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Verwesungsmüdigkeit

1 Definition

Als Verwesungsmüdigkeit des Bodens wird der verzögerte Zersetzungsprozess in einem Friedhofsboden nach mehreren Bestattungen bezeichnet.

2 Hintergrund

Nach dem Tod des Menschen beginnen Zersetzungsprozesse (Degradation) mit unterschiedlichen Mechanismen:

Der Zeitraum bis zur Skelettierung liegt zwischen 3 und 12 Jahren. Jedoch können auf Friedhöfen Bedingungen vorhanden sein, die diese natürliche und vollständige Leichenzersetzung innerhalb der vorgesehenen Ruhefristen nicht gewährleisten. Die sogenannte Leichenlipidbildung (Adipocire) wurde ursprünglich nur als Erscheinung bei Wasserleichen oder Massengräbern gedeutet, später wurde dieses Phänomen jedoch auch auf Friedhöfen beobachtet. Ohne Veränderung des Umgebungsmilieus kann dieses Leichenlipid viele Jahrzehnte im Grab überdauern. Durch die wachsende Bevölkerung und Konzentration in Ballungsgebieten mit Flächenknappheit auf Friedhöfen rückt die Problematik zunehmend in den Fokus.

Begünstigend für die Leichenlipidbildung sind ein anaerobes, feuchtes Milieu, wobei auch die Bodeneigenschaften, der pH-Wert und die Umgebungstemperatur eine Rolle spielen. Von einigen Autoren wird die Verwesungsmüdigkeit des Bodens für das Auftreten von Leichenlipidbildung verantwortlich gemacht. Eine Erklärung könnte die Ansammlung von humösen Stoffen infolge der Leichenzersetzung sein, die Feuchtigkeit binden und zur Verkleinerung der Porenräume führen. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Untersuchungen über die Verbreitung der angeblichen "Verwesungsmüdigkeit" von Friedhofsböden. Vermutlich waren diese Böden bereits zu Beginn für die Bestattungstätigkeit ungeeignet.[1] Grundsätzlich sollten die Ruhezeiten einer Grabstätte die lokalen Verrottungsbedingungen berücksichtigen.[2]

3 Verwesungsmüdigkeit im erweiterten Sinne

Zur Verwesungsmüdigkeit im erweiterten Sinne werden oft weitere Faktoren dazugezählt:

  • Bekleidung der Leiche: Die Bekleidung reduziert den Gas- und Wasseraustausch, resorbiert die Feuchtigkeit, führt zur Abkühlung der Leiche und verhindert den Zutritt für Insekten
  • Sargmaterial: Särge aus weichen Holzarten (Fichte, Tanne, Kiefer) sind besser geeignet als Hartholzsärge (z.B. Eiche), da letztere einen höheren Lignin- und Gerbstoffgehalt besitzen und damit eine längere Abbauzeit im Boden bewirken
  • Bestattungstiefe: Bei tieferer Bestattung herrschen ein schlechter Wasser- und Luftaustausch sowie eine geringere Besiedlung durch Insekten
  • Grabbepflanzungen: Eine intensive Begrünung der Grabfläche wirkt fördernd für die Zersetzung; umgekehrt kann eine zu häufige Beseitigung absterbender Pflanzenreste das Biotop beeinträchtigen

4 Quellen

  1. Schmidt M Die Leichenlipidbildung auf Friedhöfen - Maßnahmen zur Prophylaxe und Sanierung, Dissertation 2009, abgerufen am 15.07.2019
  2. http://www.patent-de.com/20051215/DE102004026259A1.html

Fachgebiete: Rechtsmedizin

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