Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Depression

von lateinisch: deprimere - herunterdrücken
Englisch: depression

1 Definition

Eine Depression ist eine psychische Störung mit Krankheitswert, die durch eine gedrückte Stimmung, Interesselosigkeit beziehungsweise Freudlosigkeit und Antriebsstörung (Abulie) gekennzeichnet ist. Die Erkrankung ist durch einen episodischen Krankheitsverlauf charakterisiert.

In der Anatomie wird der Begriff Depression auch gleichbedeutend mit "Senkung" verwendet.

2 Hintergrund

Depression ist keine Traurigkeit, sondern ein Zustand, in dem die Empfindung aller Gefühle reduziert ist. Betroffene beschreiben dies auch mit einem "Gefühl der Gefühllosigkeit".

Im klinischen Sprachgebrauch wird auch von unipolarer Depression gesprochen, um sie deutlicher von depressiven Phasen bei bipolaren Störungen abzusetzen.

3 Epidemiologie

Die Depression ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. Es kursieren jedoch sehr unterschiedliche Erkrankungszahlen. Das hängt zum einen mit der hohen Dunkelziffer zusammen (viele Depressionen werden nicht als solche erkannt), zum anderen mit der Definition der Krankheit. Die meisten Veröffentlichungen gehen jedoch heute davon aus, dass in Deutschland mehr als 10% der Personen im Laufe ihres Lebens eine behandlungsbedürftige Depression durchleben.

Die 12-Monatsprävalenz einer schweren unipolaren Depression beträgt ungefähr 2% (Frauen 2,38%, Männer 1,55%). Die Patienten erkranken im Durchschnitt mit 56 Jahren (SD 17 Jahre). Die 2-Jahres-Mortalität ist auf 1,40 (1,37 - 1,44; OR [KI]) erhöht. Die Lebenszeit ist altersabhängig um 3 - 4 Jahre verkürzt.[1]

Bei Frauen werden Depressionen im Durchschnitt doppelt so oft wie bei Männern diagnostiziert. Dies kann auf eine verstärkte genetische Disposition von Frauen zur Depression hinweisen, aber auch mit den unterschiedlichen sozialen Rollen und Zuschreibungen zusammenhängen, da deutlich mehr Männer an meist depressionsbedingten Suiziden sterben als Frauen. Junge Frauen zwischen dem 15. und dem 24. Lebensjahr unternehmen hingegen statistisch die häufigsten Suizidversuche oder vollziehen parasuizidale Handlungen.

In den vergangenen Jahren wurde in den entwickelten Ländern ein starker Anstieg der depressiven Erkrankungen beobachtet, ganz besonders in den hoch industrialisierten Ländern. Die Ursachen dafür sind noch unklar, häufig wird jedoch der Stress in der Gesellschaft (in Form von gestiegener Beanspruchung und Unsicherheit durch die persönliche und berufliche Situation) mit verantwortlich gemacht. So wurde zum Beispiel nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine schlagartige Zunahme von Depressionen und Suiziden in vielen osteuropäischen Staaten beobachtet. Eine weitere Ursache mag sein, dass die Stigmatisierung der Depression in den letzten Jahren weitgehend überwunden wurde und die Patienten heute häufiger ärztliche Behandlung suchen. Dies würde auch mit den Statistiken für Suizid übereinstimmen, nach denen im Jahre 1980 noch 18.000 Deutsche jährlich durch Suizid das Leben verloren, während es im Jahre 2000 nur noch 12.000 waren.

4 Ursachen

Die Ursachen, die zu einer Depression führen, sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Es handelt sich um eine multikausale Erkrankung. Neben der Möglichkeit einer genetischen Disposition stellt beispielsweise das Erleben von Entwertung, Erniedrigung und Verlust in engen Beziehungen ein hohes Risiko für das Entstehen einer Depression dar. Schwere chronische Erkrankungen, die zu einem Verlust der Lebensqualität führen (z.B. Krebs), sind ebenfalls häufig mit Depressionen assoziiert. Auch Stresssituationen (siehe unten) scheinen als Ursache eine Rolle zu spielen.

