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Personale Medizin

Synonym: Personale Heilkunde
Englisch: person-centered medicine

1 Definition

Bei der personalen Medizin handelt es sich um ein Paradigma, das die Person in das Zentrum theoretischer Überlegungen und praktischer Anwendungen in der Humanmedizin stellt. Dabei steht der Arzt als Person genauso im Fokus wie der Patient.

nicht zu verwechseln mit: personalisierte Medizin

2 Hintergrund

Fundament der personalen Medizin bilden Elemente der Philosophie, Anthropologie, Tiefenpsychologie, naturwissenschaftlichen Heilkunde, Kulturanalyse und Kulturkritik. Es handelt sich um ein schulmedizinisches Konstrukt und nicht um Para- oder Alternativmedizin.

Die personale Medizin ist ein u.a. von Gerhard Danzer entwickelter psychosomatischer Ansatz, der die biopsychosozialen Zusammenhänge und kulturellen Einflüsse in Krankheitsentstehung und -verlauf sowie in der Arzt-Patienten-Beziehung miteinbezieht.

Bei der personalen Medizin wird das Konzept der biperspektivischen Simultandiagnostik angewendet.

2.1 Philosophie

Vorläufer und Fundament der personalen Medizin bilden philosophische Überlegungen des 20. Jahrhunderts zum Personalismus. Hierbei spielen Lebensphilosophie, Phänomenologie und Existenzphilosophie eine grundlegende Rolle in der personalen Medizin.

2.2 Anthropologie

Die personale Medizin geht davon aus, dass jede ärztlich-medizinische Aktivität auf (impliziten) anthropologischen Vorannahmen beruht und dass diese bewusst gemacht und kritisch reflektiert werden sollen.

2.3 Tiefenpsychologie

Das Unbewusste wird in der personalen Medizin berücksichtigt und beschränkt sich nicht nur auf Ätiologie und Therapie. So werden auch unbewusste Themen wie z.B. die Arzt-Patienten-Beziehung untersucht.

2.4 Kulturanalyse und Kulturkritik

In der personalen Medizin werden neben biomedizinisch-morphologischen und psychosozial-funktionellen Störungen auch soziokulturell-geistige Störungen diagnostiziert und behandelt. Diagnostik und Therapie benötigen daher kulturanalytische und kulturkritische Methoden sowie entsprechende Einstellungen der behandelnden Person.

Gerhard Danzer sieht eine humanistische und skeptische Haltung für die Kulturanalyse und Kulturkritik als wesentlich an. Danzer nennt in diesem Zusammenhang Francis Bacon, Jean-Jacques Rousseau, Ludwig Feuerbach, Max Stirner, Friedrich Nietzsche, Sigmund Freud und Max Horkheimer als mögliche Ergänzung der personalen Medizin.

2.5 Problemfelder

  • Krankheit und Gesundheit
  • Helfen und Heilen
  • Verhältnis von Leib und Seele
  • Freiheit und Determination
  • Zufall und Schicksal
  • Leben und Sterben
  • Erleben von Zeitdimension und Identität
  • Bewusstsein und Selbstbewusstsein
  • Pflege und Fürsorge
  • Selbstwerdung und Selbstentfremdung

3 Umsetzung

3.1 Charité (Berlin)

1989 implementierte Burghard Klapp die integrierte Psychosomatik an der Charité. Ab 1992 entwickelte Danzer zusammen mit Klapp und einigen Mitarbeitern bis 2014 die integrierte Psychosomatik zu der personalen Medizin weiter.

3.2 Ruppiner Kliniken (Neuruppin)

2003 baute Danzer die Medizinische Klinik C mit Schwerpunkt Psychosomatik an den Ruppiner Kliniken auf und implementierte bis 2019 dort die integrierte Psychosomatik, die parallel zur Entwicklung an der Charité zu der personalen Medizin überging.

3.3 St. Josefs-Krankenhaus (Potsdam)

2006 gründete Danzer einen eigenständigen psychosomatischen Konsilbereich am St. Josefs-Krankenhaus, der zeitweise in alle somatischen Fächer integriert war. Mit den Mitarbeitern des St. Josefs-Krankenhaus zusammen wurde auch dort die integrierte Psychosomatik in Theorie und Praxis zur personalen Medizin entwickelt.

3.4 Klinikum Schloss Lütgenhof (bei Dassow)

2019 wurde das Klinikum Schloss Lütgenhof gegründet und die Prinzipien der integrierten Psychosomatik und personalen Medizin von Anfang an implementiert.

4 Literatur

Diese Seite wurde zuletzt am 20. Januar 2020 um 17:38 Uhr bearbeitet.

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