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Oestrus ovis

von altgriechisch: όιστρος ("oistros") - Bremse; von lateinisch: ovis - Schaf
Synonyme: Nasenfliege, Schafbiesfliege
Englisch: sheep nostril fly, sheep nasal bot fly

1 Definition

Oestrus ovis ist ein Parasit aus der Klasse der Insecta (Insekten) und Erreger der Oestrose der kleinen Wiederkäuer.

2 Taxonomie

3 Epidemiologie

Oestrus ovis ist weltweit verbreitet. Die Parasiten fliegen in Europa zwischen Mai und September bzw. Oktober. Während ihres kurzen Lebens (max. 4 Wochen) nehmen sie jedoch keine Nahrung auf.

In Europa können teils hohe Prävalenzen nachgewiesen werden, z.B. 80 % Befallsrate bei Schafen in Spanien bzw. 55 % Befallsrate bei Schafen in Südwestdeutschland.

4 Morphologie

Die Imagines von Oestrus ovis sind 10 bis 12 mm lang, wenig behaart und bräunlich bis grau gefärbt. Sie weisen einen breiten Kopf mit kleinen Augen auf. Das mittlere Thoraxsegment ist mit kleinen Warzen und gelben Härchen versehen. Das Abdomen hat schwarze Flecken, die Mundwerkzeuge sind stark reduziert.

5 Entwicklung

Nach der Begattung entwickeln sich in den Weibchen binnen weniger (2 bis 3) Wochen die Eier zur Erstlarve (L1) weiter.

Die graviden Weibchen fliegen v.a. an heißen und trockenen Tagen und setzen während ihres Flugs portionsweise etwa 25 Erstlarven an die Nasenöffnungen der Schafe. Manchmal können auch Eigelage im Maul- bzw. in der Augenregion oder selten auch an anderen Körperstellen gefunden werden. Ein Weibchen produziert zeitlebens etwa 500 bis 1.000 Larven. Die nur etwa 1 mm großen Larven wandern dann direkt oder nach dem Belecken der Ablagestelle durch den Wirten in die Nasengänge ein, um die Nasenmuscheln, die Nasennebenhöhlen sowie die Stirn- und Kieferhöhlen zu besiedeln. In diesen Höhlen setzen sie sich an der Schleimhaut fest, um sich sowohl von Sekreten als auch von Entzündungsprodukten zu ernähren. Die Parasiten scheiden dabei mehrere Proteasen aus, die bei der Verflüssigung von Gewebe und der extrakorporalen Verdauung von Proteinen eine wichtige Rolle spielen.

Nach einer Größenzunahme und einem Häutungsvorgang entwickelt sich die L1 zur Zweitlarve (L2) weiter, die zwischen 4 und 12 mm groß ist. Im weiteren Entwicklungszyklus erreicht sie das 17 bis 28 mm lange und walzenförmige Drittlarvenstadium (L3). Die L3 ist mit Mund- und Kaudalhaken sowie mit ventralseitigen Dornen- und Warzenreihen ausgestattet, um sich an der Schleimhaut des Wirts festzuhalten. Im Frühjahr und Frühsommer lösen sich letztendlich die verpuppungsreifen L3 von den Schleimhäuten und verlassen entweder aktiv oder passiv (durch Niesen bzw. Husten) ihren Wirt. Am Boden angekommen verpuppen sich die Larven, wobei die Puppenruhe zwischen 2 und 6 Wochen andauert.

6 Pathogenese

Durch die Ablage der Erstlarven und ihre Einwanderung in die Nasenhöhlen kommt es bei betroffenen Tieren zu Unruhe, Kopfreiben und Kopfschütteln. Die anschließenden Wochen der Infestation verlaufen hingegen meist inapparent.

Die Larven verursachen an ihren Ansiedlungsorten entzündliche Veränderungen, die aszendierende bakterielle Infektionen nach sich ziehen. Die Folge sind Nasenausfluss, Niesen, Epiphora, Husten, Dyspnoe, gestörte Futteraufnahme, Abmagerung und Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens. Ein hochgradiger Befall mit Besiedlung des Larynx, der Trachea und der Bronchien führt zu entsprechenden respiratorischen Symptomen.

7 Humanpathologie

Die Larven von Oestrus ovis können sich auch in Fehlwirten wie Hunden und Menschen ansiedeln. In Endemiegebieten kommt es daher bei exponierten Personengruppen (z.B. Schäfer) vereinzelt zu verschiedenen Formen von Myiasis (pharyngeal, konjunktival u.ä.).

8 Quelle

  • Ahaduzzaman M. The global and regional prevalence of oestrosis in sheep and goats: a systematic review of articles and meta-analysis. Parasit Vectors. 2019 Jul 12;12(1):346. doi: 10.1186/s13071-019-3597-2

9 Literatur

  • Eckert J, Friedhoff KT, Zahner H, Deplazes P. 2008. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1072-0
  • Boch J, Supperer R (Begr.), Schnieder T (Hrsg.). 2005. Veterinärmedizinische Parasitologie. 6., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-4135-9

Diese Seite wurde zuletzt am 2. August 2021 um 14:47 Uhr bearbeitet.

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