Diese psychischen Belastungen hinterlassen nachweisbare strukturelle Reaktionen im Gehirn. Sie sind die Grundlage für Erklärungsansätze, die primär neuronale Störungen als auslösende Ursache für die Erkrankung annehmen. Andere Erklärungsmodelle fokussieren eher biochemische Veränderungen in der Umwelt und die Lebensgewohnheiten des Patienten.

Ein weiterer exogener beziehungsweise biogener Auslöser ist die Lichtaufnahme. Bei der so genannten saisonalen oder "Winterdepression" treten durch den Mangel an Sonnenlicht regelmäßig über die Wintermonate depressive Symptome auf, die im Frühjahr wieder abklingen.

4.1 Stress als Ursache

Als natürlicher Schutzmechanismus wird im Gehirn in Gefahrensituationen die Produktion von Serotonin gehemmt. Dieser Vorgang ist nachweisbar, während der hochkomplexe individuelle Sozialisationsprozess und das charakterlich-affektive Verhalten im Erleben des Menschen nicht so einfach nachzuweisen ist. Die Serotoninproduktion ist eine mögliche Reaktion des Gehirns auf interpersonelle (zwischenmenschliche) oder intrapersonelle (selbstreflektierte) Stressinteraktionen des Menschen. Sie spielt eine Schlüsselrolle bei weitsichtigem Denken, was aber in Gefahrensituationen nicht sinnvoll ist. Normalisiert sich die Situation wieder, so wird beim gesunden Menschen die Serotoninproduktion wieder aufgenommen - der Betreffende denkt wieder klar.

Besonders wenn mehrere Stresssituationen über einen Zeitraum von einigen Jahren anhalten, kann es vorkommen, dass sich die Serotoninproduktion nicht mehr normalisiert, wenn schließlich doch wieder eine ruhigere Phase im Leben eintritt. Depressionen werden im Alter von etwa 30 Jahren verstärkt beobachtet, zu einem Zeitpunkt also, da bei manchen Menschen nach einer stressreichen Jugendzeit das Leben in ruhigeren Bahnen verläuft. Das Serotoninniveau bleibt niedrig, und nun wird nicht mehr Stress im Leben bewältigt, sondern ein normaler, nicht übermäßig aufregender Alltag gedämpft. An dieser Stelle setzt die Depression ein. Das weitsichtige Denken ist gestört, was aber notwendig ist, um sich auf künftige Ereignisse freuen zu können. Viele psychologische Selbstschutzmechanismen (etwa der Gedankengang, dass an einem Problem auch andere schuld sein könnten, und nicht man selbst) sind bei Depressionserkrankten offenbar "ausgehebelt" oder konnten sich gar nicht erst ausbilden.

Eine anfängliche Krise kann einen Kranken in einen Teufelskreis reißen, den er allein nur sehr schwer wieder durchbrechen kann: Im Verlauf der Erkrankung zeigt sich, dass - gerade bei lange andauernden Depressionen - die Krankheit so stark in das Leben der Betroffenen eingreift, dass zwischenmenschliche Beziehungen und auch zum Beispiel schulischer und beruflicher Erfolg darunter zu leiden haben. Das durch die Krankheit bedingte Ausbleiben von Erfolgserlebnissen beziehungsweise das häufigere Erleben von Rückschlägen im eigenen Fortkommen führt dann wieder in das die Depression bestimmende Denkmuster von Hilfs- und Hoffnungslosigkeit.

Im Blut und Urin von Depressiven lassen sich in der Regel überhöhte Mengen des Stresshormons Kortisol nachweisen.

siehe auch: Stresshypothese (Depression)

4.2 Körperliche Ursachen

Verschiedene körperliche Zustände oder Erkrankungen können die Ursache einer symptomatischen Depression sein, die man dann auch als somatogene Depression bezeichnet. Dazu zählen viele Hormonstörungen, beziehungsweise Veränderungen im Regelkreis der Hormone, zum Beispiel Umstellung der Sexualhormone nach der Schwangerschaft oder während der Pubertät, bei Schilddrüsenfunktionsstörungen und Hypophysen- oder Nebenierenerkrankungen.

