Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Acute Respiratory Distress Syndrome

Version vom 14. Januar 2006, 19:02 Uhr von Emrah Hircin (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) « Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version » (Unterschied)

Abkürzung: ARDS
Synonym: Schocklunge

1 Definition

Das Acute respiratory distress syndrome ist eine immer lebensgefährliche akute Schädigung der Alveolen in der Lunge. Sie ist häufig mit einem Multiorganversagen im Rahmen eines SIRS assoziiert und weist eine sehr hohe Mortalität auf.

2 Ätiologie

Ein ARDS kann im Rahmen einer systemischen Reaktion des Körpers oder auch durch eine direkte Lungenschädigung entstehen.

Mögliche Ursachen sind unter anderem:

  • Schock
  • Sepsis, SIRS
  • Disseminierte intravasale Gerinnung z.B. bei
    • Hämolyse, Coma diabeticum, Pankreatitis
  • Polytrauma
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • schwere Verbrennung
  • pulmonale Aspiration (Magensaft, Wasser)
  • Inhalationstrauma (Rachvergiftung, Verbrennung)
  • Beatmung mit hohen Sauerstoffkonzentrationen (sog. Respiratorlunge)
  • Pneumonie

3 Pathogenese

Die Pathogenese eines ARDS ist für die meisten Auslöser gleich. Sie läuft in mehreren Stadien ab. Es handelt sich dabei um eine "überzogene" Entzündungsreaktion der Lunge, die den Krankheitsprozess induziert und im Sinne einer pathologischen Reaktionskaskade aufrechterhält.

Zunächst kommt es zur Ausbildung eines interstitiellen Lungenödems, welches infolge der Lungenschädigung mit Steigerung der Permeabilität der Kapillaren entsteht. Diese Entzündungsreaktion führt zur Einwanderung von neutrophilen Granulozyten. Diese setzen im lytische Enzyme und Sauerstoffradikale frei (oxidative burst), die die Entzündungsreaktion weiter verstärken.

Unter dem Einfluss von Entzündungsmediatoren kommt es zu einem ausgeprägtem "capillary leak", der zur Ausbildung eines alveolären Ödems führt. Dadurch wird der Surfactant auf den Alveolenoberflächen zerstört, es kommt zu Mikroatelektasen. Die Oxygenierung des Blutes ist dadurch kompromittiert.

Verläuft ein ARDS in diesem Stadium nicht tödlich, kommt es zu Ausheilungsbemühungen des Organimus. Dabei werden geschädigte Pneumozyten durch die Proliferation von Fibroblasten und Endothelzellen durch Bindegewebe ersetzt.

Dadurch bleibt die Oxygenierung dauerhaft eingeschränkt, da die Diffusionsstrecke zwischen Blut und Alveole größer wird. Eine Restitutio ad integrum ist in manchen Fällen beschrieben, jedoch für den Großteil der Fälle nicht zu erwarten, sodass von einer bleibenden respiratorischen Insuffizienz ausgegangen werden kann.

4 Klinische Symptomatik

Innerhalb weniger Tage nach dem auslösenden Schädigungsereignis treten Tachypnoe und Dyspnoe (Lungenösem) auf. Es liegt charakteristischerweise eine Hypoxämie vor. Die Körpertemperatur kann abfallen (Hypothermie) oder steigen (Fieber).

Als Komplikation kann durch eine Hypoxie der Organe bedingt ein Multiorganversagen auftreten. Durch die Lungenschädigung ist mit dem Auftreten einer Pneumonie zu rechnen, welche unter diesen Bedingungen leicht eine Sepsis bedingen kann.

5 Diagnostik

Ein ARDS ist zu diagnostizieren bei:

  • Nicht kardial bedingtem Lungenödem (Auskultation, Echokardiographie)
  • massive Einschränkung der Oxygenierung (Blutgasanalyse)
  • bilateral, meist grosflächigen Infiltraten im Röntgen-Thorax

Als klinische Differentialdiagnose kommen vor allem die Lungenembolie, das Linksherzversagen und eine schwer verlaufende Pneumonie in Frage.

6 Therapie

Die Therapie erfolgt intensivmedizinisch. Ein ARDS kann innerhalb von wenigen Stunden zur respiratorischen Dekompensation mit Beatmungsbedarf führen.

An vorderster Stelle muss die auslösende Ursache bekämpft werden. Die Beatmung sollte frühzeitig eingesetzt werden. Dabei sollte mit positiven endexspiratorischen Drücken bei niedrigem Beatmungsdruck gearbeitet werden. Zu hohe Drücke können noch gesunde Luneganteile schädigen und das Krankheitsgeschehen weiter verstärken. Bei diesem Vorgehen können Hyperkapnien auftreten, die jedoch toleriert werden müssen.

Die Therapie erfordert einen maximalen intensivmedizinischen Aufwand. Im späten "Ausheilungsstadium" kann die Gabe von Glukokortikoiden die Fibrosierung der Lunge vermindern.

Diese Seite wurde zuletzt am 6. Mai 2020 um 13:55 Uhr bearbeitet.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

63 Wertungen (4.05 ø)

296.025 Aufrufe

Hast du eine allgemeine Frage?
Hast du eine Frage zum Inhalt?
Copyright ©2020 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: