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Ösophagusfremdkörper (Hund)

Version vom 8. Dezember 2019, 19:19 Uhr von Patrick Messner (Diskussion | Beiträge)

Englisch: esophageal foreign body

1 Definition

Als Ösophagusfremdkörper bezeichnet man einen oral aufgenommenen und im Ösophagus verbleibenden Fremdkörper beim Hund.

2 Ätiologie

Da Hunde polyphage Tiere sind, nehmen sie - im Vergleich zu Katzen - deutlich öfter Fremdkörper mit der Nahrung auf. Die häufigsten Fremdkörper in absteigender Reihenfolge sind:[1]

Die Lokalisation der abgeschluckten Fremdkörper ist meist im distalen Ösophagusabschnitt, zwischen der Herzbasis und dem Zwerchfellhiatus (Hiastus oesopahgeus) (49,5 %). Deutlich seltener kommt es zu Obstruktionen zwischen der kranialen Thoraxapertur und der Herzbasis (33,8 %) oder gar proximal des Brustkorbeingangs (16,7 %).[1]

3 Vorkommen

Ösophagusfremdkörper kommen bei Hunden jeden Alters relativ häufig vor. Es gibt keine Geschlechtshäufung, jedoch können (aus unbekannten Gründen) vermehrt Fremdkörper bei West Highland White Terrier beobachtet werden.

4 Pathogenese

Festsitzende Fremdkörper können entweder zu einer partiellen (Flüssigkeiten können noch passieren) oder zu einer kompletten Obstruktion führen. Unabhängig von der Größe und Beschaffenheit des Gegenstandes kommt es immer auch zu einer mehr oder weniger schweren Ösophagitis. Durch Muskelspasmen und Ödembildung wird das Festsitzen des Fremdkörpers begünstigt.

Bleibt ein Fremdkörper über mehrere Tage hinweg im Ösophagus liegen, kann es auch zu umfangreichen Drucknekrosen der Schleimhaut sowie einer Ösophagusperforation kommen. Im Gegensatz dazu können Fremdkörper mit Widerhaken (z.B. Angelhaken oder große Wirbelkörper) Schleimhautläsionen setzen oder gar die Ösophaguswand perforieren und stecken bleiben. Ösophagusverletzungen verursachen Schmerzen beim Schlucken (Odynophagie), wohingegen perforierende Fremdkörper - je nach Lokalisation - zu Infektionen, Abszessen, Fisteln, Aortavelretzungen, Pneumothorax/Pneumomediastinum oder Pleuritis und sehr selten auch zu bronchoösophagealer Fistelbildung führen.

5 Klinik

Die Symptome hängen von der Art und Größe des Fremdkörpers, vom Grad der Obstruktion (partiell vs. komplett), der Dauer des Geschehens sowie den auftretenden Komplikationen (Aspirationspneumonie, Pneumomediastinum) ab.

Bei einer kompletten Ösophagusobstruktion regurgitieren betroffene Hunde Flüssigkeit und Futter. Die Tiere machen Abschluckversuche und geben schließlich auf, Futter und/oder Flüssigkeit abufzunehmen. Bei einigen Hunden kann vorübergehend auch Hypersalivation beobachtet werden, sodass es - zusätzlich zur mangelnden Flüssigkeitsaufnahme - zu Dehydratation kommt. Bei einer imkompletten Ösophagusobstruktion kann noch Flüssigkeit aufgenommen werden, feste Nahrung hingegen wird meist regurgitiert. Einige Hunde lernen auch ohne feste Nahrung auszukommen und können wochenlang überleben, ehe ihren Besitzern Gewichtsverlust und zunehmende Apathie auffallen. Andere Hunde hingegen fressen schlecht oder gar nicht mehr und zeigen deutliche Odynophagie.

Bleiben große Fremdkörper an der Herzbasis stecken, kann infolge einer Kompression der Stammbronchien auch Atemnot auftreten, sodass ein respiratorisches Problem (z.B. eine bronchiale oder tracheale Obstruktion) vorgetäuscht wird. Selten verletzt ein perforierender Fremdkörper auch ein großes Blutgefäß (z.B. Aorta).

6 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch müssen neben einer pharyngeale Dysphagie auch weitere Ösophagusprobleme (intraluminal, intramural, extraluminal) abgegrenzt werden.

7 Diagnose

Neben der Anamnese und einer gründlichen klinischen Untersuchung muss vorgeschichtlich unbedingt zwischen erbrechen und regurgitieren unterschieden werden. Kann anhand der Anamnese und klinischen Untersuchung nicht mit Sicherheit ein Ösophagusfremdkörper diagnostiziert werden, muss eine Röntgenstudie des gesamten Ösopaghus (mindestens in zwei Ebenen) durchgeführt werden. Bei nicht-röntgendichten Fremdkörpern (z.B. Knorpel) und unsicherer Diagnose ist anschließend eine Kontrastösophagographie mit jodhaltigem Kontrastmittel indiziert. Alternativ kann auch ein Endoskop in den Ösophagus eingeführt und so ein Fremdkörper festgestellt werden.

8 Therapie

Hunde, die schon deutliche Allgemeinstörungen zeigen, sind initial mit Infusionen, parenteraler Breitbandantibiose (z.B. Cephalosporin, Amoxicillin-Clavulansäure, Fluorchinolone) und einem Spasmolytikum (z.B. Metamizol) zu stabilisieren. Am narkotisierten und intubierten Hund wird dann der Fremdkörper (mit Ausnahme von Angelhaken oder sehr spitzen Gegenständen) unter endoskopischer Kontrolle in aboral-oraler Richtung aus dem Ösophagus entfernt.

Besteht eine mittel- bis hochgradige Ösophagitis, eine kleine Perforation oder ein Pneumomediastinum, muss unbedingt eine Behandlung auf Ösophagitis durchgeführt werden (Protonennpumpenhemmer, Sucralfat u.ä.). In diesem Fall ist auch eine perkutane Magensonde (PEG) indiziert.

9 Prognose

Die Prognose ist in den meisten Fällen günstig. In weniger als 5 % der Fälle ist mit Spätkomplikationen wie z.B. Strikturen oder Fistelbildung zu rechnen.

10 Literatur

  • Hans G. Niemand (Begründer), Peter F. Suter, Barbara Kohn, Günter Schwarz (Herausgeber). Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Enke-Verlag, 2012.

11 Quellen

  1. 1,0 1,1 A.G. Burton et al. Risk Factors for Death in Dogs Treated for Esophageal Foreign Body Obstruction: A Retrospective Cohort Study of 222 Cases (1998–2017) J Vet Intern Med. 2017 Nov-Dec; 31(6): 1686–1690. Published online 2017 Oct 14. doi: 10.1111/jvim.14849 (abgerufen am 08.12.2019)

Diese Seite wurde zuletzt am 9. Dezember 2019 um 19:43 Uhr bearbeitet.

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