Die Depressionen verschwinden aber in der Regel wieder bei richtiger Behandlung der Grunderkrankung, beziehungsweise Ende des auslösenden Zustandes.

4.3 Genetische Ursachen

Aus der Zwillingsforschung ist bekannt, dass eine genetische Komponente bei der Neigung zu Depressionen wahrscheinlich ist. Vermutlich sind mehrere Gene für eine Anfälligkeit gegenüber Depressionen verantwortlich, so hat man etwa bei Depressiven eine relevant häufige Mutation auf dem Gen 5-HTT entdeckt.

4.4 Neurophysiologische Ursachen

Die Depression gehört zu den affektiven Störungen, wie auch die Manie und die manisch-depressive Erkrankung. Als gesichert gilt, dass bei jeder bekannten Form der Depression das serotonerge und/oder noradrenerge System gestört ist, das heißt, der Spiegel dieser Neurotransmitter ist zu hoch oder zu niedrig, oder die Resorption/Reizbarkeit der Synapsen ist verändert. Unklar ist jedoch, ob die Veränderung im Serotoninspiegel eine Ursache oder eine Folge der depressiven Erkrankung ist.

Die medikamentöse Behandlung mit modernen Antidepressiva setzt bei der Veränderung des Serotoninspiegels an, wobei es in der Psychiatrie weder ein Diagnoseverfahren gibt, mit dem man feststellen kann, in welcher Weise welches neuronale System gestört ist, noch ein Vorhersagemodell, durch das man ermitteln kann, welches Medikament wirkt.

Es ist nur bekannt, dass bei erblicher Vorbelastung diejenigen Medikamente tendenziell besser wirken, die einem ebenfalls an Depression erkrankten Verwandten auch geholfen haben. Außerdem ist bekannt, dass sich Serotonin stärker auf die Stimmung, Noradrenalin dagegen mehr auf die Leistungsfähigkeit auswirkt.

5 Symptome

Hauptsymptome einer depressiven Episode sind eine depressive, gedrückte Stimmung, Interessensverlust und Freudlosigkeit sowie eine Verminderung des Antriebs und eine Einschränkung der Aktivität.[2]

Häufig tritt bei einer akuten Depression eine völlige Unmotiviertheit auf. Die Betroffenen werden passiv und sind nicht in der Lage, einfachste Alltagstätigkeiten wie Einkaufen und Abwaschen zu verrichten. Sie bleiben zum Beispiel – für Außenstehende unverständlich – tagelang im Bett.

Mögliche Zusatzsymptome, die im Rahmen einer depressiven Episode auftreten können sind u.a. verminderter Appetit, negative Zukunftsperspektiven, Schuldgefühle und das Gefühl der Minderwertigkeit, eine verringerte Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit, ein vermindertes Selbstvertrauen und Schlafstörungen.[2] Die Schlafstörungen können sich in Form von Durchschlaf- und/oder Einschlafstörungen äußern. Sie führen meist zu langem Wachbleiben mit Kreisdenken und frühmorgendlichem Aufwachen sowie konsekutiv zu großer Tagesmüdigkeit.

Depressionen können von einem sogenannten somatischen Syndrom begleitet sein. Dafür typische Symptome sind beispielsweise ein ausgeprägtes Morgentief, eine psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit, eine verringerte Libido sowie ein Appetit- und Gewichtsverlust.[2]
Das somatische Syndrom geht regelmäßig mit Erkrankungen aus dem depressiven Formenkreis einher.

Oft werden von Betroffenen auch negative Gedanken und Eindrücke überbewertet und positive Aspekte nicht wahrgenommen, beziehungsweise für zufällig gehalten. Die Betroffenen können ein vermindertes Gefühlsleben bis hin zur Unfähigkeit des Zeigens einer Gefühlsreaktion aufweisen.

Depressionen können sich darüber hinaus durch Verspannungen, Schmerzempfindungen im ganzen Körper und Kopfschmerzen äußern. Des Weiteren kann manchmal eine verstärkte Infektanfälligkeit beobachtet werden.

