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Urticaria factitia

von lateinisch: facere - machen, ausführen; urtica - Brennessel
Synonyme: Urtikaria factitia, Urticaria facticia, dermographische Urtikaria
Englisch: factitious urticaria, symptomatic dermatographism urticaria (SDU)

1 Definition

Als Urticaria factitia bezeichnet man eine reaktive, stark juckende Quaddelbildung der Haut (Urtikaria) als unmittelbare Folge einer physikalischen Reizung in Form von Kratzen, Scheuern oder Reiben.

2 Epidemiologie

Die Urticaria factitia ist die häufigste Form der physikalischen Urtikaria.

3 Ätiologie

Die Ätiologie ist aktuell (2019) nicht bekannt.

4 Pathophysiologie

Ursächlich für die Quaddelbildung ist eine reizbedingte lokale Mastzelldegranulation mit histamininduzierter Vasodilatation und kapillärer Permeabilitätssteigerung. Häufig ist diese Erkrankung mit physisch oder psychisch belastenden Situationen (z.B. Operationen), Medikamenteneinnahme (z.B. Penicillin, Acetylsalicylsäure), Parasitosen oder Insektenstichreaktionen assoziiert.

5 Symptomatik

Bei der Urticaria factitia entsteht eine strichförmige, stark juckende Quaddelbildung, begleitet von einem Reflexerythem. Meist finden sich multiple Kratzartefakte.

6 Diagnostik

Die Reizspezifität, die kurze Latenzzeit von 1 bis 5 Minuten bis zum Eintreten der Hautreaktion und die Dauer von meist 20 bis 30 Minuten ermöglicht eine differentialdiagnostische Abgrenzung gegenüber anderen Formen der physikalisch induzierten Urtikaria.

Entsprechend kann die Symptomatik durch Bestreichen der Haut mittels eines stumpfen Gegenstandes (Stift, Holzspatel) provoziert werden (Dermatographismus).

Wichtig ist bei einer neu aufgetretenen Urticaria factitia die Abklärung auf ein Quincke-Ödem, welches bei einer Urticaria factitia häufig als Komorbidität auftritt.

7 Differenzialdiagnosen

  • urtikarieller Dermographismus: Latenzzeit 2 bis 10 Minuten; Dauer 10 bis 30 Minuten; kein Juckreiz
  • cholinerge Urtikaria: keine strichförmige sondern stecknadelkopfgroße Quaddeln in streifiger Anordnung; Latenzzeit 5 bis 10 Minuten; Dauer 20 bis 30 Minuten; Juckreiz möglich

Des Weiteren existieren Übergangsformen zwischen dem urtikariellen Dermographismus und der Urticaria factitia, die meist mit einer verzögerten Latenz einsetzen und mehrere Stunden anhalten. Bei diesen Varianten fehlt ein Juckreiz.

Wichtig ist außerdem die Abgrenzung zur Urticaria pigmentosa, unter anderem durch Messung der Tryptase im Serum.

8 Therapie

In der Regel ist keine Therapie notwendig. Reizexpositionen sollten, wenn möglich, vermieden werden. Als symptomatische Therapie kommt die topische Gabe von Antihistaminika in Frage. Bei besonders belastenden Reaktionen ist eine systemische Therapie mit Ketotifen oder oralen Antihistaminika möglich. Bei Therapieresistenz kann eine pseudoallergenarme Diät für 4 bis 6 Wochen durchgeführt werden. Begleitend kann eine psychosomatische Beratung hilfreich sein.

Häufig dauert die Erkrankung einige Jahre, bevor sie von selber wieder verschwindet.

Tags:

Fachgebiete: Dermatologie

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