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Proximale Hamstring-Tendinopathie

Synonyme: Proximale Tendopathie des hinteren Oberschenkels, Proximale Tendopathie des Ursprungssehnenbereichs der ischiocruralen Gruppe
Englisch: proximal hamstring tendopathy, proximal hamstring tendinopathy, hamstring syndrome, hamstring enthesopathy

1 Definition

Die proximale Hamstring-Tendinopathie, kurz PHT, ist eine Insertionstendopathie des sehnigen Ursprungs der ischiocruralen Muskeln am Tuber ischiadicum.

2 Ätiologie

Die Sehnenreizung entsteht meist im Zusammenhang mit speziellem sportlichem Training oder intensiven Dehnübungen. Betroffen sind typischerweise Langstreckenläufer, Sprinter und Hürdenläufer. Auslösend können aber auch Pilates, Yoga und Gymnastik sein. Viele abrupte Start-Stop-Situationen und Richtungswechsel im Training (wie z.B. beim Fußball und Eishockey) begünstigen zudem die Entstehung der PHT. Das Leiden kann auch außerhalb des Sports auftreten, etwa bei häufigem Bücken, insbesondere wenn in Hüftflexion Gegenstände gehalten oder bewegt werden.

Die proximale Hamstring-Tendinopathie ist eine Form des Überlastungssyndroms, die möglicherweise durch eine Schwäche oder Vorschädigungen der Sehnen begünstigt wird. Meist besteht eine multifaktorielle Genese aus extrinsischen und intrinsischen Faktoren.

2.1 Extrinsische Faktoren

  • Trainingsfehler (durch zu rasche Intensitätssteigerung, plötzliche Bewegungen bei unzureichend aufgewärmten Muskeln der ischiocruralen Gruppe)
  • Training bei Ermüdung
  • Training bei Kälte oder Nässe, unpassendem Untergrund
  • Materialmängel (Schuhwerk)
  • langes Sitzen (verschlechterte Blutversorgung)

2.2 Intrinsische Faktoren

3 Pathogenese

Zum Verständnis der PHT ist die anatomische Funktion der ischiocruralen Muskulatur wichtig: Beim Schritt nach vorne fängt die Muskelgruppe einen großen Teil des Körpergewichtes ab, indem sie durch exzentrische Kontraktion die Knieextension abbremst. Im Rahmen dieses Prozesses kommt es unter Umständen zu einer Überlastung der Muskulatur, die zu einer Beanspruchung der Elastizität der Sehnen und zu einem Zug auf deren Insertionen führt.

Es lassen sich keine absoluten Parameter angeben, die für die Entstehung notwendig sind: Die auslösende Winkelkonfiguration (aus Hüftflexion und Knieextension) hängt einerseits von der individuellen Beweglichkeit ab und andererseits von der Wiederholungszahl und der Dauer des Reizes. Auch die Tatsache, ob die Last statisch oder dynamisch wirkt, hat einen Einfluss. Neben dem Winkel im Hüftgelenk und dem wirksamen Hebel ist auch die Lage zur Schwerkraftrichtung sowie die individuelle Sarkomerlänge (abhängig von der Beweglichkeit) entscheidend.

4 Symptome

Typisch ist ein tief sitzender, gut lokalisierbarer Schmerz im Bereich der Sitzbeinhöcker, der folgende Charakteristika aufweist:

  • Verschlimmerung nach Belastung (Laufen, Ausfallschritt, Kniebeugen, Vorwärtsbeugen, Sitzen)
  • Verbesserung durch Aufwärmen der Muskulatur
  • ggf. Schmerzausstrahlung entlang der ischiocruralen Muskeln
  • Druckschmerzhaftigkeit

5 Diagnose

Die Diagnose kann in der Regel durch die Anamnese und die orthopädische Untersuchung gestellt werden. Als Provokationstests dienen:

  • Puranen-Orava-Test (PO-Test): Aktives Dehnen der Oberschenkelrückseite in stehender Position mittels Hüftbeugung bei 90° und vollständiger Knieextension
  • Bent-Knee-Stretch-Test: Passive Extension im Kniegelenk nach maximaler Flexion von Hüfte und Kniegelenk

6 Therapie

Primär zielt die Therapie auf die Schmerzfreiheit ab. Dies wird erreicht durch:

Im Rahmen der Rehabilitation findet eine stufenweise Steigerung statt:

  • isometrische Kräftigungsübungen
  • hüftneutrale Belastung der posterioren Oberschenkelmuskeln
  • Belastung der posterioren Oberschenkelmuskeln in Hüftflexion
  • Energiespeicherungsbelastung (elastische Reize für die Muskelsehneneinheit)

Eine statische und langsame dynamische Kräftigung ist gegenüber schnellen Bewegungen zu bevorzugen. Vorteilhaft sind vor allem hohe Wiederholungzahlen bei moderatem Gewicht. Beispielsweise eignen sich Übungen wie sauber ausgeführtes Kreuzheben mit weitestgehend gestreckten Kniegelenken.

Wenn möglich, sollten ursächliche Faktoren beseitigt werden.

7 Prognose

Bei geeigneter Therapie bestehen gute Chancen einer kompletten Ausheilung der PHT. Wiederholte Schmerzauslösung hingegen führt zu einem Erhalt der Erkrankung sowie zu weiterer Schädigung des Sehnengewebes. Bei längerem Bestehen besteht das Risiko für eine Sehnenruptur.

8 Literatur

Diese Seite wurde zuletzt am 29. Juli 2021 um 16:20 Uhr bearbeitet.

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