Gelegentlich kommt es zu einem katathymen Wahn. Diese Form von Wahn ist nicht mit jenen Wahnvorstellungen gleichzusetzen, wie sie bei Psychosen zu beobachten sind. Der katathyme Wahn ist vielmehr von den jeweiligen Affekten des Betroffenen sowie von aktuellen Erlebnissen abhängig. Ein klassisches Beispiel eines katathymen Wahns unter depressiven Menschen ist der Wahn zu verarmen und mittellos zu sein.

Eine Depression kann je nach Schwere mit Suizidgedanken oder einer latenten oder akuten Suizidalität verbunden sein. Es wird vermutet, dass der größte Teil der circa 12.000 Suizide pro Jahr in Deutschland (Männer: 8.800, Frauen: 3.400) auf Depressionen zurückzuführen ist. Damit sterben mehr Menschen in Deutschland an Depression als an Verkehrsunfällen.

6 Verlauf

Eine Depression ist durch einen episodischen Verlauf gekennzeichnet.[2] Die Dauer einer einzelnen depressiven Episode beträgt unbehandelt etwa sechs bis acht Monate. Bei adäquat durchgeführter Therapie (Psychopharmakotherapie, Psychotherapie) kann die Episodenlänge auf zwei bis vier Monate reduziert und auch die Krankheitsintensität verringert werden.[3] Bei 80 Prozent der Patienten kommt es zu einer Remission der depressiven Symptomatik innerhalb von zwei Jahren, etwa 20 Prozent zeigen einen chronischen Verlauf.[4] Eine depressive Episode, die die seit mehr als zwei Jahren ohne eine deutliche Symptomverbesserung besteht, bezeichnet man als chronisch depressive Episode.[2]

Eine weitere klinische Verlaufsform ist die Entstehung einer depressiven Episode aus einer bestehenden Dysthymie. Dies bezeichnet man als doppelte Depression.[2]

7 Formen

Früher wurde unterschieden zwischen der endogenen Depression, die ohne erkennbare Ursache auftritt, (und bei denen eine rein genetische Ursache angenommen wurde), und der exogenen Depression, die Folge erkennbarer Ursachen ist (zum Beispiel nach einem Trauerfall).

Heute wird im Allgemeinen nicht mehr an dieser Klassifikation festgehalten, sondern die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) verwendet.

7.1 Klassifikation nach ICD-10

  • F32 - Depressive Episode
  • F32.0 - Leichte depressive Episode
  • F32.1 - Mittelgradige depressive Episode
  • F32.2 - Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
  • F32.3 - Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
  • F32.8 - Sonstige depressive Episoden
  • F32.9 - Depressive Episode, nicht näher bezeichnet
  • F33 - Rezidivierende depressive Störung
  • F33.0 - Rezidivierende depressive Störung, gegenwertig leichte Episode
  • F33.1 - Rezidivierende depressive Störung, gegenwertig mittelgradige Episode
  • F33.2 - Rezidivierende depressive Störung, gegenwertig schwere Episode ohne psychotische Symptome
  • F33.3 - Rezidivierende depressive Störung, gegenwertig mit psychotischen Symptomen
  • F33.4 - Rezidivierende depressive Störung, gegenwertig remittierend
  • F33.8 - Sonstige rezidivierende depressive Störungen
  • F33.9 - Rezidivierende depressive Störung, nicht näher bezeichnet

Im ICD-10 wird unterschieden zwischen Episoden (einzelnen Vorkommen von Depression beziehungsweise Manie) und rezidivierenden Störungen (wiederholtes Vorkommen von Episoden).

