronenmikroskopisch erkennbare sekretorische Granula; evtl. handelt es sich um Stammzellen.

4.2 Pars intermedia

Die Pars intermedia ist nur rudimentär ausgebildet und umfasst eine schmale Zone der Adenohypophyse, die direkt an den Lobus nervosus der Neurohypophyse angrenzt. In dieser Region finden sich überwiegend kortikotrope Zellen, die aus POMC verschiedene Derivate (α-MSH, β-, γ-Lipotropin und β-Endorphin) bilden. Die genaue Wirkung dieser Hormone ist aktuell (2019) unklar. Zum Teil überschreiten sie die durch ein bindegewebiges Septum markierte Grenze zur Neurohypophyse (Basophileninvasion).

Außerdem finden sich in der Pars intermedia häufig kolloidgefüllte Zysten (Pseudofollikel), die von einem einschichtigen oder mehrreihigen Epithel ausgekleidet sind. Dabei handelt es sich um Reste der dorsalen Wand der Rathke-Tasche.

4.3 Pars tuberalis

Die Pars tuberalis ist vom Infundibulum der Neurohypophyse durch eine dünne Schicht aus Bindegewebe getrennt. Die hormonproduzierenden Zellen bilden FSH, LH und TSH, wobei die Funktion der meisten Zellen aktuell (2019) unbekannt ist.

5 Physiologie

Die pulsatile Sekretion der Vorderlappenhormone wird durch Releasing- und Inhibiting-Hormone des Hypothalamus gesteuert. Diese werden v.a. in parvozellulären Neuronen der Ncll. arcuatus, ventromedialis, dorsomedialis und paraventricularis gebildet. Anschließend werden diese Steuerhormone über Axone der hypothalamischen Neurone in die Eminentia mediana des proximalen Infundibulums transportiert und dort gespeichert. Nach bestimmten neurogenen Stimuli können die Hormone freigesetzt und in die Kapillaren des Portalgefäßsystems abgegeben werden, sodass sie in hoher Konzentration zur Adenohypophyse gelangen.

Man unterscheidet folgende adenohypophysären Hormone:

siehe auch: Hypothalamus-Hypophysen-Achse

Diese Seite wurde zuletzt am 11. November 2019 um 15:51 Uhr bearbeitet.

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