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Listeriose (Geflügel)

Synonym: Listeria-monocytogenes-Infektion
Englisch: listeriosis

1 Definition

Die Listeriose ist eine sporadisch auftretende und primär septikämisch verlaufende Infektionskrankheit des Nutzgeflügels.

2 Ätiologie

Listeria monocytogenes ist ein grampositives und kurzes Stäbchenbakterium, das 0,4 x 0,5 bis 2 µm lang ist. Bisher (2021) sind 17 Serovare beschrieben, von denen am häufigsten die mit den Antigenfaktoren 1/2a und 4b nachgewiesen werden. Der Erreger ist potenziell pathogen, die Stämme unterscheiden sich deutlich in ihrer Virulenz.

Eine Anzüchtung gelingt sowohl aerob als auch mikroaerob auf Tryptose- oder Blutagarplatten, wobei Selektivnährmedien zu bevorzugen sind (z.B. Acridin-Nalidixinsäure-Agar). Die Tenazität ist hoch, da die Bakterien auch außerhalb des Wirtsorganismus (z.B. in Einstreu, Futter, Kot, Erdboden und Wasser) monate- bis jahrelang überlebensfähig bleiben.

3 Epidemiologie

Da Listeria monocytogenes weit verbreitet ist, finden Infektionen relativ häufig statt. Die meisten Erkrankungen verlaufen jedoch latent oder abortiv-latent. Empfänglich sind neben Hühnern auch Puten, Wassergeflügel und Tauben, wobei Jungtiere deutlich häufiger erkranken als ältere Tiere.

4 Pathogenese

Direkte Übertragungen von Tier zu Tier sind selten. Deutlich häufiger kommt es zu indirekten Infektionen über erregerhaltigen Kot, durch kontaminiertes Futter und Tränkewasser. Die klinische Manifestation hängt jedoch maßgeblich von der Anzahl und der Virulenz der aufgenommenen Bakterien sowie den begleitenden prädisponierenden und konstitutionellen Faktoren ab.

5 Klinik

Infektionen finden vorwiegend oral statt und äußern sich primär in Form einer Septikämie und/oder ZNS-Symptomatik.

Ein perakuter Krankheitsverlauf gipfelt im plötzlichen Tod ohne vorausgegangene Symptome. Akute Erkrankungen hingegen gehen mit unspezifischen Allgemeinstörungen und Diarrhö einher und enden binnen 24 und 48 Stunden mit dem Tod. Bei subakut bis chronisch krankten Tieren kommt es zu Abmagerung, temporärer Diarrhö und in seltenen Fällen auch zu schwerwiegenden ZNS-Symptomen wie Tremor, Tortikollis, Ataxie, Inkoordination, Opisthotonus und Paresen.

6 Pathohistologie

Bei perakut erkrankten Tieren kommt es zu Hepatomegalie, Splenomegalie, Stauungshyperämie und petechialen Blutungen. Akute sowie subakute Erkrankungen sind durch Hydroperikard, fibrinöse Perikarditis, Blutungen und multifokale Nekroseherde im Myokard, der geschwollenen Leber, Milz und Darmwand gekennzeichnet. Ein subakuter bis chronischer Verlauf hingegen äußert sich in gelblichen, glattrandigen, granulomatösen Herden in den parenchymatösen Organen.

Die herdförmigen Nekrosen in Leber, Milz und Myokard werden peripher von heterophilen Granulozyten, Lymphozyten und Plasmazelleen demarkiert. Die Granulome sind von Epitheloidzellen und Fremdkörperriesenzellen geprägt. Im ZNS kommt es zu Gliose, Satellitose, Blutungen und Fibrinthromben - insbesondere im Kleinhirn.

7 Differenzialdiagnosen

8 Diagnose

Die histopathologisch gestützte Verdachtsdiagnose wird durch den direkten Erregernachweis mittels kultureller Anzüchtung und anschließender Identifikation mithilfe des MALDI-TOF-Systems oder einer PCR gesichert.

9 Therapie

Herdenbehandlungen haben sich nicht als erfolgreich erwiesen. Einzeltiere hingegen können mit ß-Lactam-Antibiotika (z.B. Amoxicillin), Gentamicin und Tetrazyklinen behandelt werden. Therapieresistente Fälle sind auszusortieren und tierschutzgerecht zu euthanasieren.

10 Prophylaxe

Es stehen derzeit keine Impfstoffe zur Verfügung. Die Bekämpfung konzentriert sich auf eine Vermeidung des Erregereintrags durch strikte Hygienemaßnahmen.

11 Zoonotische Bedeutung

Menschen infizieren sich über kontaminierte Nahrungsmittel mit Listeria monocytogenes. Eier sowie Geflügelfleisch sind dabei jedoch von untergeordneter Bedeutung. Häufige Infektionsquellen stellen Rohwürste, Rohmilch und Räucherfisch dar. Gefährdet sind v.a. Kinder und immunsupprimierte Menschen, die an akut-septikämischen sowie chronisch-septikämischen und zentralnervösen Listeriose-Verlaufsformen erkranken können.

12 Literatur

  • Rautenschlein S, Ryll M. 2014. Erkrankungen des Nutzgeflügels. 1. Auflage. Stuttgart: UTB Verlag GmbH. ISBN: 978-3-8252-8565-5
  • Siegmann O, Neumann U (Hrsg.) 2012. Kompendium der Geflügelkrankheiten. 7., überarbeitete Auflage. Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. ISBN: 978-84268333-4

Diese Seite wurde zuletzt am 17. September 2021 um 15:58 Uhr bearbeitet.

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