Um die Diagnose einer depressiven Episode nach ICD-10 zu stellen, müssen mindestens zwei der beschriebenen Hauptsymptome für mindestens 2 Wochen vorliegen.[2] Die Schwere der depressiven Episode wird mit leicht, mittelgradig oder schwer bezeichnet, hinzu kommen können psychotische Störungen. Um eine depressive Episode hinsichtlich ihres Schweregrades einzuordnen gelten folgende diagnostischen Kriterien:[2]

Schweregrad der Episode Kriterien
Leichte depressive Episode (F32.0) Mindestens zwei Hauptsymptome und zwei weitere Zusatzsymptome
Mittlere depressive Episode (F32.1) Mindestens zwei Hauptsymptome und 3-4 weitere Zusatzsymptome
Schwere depressive Episode (F32.2) Erfüllung aller drei Hauptsymptome und mindestens vier weiterer Zusatzsymptome

7.2 Weitere Formen

Bei der seltener anzutreffenden bipolaren affektiven Störung wechseln sich Depression und Manie (die sich durch unkontrollierte Hyperaktivität, gehobene Stimmung und mangelnde Kritikfähigkeit auszeichnet) in zeitlich unterschiedlich langen Phasen ab, daher auch die ältere Bezeichnung manisch-depressive Erkrankung. In leichter, aber über Jahre andauernder Form wird sie als Zyklothymie bezeichnet.

Manche Psychiater diagnostizieren eine spezielle Winterdepression (SAD), die durch Mangel an Sonnenlicht begünstigt wird. "SAD" steht für "Seasonal Affective Disorder". Eine weitere Sonderform ist die Altersdepression: bei den 70- bis 74-jährigen sind 14 % depressiv, bei über 80-jährigen sind es 42 %, auch hier Frauen doppelt so häufig wie Männer. Allerdings gehen die Alterspsychiater heute davon aus, dass es keine spezielle Altersdepression gibt, sondern alle Formen der Depression auch im höheren Lebensalter vorkommen können. Auch geht man davon aus, dass Depressionen im Alter nicht häufiger sind als in anderen Lebensabschnitten. Bei etwa 10 % der Frauen kommt es nach einer Geburt zu einer postpartalen Depression, für die hormonelle Ursachen vermutet werden.

Eine Sonderform der Depression ist die anaklitische Depression (Anaklise = Abhängigkeit von einer anderen Person) bei Babys und kleinen Kindern, wenn diese allein gelassen oder vernachlässigt werden. Die anaklitische Depression äußert sich durch Weinen, Jammern, anhaltendes Schreien und kann in psychischen Hospitalismus übergehen.

8 Diagnose

Um Hinweise auf eine depressive Störung zu bekommen, können beispielsweise der WHO-5-Fragebogen zum Wohlbefinden, die Allgemeine Depressionsskala (ADS), der Zwei-Fragen-Test oder die Hamilton Depression Scale zum Einsatz. Falls eine Veränderung der Stimmung und/oder des Antriebs vorliegt und der Verdacht einer depressiven Störung besteht, sollte differenzialdiagnostisch auch über andere psychische Störungen als Auslöser der Symptome nachgedacht werden. Darüber hinaus sollten somatische Ursachen sowie der Missbrauch psychotroper Substanzen ausgeschlossen werden. Durch einen psychologischen Psychotherapeuten oder einen Psychiater wird ein psychopathologischer Befund erhoben und der bisherige Krankheitsverlauf erfasst. Auf dieser Grundlage wird anschließend die Diagnose gestellt.[2]

In einigen Fällen ist die Depression mit anderen Erkrankungen verbunden, so dass sie von den behandelnden Ärzten nicht direkt erkannt wird.

Mittels einer TFDD kann eine Depression von einer beginnenden Demenz abgegrenzt werden.

9 Therapie

Depressionen können durch Psychotherapie, durch physikalische Maßnahmen und medikamentös (Antidepressiva) oftmals wirksam behandelt werden. Häufig wird auch eine Kombination aus medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung angewandt.

Bei einer leichten depressiven Episode sollte der Patient zunächst durch eine aktiv abwartende Begleitung bzw. eine niederschwellige Intervention unterstützt werden. Nach 14 Tagen erfolgt eine Reevaluation der Symptomatik. Falls die Symptome anhalten bzw. sich verschlechtert haben, sollte eine Psychotherapie oder Pharmakotherapie eingeleitet werden. Mittlere depressive Episoden hingegen werden in der Regel ohne Abwarten entweder medikamentös oder psychotherapeutisch behandelt. Bei einer schweren depressiven Episode wird eine Kombination aus einer medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung empfohlen.[2]

9.1 Psychotherapie

Zur Behandlung der Depression werden verschiedene psychotherapeutischen Verfahren eingesetzt.

