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Ornithonyssus bacoti

Synonym: Tropische Rattenmilbe

1 Definition

Ornithonyssus bacoti ist eine obligat hämatophage Milbe (Acari), die zur Familie der Macronyssidae gehört und der Erreger der Ornithonyssose der Nager ist.

2 Taxonomie

3 Epidemiologie

Ornithonyssus bacoti kommt weltweit bei Mäusen, Ratten, Hamstern, Rennmäusen, Degus und vielen Wildnagern vor. Zusätzlich befällt der Ektoparasit auch Hunde, Katzen und Vögel.

Der Erreger wird meist über Zukäufe aus Zuchten oder Zoogeschäfte sowie über gebrauchte Käfigeinrichtungen zu den Heimtieren verschleppt, wo er sich dann ungehindert ausbreiten kann.

4 Morphologie

Adulte und mit Blut vollgesogene Weibchen sind ca. 0,6 bis 1,1 mm lang. Männchen sind etwas kleiner.

Die Milben weisen bestimmte morphologische Eigenschaften auf, anhand derer sie von anderen Milben-Arten (z.B. Dermanyssus gallinae oder Ornithonyssus sylvarium) unterschieden werden können. Hierzu gehören v.a. die starke Behaarung, das nach kaudal spitz endende Scutum (Rückenschild) und die typische Form der Analplatte mit kranial lokalisiertem Anus.

Die Eier sind 0,3 bis 0,4 mm, die Larven 0,3 bis 0,4 mm und die Nymphen 0,5 bis 0,7 mm groß.

5 Entwicklung

Alle Entwicklungsstadien von Ornithonyssus bacoti saugen Blut. Die Entwicklung verläuft vom Larvenstadium über zwei Nymphenstadien und endet mit der adulten Milbe. Die Nahrungsaufnahme am Wirt findet vorwiegend nachts statt. Anschließend ziehen sich die lichtscheuen Parasiten oft unbemerkt in einen Unterschlupf (z.B. Bodenspalten, Wände u.ä.) in der Nähe ihrer Wirte zurück.

Die Weibchen können bis zu 70 Tage alt werden. Nach einer Blutmahlzeit legen diese etwa 2 bis 3 Tage später zwischen 90 und 120 Eier in verschiedenen Gelegen in der Umgebung ab (nicht am Wirt selbst). Nach 1 bis 4 Tagen schlüpfen aus den Eiern die Larven, worauf der weitere Entwicklungszyklus unter günstigen Bedingungen (Zimmertemperatur und Luftfeuchtigkeit von 75 bis 80 %) 11 bis 16 Tage benötigt.

6 Pathogenese

Die Milben halten sich bevorzugt nachts an den Wirten auf. Bei starkem Befall kommt es zu ausgeprägtem Juckreiz, Unruhe und Automutilationen. Eine Infestation führt oft zu Kratzwunden und Haarausfall, v.a. am Hals- und Kopfbereich der Wirte. Typisch sind in Gruppen angeordnete erythematöse Papeln - gehäuft am Rumpf und an den Gliedmaßen.

7 Humanpathologie

Die Milben weisen einen großen Aktionsradius auf, weshalb sie auf der Suche nach Blutnahrung ihre Primärwirte verlassen und auch in Gebäude und Wohnungen eindringen können. Aufgrund dessen kommt es immer wieder zu einem Befall beim Menschen, der initial zu heftig juckenden und Mückenstich-ähnlichen Hautveränderungen führt. Am häufigsten sind Kinder betroffen, die einen engen Kontakt zu ihren Haustieren pflegen.

8 Quellen

  • Fiechter R, Grimm F, Müller G, Schnyder M. Häufung von Ornithonyssus bacoti (Tropische Rattenmilbe) Infestationen bei Heimnagern und ihren Besitzern in den Kantonen Zürich und Graubünden [Cumulation of Ornithonyssus bacoti (tropical rat mite) infestations of pet rodents and their owners in the Canton of Zürich and Graubünden]. Schweiz Arch Tierheilkd. 2011 Feb;153(2):79-85. German. doi: 10.1024/0036-7281/a000154
  • Beck W, Fölster-Holst R. Tropical rat mites (Ornithonyssus bacoti) - serious ectoparasites. J Dtsch Dermatol Ges. 2009 Aug;7(8):667-70. English, German. doi: 10.1111/j.1610-0387.2009.07140.x

9 Literatur

  • Eckert J, Friedhoff KT, Zahner H, Deplazes P. 2008. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1072-0
  • Boch J, Supperer R (Begr.), Schnieder T (Hrsg.). 2005. Veterinärmedizinische Parasitologie. 6., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-4135-9

Diese Seite wurde zuletzt am 2. August 2021 um 09:40 Uhr bearbeitet.

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