Am häufigsten wird heute - zumindest bei psychologischen Psychotherapeuten - die kognitive Verhaltenstherapie angewandt. Dabei geht es vor allem darum, die depressionsauslösenden Denkmuster zu erkennen, um sie dann Schritt für Schritt zu verändern. Vorreiter dieser Therapieansätze waren unter anderem Albert Ellis und Aaron T. Beck. Neben der kognitiven Therapie hat sich in klinischen Studien die interpersonelle Therapie nach Weissman/Klerman als wirksam erwiesen. Vom wissenschaftlichen, das heißt vom empirischen Standpunkt aus betrachtet, können diese beiden Therapieformen als die gegenwärtig wirksamsten nicht-psychopharmazeutischen Depressionsbehandlungen gelten.

Tiefenpsychologische und analytisch orientierte Verfahren versuchen an den oft schon in der Kindheit entstandenen psychischen Problemen und daraus resultierenden Haltungen zu arbeiten.

In gruppentherapeutischen Verfahren wird versucht, die Tendenz zum Rückzug zu überwinden, die verringerten Interaktionsmöglichkeiten zu bessern und die oft reduzierte Fähigkeit, Hilfe in Anspruch zu nehmen, zu fördern.

Rollenspieltechniken (zum Beispiel Psychodrama) können unter anderem helfen, den eigenen, oft eingeengten und festgefahrenen Blick zu überwinden.

9.2 Pharmakotherapie

In der medikamentösen Behandlung von Depressionen gab es in den letzten Jahren Fortschritte: Neuere Antidepressiva (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, z.B. Fluoxetin), haben geringere Nebenwirkungen als die ältere Mittel. Sie wirken allerdings erst nach mehrwöchiger Einnahmedauer.

Zu den Antidepressiva zählen u.a.:

Insbesondere bei einigen älteren Medikamenten gibt es den Effekt, dass der Antrieb zuerst aktiviert wird, die stimmungsaufhellende Wirkung erst später einsetzt. Dies kann zu einer erhöhten Selbstmordgefahr führen, deswegen ist unter Umständen eine zeitweilige Beobachtung oder die gleichzeitige Gabe von dämpfenden Medikamenten angezeigt.

Zur Minderung der Nebenwirkungen werden die meisten älteren Medikamente (Trizyklika) ein- und ausschleichend verabreicht. Bei den neueren, so genannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmern ist dies üblicherweise nicht erforderlich.

Besondere Achtung ist bei depressiven Menschen geboten, die in ein malariagefährdete Gebiete reisen, da Schizontozide (Antimalariamittel) die depressiven Symptome deutlich verstärken können.

9.3 Lichttherapie

Bei der saisonalen Depression hat sich die Lichttherapie bewährt. Einige Stunden unter einer Kunstlichtlampe, die Sonnenlicht nachempfindet (weißes fluoreszierendes Vollspektrum-Licht ohne UV-Anteil), helfen bei dieser speziellen Erkrankung, dass während der Wintermonate keine depressiven Symptome auftreten. Die Lichttherapie kann auch bei leicht bis mittelgradigen Episoden einer Depression eingesetzt werden. Wichtig ist dabei die Stärke der Lichtquelle. Normale Glühbirnen mit einer Beleuchtungsstärke von ungefähr 300-500 Lux reichen nicht aus. Besonders zu Beginn der Therapie sind Lichtquellen mit bis zu 10.000 Lux nötig.

9.4 Experimentelle Methoden

Insbesondere bei schweren und über lange Zeit gegen medikamentöse Behandlung resistenten Depressionen kommen gerade in jüngerer Zeit wieder stärker nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren zum Einsatz, deren Wirkprinzipien jedoch weitgehend unklar sind.

Das häufgste diesbezüglich eingesetzte Verfahren ist die Elektrokrampftherapie. Dieses wurde sehr früh entdeckt, als bei Patienten mit Depression nach einem epileptischen Anfall eine Verbesserung der Stimmung auftrat.

Derzeit in einigen Studien befindlich ist die Vagusnerv-Stimulation, bei der eine Art Herzschrittmacher im Abstand von einigen Minuten jeweils kleine elektrische Impulse an den Vagusnerv schickt. Diese Therapie, die ansonsten insbesondere bei Epilepsie-Patienten Anwendung findet, scheint bei etwa 30 - 40% der therapieresistenten Patienten anzuschlagen.

Ebenfalls getestet wird derzeit die transkranielle Magnetstimulation (TMS), bei der das Gehirn der Patienten durch ein Magnetfeld angeregt wird. Die Anzahl der mit den letztgenannten Verfahren behandelten Studienteilnehmer ist jedoch noch recht gering, so dass derzeit (2021) keine abschließenden Aussagen zu machen sind.

Ein neuerer, vielversprechender Ansatz (2021) bei therapieresistenten Depressionen ist die Tiefenhirnstimulation, bei der Elektroden an den Amygdala und im Corpus striatum gesetzt werden.[5]

9.5 Ernährung

Einige Studien weisen darauf hin, dass eine ausgewogene, kohlenhydratreiche Ernährung mit reichlich Fisch Depressionen lindern kann. Allerdings halten die meisten Wissenschaftler die Wirkung der Nahrung auf das Gehirn für zu schwach, als dass bei schweren Depressionen eine Heilung erzielt werden könnte.

Die "antidepressive" Kost sollte viel Obst, Gemüse und Olivenöl, jedoch wenig Käse, Fleisch oder Nüsse enthalten. Das für die Ernährung notwendige Protein sollte weitgehend aus Fisch stammen. Die kohlenhydratreiche Ernährung führt im Körper zu einer vermehrten Herstellung von Tryptophan, aus welchem im Gehirn der Botenstoff Serotonin aufgebaut wird. Serotonin wiederum spielt eine wichtige Rolle bei der Stressbewältigung und vermittelt Glücksgefühle. Depressionen stehen häufig in Zusammenhang mit einem Serotoninmangel im Gehirn.

Nicht nur die Kohlenhydrate, sondern auch das Fischöl bzw. die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren des Fisches sollen einen positiven Einfluss bei schweren Depressionen haben. So gibt es in Ländern wie Japan oder Taiwan, in denen traditionell Fisch ein Hauptbestandteil der Ernährung darstellt, rund 60 Mal weniger Depressive als in Deutschland, und auch die Selbstmordraten sind in asiatischen Ländern weitaus niedriger.

Der Wirkungsmechanismus der Omega-3-Fettsäure ist noch nicht aufgeklärt, jedoch wird eine Interaktion von Fettsäure und Serotonin vermutet: ein Mangel an Serotonin wird häufig von einem Mangel an Omega-3-Fettsäure begleitet, umgekehrt scheint die Gabe der Fettsäure zur Erhöhung des Serotoninspiegels zu führen.

9.6 Andere Hilfsmittel

Antidepressiv wirksam können auch sein:

siehe auch: Psychologie, Psychotherapie, Psychiatrie, Neurologie

10 Quellen

  1. Schneider F et al. Mortalität und somatische Komorbidität bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Dtsch. Ärztebl. 2019; 116(23-24): 405-411.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 2,8 2,9 S3-Leitlinie Unipolare Depression, abgerufen am 30.09.2021
  3. Rudolf, S., Bermejo, I., Schweiger, U. et al.: Diagnostik depressiver Störungen. Dtsch. Ärztebl. 2006; 103(259): A-1754-A-1762
  4. Kennedy, N., Abbott, R., Packel, ES: Remission and recurrence of depression in the maintenance era: lon-term outcome in a Cambridge cohort. Psychol. Med. 2003; 33: 827-838
  5. Katherine W. Scangos et al.: Closed-loop neuromodulation in an individual with treatment-resistant depression Nature Medicine (2021) Published: 04 October 2021

11 Weblinks

Diese Seite wurde zuletzt am 25. April 2022 um 09:47 Uhr bearbeitet.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

89 Wertungen (3.76 ø)

Copyright ©2022 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: